Treiberei und Meuterei – B. Travens Roman “Der Marsch ins Reich der Caoba” (Rezension)

valentino

Einmal jährlich erwacht der verschlafene Ort Hucutsin im Süden Mexikos zum Leben: wenn die Karawanen arabischer, spanischer und indianischer Händler zum Heiligenfest eintreffen und ihre Waren auf dem Markt feilbieten. Jedoch lockt das geschäftige Treiben auch zwielichtige Gestalten wie den Werber Don Gabriel an, der dem Indianer Celso seine Schergen auf den Hals hetzt. Sie verwickeln ihn in eine Schlägerei und beschuldigen ihn, er habe sie mit einem Messer bedroht und einen von ihnen angegriffen. Celso wird zu Unrecht verurteilt. Nun kann er nicht mehr in sein Dorf zurückkehren und das Mädchen heiraten, das zwei Jahre lang auf ihn gewartet hat. Stattdessen kauft ihn Don Gabriel aus dem Gefängnis frei und schickt ihn ein weiteres Mal in das Holzfällerlager, damit er seine Schulden abarbeitet. Also macht sich Celso auf den Weg – in einem Trupp von knapp zweihundert Mann, den auch die Händler und über hundert schwer beladene Maultiere begleiten.

B. Traven Der Marsch ins Reich der Caoba

B. Traven Der Marsch ins Reich der Caoba

Celso kennt den langen, beschwerlichen Weg durch den Dschungel, weil er bereits zwei Jahre zuvor zusammen mit dem Händler Don Policarpo und dessen Sohn zu den Schlagstellen des Mahagonis marschiert ist. Eines Abends erzählen sich die Gefährten am Lagerfeuer auf einem Rastplatz die Geschichte des Werbers Don Anselmo, der in eine Meuterei gerät und dessen Gesicht von dem Hieb der Machete eines Indianers gezeichnet wird. Dass die Meuternden Don Anselmos Leben verschonen, wirkt inkonsequent. Eines Tages bietet sich Celso die Gelegenheit, sich an den beiden Schergen zu rächen, die ihn in diese aussichtslose Lage gebracht haben – sie bewachen den Trupp als Treiber.

Wann immer es den Marschierenden misslingt, im Laufe des Tages einen festen Rastplatz zu erreichen, droht eine ungemütliche Übernachtung. Bei Unfällen mit Todesfolge, die immer wieder vorkommen, kann der Tote aufgrund des heißen Klimas weder transportiert werden, noch bleibt viel Zeit für ein anständiges Begräbnis, weil der Haupttrupp nicht wartet, sondern schon weitergezogen ist. So wird der Leichnam kurzerhand an Ort und Stelle verscharrt. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass Traven seinen Figuren kaum Raum lässt, sich persönlich zu entwickeln. Zu sehr sind sie mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt. Celsos demoralisierender Weg endet schließlich mit Erreichen des Holzfällerlagers: Er schließt Frieden mit seiner Bestimmung – vorerst.

(c) valentino 2013

B. Traven: Der Marsch ins Reich der Caoba, Diogenes Verlag 1983, 303 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Caoba-Zyklus:
Regierung
Die Carreta
Der Marsch ins Reich der Caoba
Trozas
Die Rebellion der Gehenkten
Ein General kommt aus dem Dschungel

7 Gedanken zu “Treiberei und Meuterei – B. Travens Roman “Der Marsch ins Reich der Caoba” (Rezension)

    • Das ist in der Tat eine sehr treffende Charakterisierung. Allerdings musste ich mich bei diesem Buch streckenweise durch die demoralisierende Handlung „durchbeißen“ – vielleicht, weil ich die nachfolgenden Teile des Zyklus schon gelesen habe.

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