Django Unchained (Filmrezension)

9. Februar 2013 § 4 Kommentare

V. Beautifulmountain

In einem Interview zum Film hat Regisseur Quentin Tarantino gesagt, er wüsste nicht, ob ihm die Figur des King Schultz eingefallen wäre, würde er nicht Christoph Waltz kennen. Der Darsteller des eloquenten Kopfgeldjägers in „Django Unchained“ sei seit „Inglourious Basterds“ in seinem künstlerischen Denken verankert. Dieser Ritterschlag durch Hollywoods heißesten Regisseur macht den deutsch-österreichischen Schauspieler zu einer der coolsten Säue unter der Sonne Kaliforniens. Tarantino hatte eigenen Angaben zufolge vor dem Casting zu „Inglourious Basterds“ (2009) noch nie von Waltz gehört.

„Django Unchained“ ist klassischer Western, Italo-Western, Historien-Drama und Action-Abenteuer in einem – und ein dialogstarker Schauspielerfilm, der bei aller Bildgewalt seine Akteure stets im Vordergrund belässt. Obwohl sowohl die Oscar-verleihende Academy als auch der für die Golden Globes zuständige Verband der Hollywood-Auslandspresse die Figur des King Schultz als Nebenrolle klassifiziert haben, ist Waltz doch eindeutig einer von zwei Hauptdarstellern – der die Titelrolle verkörpernde Jamie Foxx ist der andere.

Foxx spielt Django, einen schwarzen Sklaven, der sich im Jahr 1858 – angekettet an andere Sklaven – durch einen texanischen Wald schleppt. Schultz befreit ihn, weil Django ihm bei der Jagd auf drei Ganoven helfen kann, auf die ein lukratives Kopfgeld ausgesetzt ist. Schultz unterweist Django in der Kunst der Kopfgeldjagd, der erweist sich als gelehriger Schüler. Auf Schultz’ Frage, wie ihm diese Form des Broterwerbs gefalle, erwidert er: „Kill white people and get paid for it? What’s not to like?“ Für Geld Weiße zu töten, was könne einem daran nicht gefallen? Stichwort Sprache: Wer des Englischen ausreichend mächtig ist, möge sich den Film im Original anschauen. Quentin Tarantino beweist auch in diesem Film, dass er ein Meister der coolen Dialoge ist. Christoph Waltz’ besonderer Zungenschlag tut ein Übriges.

Das ungleiche Paar begibt sich auf die Suche nach Djangos Ehefrau (Kerry Washington). Der Deutsche Schultz ist verzückt, als Django ihm ihren Namen verrät: Broomhilda! Und sie spricht sogar deutsch! Broomhilda befindet sich als Sklavin auf dem Anwesen des reichen Plantagenbesitzers Calvin Candie – Auftritt Leonardo DiCaprio, erstmals als Schurke zu sehen, der keine Hemmungen hat, Hunde auf einen Sklaven zu hetzen und Schwarze in blutigen Mandingokämpfen aufeinanderzuhetzen. Wo Tarantino draufsteht, ist eben stets auch eine gehörige Portion Gewalt drin, ebenso stilisiert wie drastisch. Der Regisseur schreckt nicht einmal davor zurück, sich selbst in die Luft – aber lassen wir das Spoilern.

Samuel L. Jackson füllt eine kleine, aber wichtige Rolle als Calvin Candies Butler und Obersklave Stephen aus, der die menschenverachtende Haltung seines Herrn längst selbst verinnerlicht hat. Und wie es Quentin Tarantino gern hat, gibt er auch diesmal wieder einem Ex-Star einen Part, der zuletzt nicht mehr in großen Hollywood-Produktionen zu sehen war: Don Johnson ist als vornehmer Südstaaten-Grundbesitzer Big Daddy Bennet zu sehen. Erwähnt sei auch der klitzekleine, aber feine Gastauftritt von Franco Nero, dem Titelhelden aus – wie hieß der Film nur?

Der Film hat humorige Szenen zu bieten – vor allem schwarzhumorige, versteht sich. Dennoch ist „Django Unchained“ auch eine knallharte Aussage zur Sklaverei-Vergangenheit des US-Südens und eine Abrechnung mit dem „Grand Old South“, die Quentin Tarantino in den USA auch Kritik eingebracht hat. Der Regisseur bevorzugt als Genre für sein Werk übrigens den Ausdruck Southern. Von „Vom Winde verweht“ zu „Django Unchained“ ist es so oder so ein weiter und blutiger Weg.

So aufregend jeder Tarantino-Film auch ist, so hat der Gute seinen Claim doch mittlerweile abgesteckt – was auch für den erneut frech-dreisten Soundtrack gilt. Wer Tarantino bislang nicht mochte, wird sich durch „Django Unchained“ keines Besseren belehren lassen. Die Tarantino-Connaisseure hingegen werden den Film irgendwo zwischen sehr gut und Meisterwerk verorten. Der Verfasser dieser Zeilen jedenfalls hat sich 165 Minuten lang blendend unterhalten gefühlt.

Zusatzinfo: „Mandingo“

Sklaverei als zentrales Thema eines Spielfilms – da muss man jenseits der TV-Serie „Roots“ recht lange suchen. 1975 drehte Richard Fleischer („Soylent Green – Jahr 2022 … Die überleben wollen“) „Mandingo“ mit James Mason. Darin spielt der Schwergewichtsboxer Ken Norton einen Sklaven, der trainiert wird, gegen andere Sklaven zu kämpfen. Der Film wurde überaus kontrovers aufgenommen, die Urteile deckten von „rassistischer Müll“ bis „großartig“ eine große Bandbreite ab. Wie auch immer – ob es zu Zeiten der Sklaverei in den US-Südstaaten die sowohl in „Mandingo“ als auch in „Django Unchained“ thematisierten Mandingo-Kämpfe zwischen Sklaven zum Entertainment der weißen Herrenmenschen wirklich gegeben hat, ist unbelegt.

USA 2012
Drehbuch & Regie: Quentin Tarantino
Besetzung u. a.: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, Samuel L. Jackson, Don Johnson, Walton Goggins, Robert Carradine, Tom Savini, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero
Kamera: Robert Richardson

(c) V. Beautifulmountain 2013

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