Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 16. Teil

valentino

Vorgebirge der Karpaten

Illustration: Valentino

Das schwache Licht der Petroleumlampe flackerte und spiegelte sich in den leeren Teegläsern, die auf dem Tisch standen. Narcisa blätterte in dem kleinen Buch, in dem sie hin und wieder Wörter nachschlug. Es begann ein reges Gespräch. Und wir hätten uns noch lange weiter unterhalten, hätten wir nicht, wie Iosefina die Flöhe husten hörte, vor Müdigkeit kaum die Augen offen halten können. Deshalb richtete sie uns im Wohnzimmer die große, alte Ausziehcouch her.

Als wir am nächsten Morgen unter den handbestickten, schweren Wolldecken aus einem tiefen Schlaf erwachten, herrschte bereits reges Treiben im Haus. Alle Familienmitglieder waren mit irgendetwas beschäftigt. Wir brauchten uns wieder um nichts zu kümmern und bekamen ein deftiges Frühstück mit Bohnensalat, Spiegeleiern und Kartoffeln. Dazu gab es Brot und Bier. Iosefina brachte aus dem Nebenzimmer zwei Trachten des Cioban, die wir anziehen sollten, was wir zum Vergnügen der Familie auch taten.

Über die weißen Hemden, die an Krägen und Ärmeln mit Blüten bestickt waren, zogen wir eine dunkle Weste und über die engen Hosen die Stiefel. Mit den Hüten, den reich bestickten, breiten Gürteln und dem Stock sahen wir fast wie echte rumänische Schäfer aus. Bevor wir aufbrachen, steckte uns die Familie zum Abschied an die Lenker jeweils einen kleinen Strauß rote und weiße Lilien. Als wir Mureșenii Bârgăului verließen, lag vor uns in sattem Grün eine nadelbaumbestandene Berglandschaft.

(c) valentino 2013

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