Dämoninnen und Höllenengel – Jeffrey Thomas: „Tagebuch aus der Hölle“ (Rezension)

19. April 2013 § 2 Kommentare

belmonte

Jeffrey Thomas: Tagebuch aus der Hölle

Jeffrey Thomas: Tagebuch aus der Hölle

Nach seinem Selbstmord findet sich der Erzähler, ein erfolgloser Schriftsteller, in der Hölle wieder. Dorthin werden alle verdammt, die in ihrem irdischen Leben nicht an den Schöpfer glaubten. Dort gibt es Dämonen mit Fledermausflügeln, die einem auch mal ein Körperteil abhacken, das stets wieder nachwächst. Manche Verdammte sind auf einem Feld bis zum Hals eingegraben, worauf ihnen der Kopf abgemäht wird. Auch ihnen wachsen die Körper immer wieder nach. Die Verdammten sind ja unsterblich. Und die nackten Dämoninnen sind so schön, dass sich der Erzähler kurzerhand in eine verknallt, nachdem er sie von dem Baum befreit hat, an den sie genagelt war.

Die Höllenstadt Oblivion liegt unter einem Himmel aus Lava und besteht aus schwarzen Ziegelgebäuden und Hochhäusern aus Metall, in denen gefoltert und weggesperrt wird. Mitunter kommen gelangweilte Hells Angels auf Motorrädern vom Himmel herab und schießen wild um sich.

Das Buch ist in Teilen eklig, aber nicht ekliger als Dantes Inferno. Es ist flüssig zu lesen und nicht flach. Es gibt Splatterszenen, aber das Buch ist mehr als gewöhnlicher Splattertrash. Und der Erzähler ist alles andere als ein Abziehbild herkömmlicher Spannungsromane.

Und Gott? Ist ein alter Mann, der nach seiner Schöpfung nur noch erschöpft herumliegt und nicht mehr ins Geschehen eingreifen kann. Dämonen und Engel können machen, was sie wollen. Bis die Verdammten gegen die Dämonen und die Dämonen gegen die Engel rebellieren.

„Tagebuch aus der Hölle“ ist ein etwas anderer, jedenfalls bemerkenswerter Horrorroman, den der Festa-Verlag als „Spezialverlag für Horror- und Psychothriller aus Amerika“ von ebendort nach Deutschland gebracht hat.

Jeffrey Thomas: Tagebuch aus der Hölle. Festa 2011. Englischer Originaltitel: Letters from Hades.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

(c) belmonte 2013

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§ 2 Antworten auf Dämoninnen und Höllenengel – Jeffrey Thomas: „Tagebuch aus der Hölle“ (Rezension)

  • Klausbernd sagt:

    Danke für deine Buchvorstellung von einem Genre, in dem ich mich gar nicht auskenne. Ich musste ja über deinen Satz schmunzeln, dass dieses Buch nicht ekelhafter als Dantes Göttliche Komödie ist.
    Eine wunderbare Woche wünschen dir
    Dina und ich, Siri und Selma
    Klausbernd 🙂

    • belmonte sagt:

      Auch ich kenne mich in diesem Genre nicht sonderlich gut aus. Um so bemerkenswerter, dort dennoch diese Perle gefunden zu haben: Eine höllische Satire. Danke für Deinen schmunzelnden Kommentar und auch Euch alles Gute!

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