Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 13. Teil

5. März 2013 § 5 Kommentare

valentino

Kristallhöhle

Illustration: Valentino

Cecilias Überwurf hatte sich zu einer langen Faser aufgedröselt und in das Labyrinth gelegt, als sie an einen Durchlass gelangte, aus dem ihr ein heißer Luftzug entgegen blies. Sie legte das Fadenende auf den Boden, setzte einen Felsblock darauf und kletterte entkleidet in einen Schacht, der sich zu einer Höhle erweiterte. Sie hielt den schwelenden Holzstock am unteren Ende fest und stieg mit tauiger Haut hinab über zerklüftetes Gestein und durch Spalten, die sich zwischen riesigen Kristallen auftaten.

Mit den bloßen Händen schaufelte sie Geröll und Felsen beiseite. Dahinter befand sich der Zugang zu einem engen Stollen, durch den hindurch sie auf allen Vieren kroch. Kalte Zugluft löschte die Glut der Fackel, die Cecilia daraufhin ablegte. Am anderen Ende des Tunnels zwängte sie sich durch einen schmalen Spalt und erreichte einen Gang, an dessen Wänden sich Reif gebildet hatte. Sie schlug die Arme um ihren Körper, rieb ihre Hände und hauchte in die hohlen Handflächen. Schwaden ihres Atems stiegen auf.

Auf dem Boden fand sie einen fransigen Überwurf, den sie an sich nahm und unter den sie rasch schlüpfte. Die Wände waren mit einer dicken Eisschicht überfroren, durch die hindurch sie einen im Eis eingeschlossenen, menschlichen Körper wahrnahm. Erschrocken drehte sie sich um und sah dutzende Leiber im Eis erstarrter Männer und Frauen. Alle waren nackt und bleich, als ob ihnen das Blut aus den Adern geflossen wäre. An ihren Hälsen hatten sie wie von scharfen Fangzähnen Wunden, an denen hier und da Blutstropfen gefroren waren.

(c) valentino 2013

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§ 5 Antworten auf Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 13. Teil

  • you know, sometimes I realize, I really must slow down! When i first clicked onto your post above and i saw the illustration at the top, your lovely painting above, I’m ashamed to admit, that I just glanced at it, and i didn’t see the little figure of the woman climbing. But fortunately Google, or Word Press Translator saved me from my unseemly haste. Because it takes a moment to translate, so then I looked at your picture a second time. Only the second time did I see the woman. And that intrigued me enough to slow down and read the text, properly. I’m very glad that I did now. THis piece of the story has a an interesting and mysterious quality that i really enjoyed and I found it all quite intriguing. 🙂 Thank you.
    Oh, and thank you also for visiting my blog, delighted you liked it. my very best regards- Arran.

  • Vallartina sagt:

    Schaurig, aber packend! GLG

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