Rauschen IV

valentino

Illustration: Valentino

Der rechte Vorderreifen verfing sich in einer tiefen Furche, eine Spur, die womöglich ein anderes Gefährt zuvor hinterlassen hatte. Fast riss es den Wagen vom Damm in eine der beiden Schluchten, die sich rechts und links der schmalen Piste auftäten.

Ein Ruck ging durch die Insassen hindurch, würde sie hart gegen einander schütteln, die neben Denise sitzende Frau mit Wucht gegen die hintere Innentür. Sie hielt sich ihren linken Ellenbogen. „Ein Vogel“, würde trocken der Fahrer sagen, „hat sich genau in die Spur gesetzt.“

Die Sonne versänke im Meer. Sie wäre untergegangen, eben noch sich von orangerot zu rot verfärbend, ohne ein Platschen, in die spiegelglatte See gefallen.

Zu schnell, dachte Ralph.

Er lag auf seinem Bett, als er aus dem Traum erwachte. Durch das offene Fenster strömte schwüle, feuchte Luft ins Innere. Lediglich der gleichförmig brummende Ventilator verteilte eine kühle Brise.

Am Kopfende des Bettes lag, neben einem leeren Wasserglas, ein aufgerissenes, innen silbrig glänzend, außen mit Alka-Seltzer beschriftetes, kleines Aluminiumpapier.

Ralph legte seinen Unterarm auf die schweißbedeckte Stirn. Er versuchte sich an gestern zu erinnern. Minutenlang, doch nichts war da. Er stand auf, das Brummen, war es der Ventilator oder der Kopf, bückte sich nach dem Silberpapier, hob es mitsamt dem leeren Wasserglas auf, stellte das Glas auf dem kleinen Holztischchen ab und warf das Papier in den Korb.

(c) valentino 2012

eBrochure fulltext pdf

Link zum fünften Teil „Rauschen“

Ein Gedanke zu “Rauschen IV

  1. Pingback: Rauschen III | vnicornis

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.