Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 15. Teil

valentino

Fluss

Illustration: Valentino

An dem bewaldeten Hang einer Schlucht am Ufer eines Flusses lag eine Piroge. Cecilia streifte Blätter und Äste ab, die über die Bordwände rankten und nahm das darin liegende Laub heraus, unter dem ein Paddel zum Vorschein kam. Trotz seines, von der Witterung dunklen Holzes, machte das Boot einen intakten Eindruck. So zog sie es, bis zu den Knien im Wasser stehend, durch den Morast in den Fluss, sprang mit einem Satz hinein, stieß es mit dem Paddel vom Ufer ab und lenkte es ins Fahrwasser, so dass die Strömung es flussabwärts trieb.

Im Mondschein driftete die Piroge sanft auf der Wasseroberfläche dahin. Bei Anbruch des Tages drückte aufschäumendes Wasser gegen das Boot und Cecilia hielt, als es fast quer zur Fahrtrichtung stand, mit ihrer ganzen Kraft das Paddel gegen die reißende Strömung und wendete es geradeaus. Dabei schrammte die Piroge mit dem Heck einen Felsen. Als Cecilia wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangte, bemerkte sie Wasser, das durch ein Leck im Rumpf einsickerte.

Knöcheltief standen ihre Füße im steigenden Wasser, das sie mit den bloßen Händen, die in ihren Augen wie Kinderhände aussahen, schöpfte. Als sie aufblickte, sah sie ihre jungen Eltern Iosefina und Marian. Ihre Geschwister Fabia, Grigore und Nicolaie, allesamt noch Kinder, schöpften Wasser aus der Piroge, die im nächsten Augenblick kenterte. Cecilia ging über Bord, versuchte sich an einer im Wasser treibenden Planke festzuhalten, doch ihre Kräfte ließen nach. Sie versank und der Fluss trug die Planke davon.

(c) valentino 2013

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