Rauschen V

valentino

Illustration: Valentino

Tag ein, Tag aus fraß das Salz der See die spröden Holzwände der Wellblechbaracken unten an der Mole. Boote schaukelten in der auf- und abschwellenden Brandung, die das Meer mit mehr oder weniger Wucht in die Bucht spülte. Das kleine Licht im Fenster des Hauses verlosch in der anbrechenden Morgendämmerung. Wasser rann leise plätschernd durch die Gassen.

Ralph ging spazieren.

Er erreichte eine der Inseln, die ein Damm mit der Stadt verband. Der kleine Yachthafen breitete sich vor ihm aus. Am Horizont tobte ein Gewitter, das sich langsam einer Hochhaussilhouette näherte.

In der Ferne ragten die neugebauten Hochhäuser der Stadt empor wie nebeneinander gestellte Streichhölzer. Sie waren erst in den letzten Jahren entstanden und bildeten die Fassade, übertrafen die rundherum wuchernden Elendsviertel.

Die Last des Lärms, des Schmutzes. Ralph warf sie ab, je weiter er sich von der Stadt entfernte. Tiefblau und ruhig lag das Meer vor ihm. Der Wind kräuselte leise die Wasseroberfläche. Er hörte einen stetigen Ton: Die Brandung wirft dich an den Strand, dachte er, einem Schiffbrüchigen gleich.

(c) valentino 2012

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Link zum ersten Teil „Rauschen“

4 Gedanken zu “Rauschen V

    • Hallo doctotte,
      ich habe es in meinem Arbeitszimmer gemalt anhand von eigenen Skizzen und Fotografien. Das Motiv stammt von einem Ort irgendwo an der mittelamerikanischen Küste.
      Besten Gruß,
      valentino

      • Aha, interessant, danke! Es ist schade, dass man so eine Aussicht nicht direkt aus dem Arbeitszimmer hat, nicht wahr?

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