Brief aus Eiderstedt

belmonte

brief aus eiderstedt

langer weg mit schafkot
salzwiesen
kanäle und draußen das meer
die landschaft öffnet sich vor dem entgrenzten blick
wo kein land ist
ist nichts
und wolken und ferne regengüsse
ein leuchtfeuer
das die verlorenheit eingrenzt in der übergangslosen weite
riesige vogelschwärme
die sich überlagern
trennen
und in unterschiedlicher richtung auseinanderfliegen
tief über dem land
hoch oben dann
und kleine schwärme
die in der ferne dem blick entschwinden

draußen im schlick
wer genau hinhört
hört den gesang der vögel von allen seiten
der himmel ist grau
im nebel ist nichts mehr zu erkennen
wann der blick im nirgendwo endet
nicht zu erahnen
wo das wasser beginnt
der himmel beginnt 

vor hunderten von jâren war hier eine stadt
die von der sturmflut verschluckt wurde
sand und schlick bedecken heute den ort
an dem einmal häuser standen und türme und mauern
manchmal
wenn der wind stark ist
hört wer das läuten der untergegangenen glocken
und wer sich da draußen verirrt
stößt manchmal auf alte mauerreste
die aus dem schlick ragen
bis die flut kommt

vögel aus arktischen regionen
die auf îrem weg in den süden mehrere wochen station machen hier
es sind abertausende

Salzwiesen St. Peter-Ording / Foto: Belmonte

(c) belmonte 2011

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Ein Gedanke zu “Brief aus Eiderstedt

  1. Fehlen noch die als Wiedergänger aus ihren Grassoden-Häusern kriechenden alten Rungholter, welche die nichtsahnenden Wattwanderer mit ihrem Heulen in den dichten Nebel trieben und sich dort verirren ließen 😉 … Sehr schön, Belmonte! Erlaube mir lediglich die kleine Kritik des etwas zu mittig geratenen „Goldenen Schnittes“ das Foto betreffend?

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