“This is an old diner” und “Around the poolhalls of Denver” – Jack Kerouac: Visions of Cody (Fragmentrezension)

1. November 2012 § 5 Kommentare

valentino

Jack Kerouac Visions of Cody

Jack Kerouac: Visions of Cody

Seine Rastlosigkeit und der Wunsch auszubrechen treiben den 19-jährigen Jack Duluoz auf die Suche nach einem Exil. Eine verlorene Seele, die das Land, in das sie hineingeboren wurde, als kalten, großen Nebel wahrnimmt und trotzdem das Leben liebt. Die intensive Wahrnehmung der Wirklichkeit gepaart mit der Erkenntnis eines kurzen Lebens bringt den jungen Duluoz zum Erzählen.

Das markante Äußere Cody Pomerays, der im wirklichen Leben Neal Cassady hieß (Dean Moriarty in “On the Road”), vergleicht Jack mit den Statuen berühmter junger Helden. Codys Mutter starb, bevor er alt genug war, um mit ihr sprechen zu können, der Vater führte ein Leben als “hobo”, US-amerikanischer Wanderarbeiter, und hatte einen heruntergekommenen Friseurladen in Denver. Cody ist in eine lebensfeindliche Welt geworfen: 1927, Zeit der Großen Depression in Amerika. Doch Cody hat einen Traum: Bücher lesen. Das verändert sein Leben.

In Kerouacs “Visions” geht es vor allem um den Aufbruch in eine neue Zeit: Die Moderne. Der Autor schildert Amerikas Tristesse, seine nackte Wirklichkeit. Das liest sich zuweilen deprimierend, aber schonungslos hart. So ist die Schwäche des Buches zugleich seine Stärke. Die essayhafte Beschreibung eines Flusses tiefer Bewusstseinsströme, trugbildhafter Erinnerungen und irrlichternder Träume, das Weglassen jeglicher textlichen Konstruktion. Man kann kaum Luft holen.

Ununterbrochen reiht der Autor Sätze aneinander wie Perlen auf einer Schnur, entwirft ein ausgeprägtes Bild des Raumes und mythologisiert das intensive Leben. Kerouacs Sprache charakterisiert sich durch einen experimentellen, intuitiven Stil. Der an den Jazz angelehnte Rhythmus der Prosa ruft starke Imaginationen hervor, die eine Wolke der Inspiration bilden, in der Kerouac schwimmt:

“Whether her cherry trees were in bloom or not it was brown in this room – when my father had rheumatism in it the sheets of his sickbed made it gray – now this is an ‘inexpressibly delicious’ old memory like old port – nothing in California matches it. I rolled my glassies for the first time on the jagged wood of desk – it was when I got idea for racing, they meandered a race under my eyes – it was a gray day – the whole idea of the Turf must have come to me like (as just now and not since 1948) that so-seldom experience of seeing my whole life’s richness swimming in a palpable mothlike cloud, a cloud I can really see and which I think is elfin and due really to my Celtic blood – coming only in moments of complete inspiration … In my life I number them probably below five – at least on this level –” (27)

So spielt es weniger eine Rolle, ob Kerouac Erinnerungen rekonstruiert oder Beobachtetes beschreibt, jedes Mal fließen die Gedanken durch einen individuellen Trichter, werden durch die ihnen innewohnenden Abläufe geformt. Insofern ist es wichtig, bedeutsamer, überhaupt im Schreiben den Gedankenbildern einen Zugang zu ermöglichen und im künstlerischen Prozess diese zu materialisieren. Das Leben schreiben. Schreiben als Leben. Kunst als Leben.

(c) valentino 2012

Jack Kerouac: Visions of Cody. New York 1993.

Link zum Datensatz im Katalog der Library of Congress

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