Die Gier und die Angst – Cormac McCarthy: The Counselor: A Screenplay (Rezension)

belmonte

Cormac McCarthy: The Counselor

Cormac McCarthy: The Counselor

Für Dezember ist ein neues Buch von Cormac McCarthy angekündigt: ein Drehbuch mit dem Titel „Der Anwalt“. Kurz entschlossen habe ich mir das englische eBook „The Counselor“ gekauft und in einem Zuge durchgelesen.

Wohlgemerkt, es handelt sich um ein Drehbuch. Der Film ist Ende Oktober in den US-Kinos gestartet. Regisseur Ridley Scott hatte mit Michael Fassbender, Brad Pitt, Penélope Cruz, Javier Bardem und Cameron Diaz eine ganze Reihe an Hochkarätern auf dem Set versammelt. Dem Trailer nach zu urteilen, handelt es sich um brutales Hochglanzkino – womöglich sehenswert, in den USA allerdings schon jetzt als Flop gehandelt.

Das Drehbuch ist dennoch gut, wenn auch längst nicht so tief wie „Die Straße“ und weit weniger abgründig als „Die Abendröte im Westen“. Ich bin auch nicht sicher, ob die Story an „No Country for Old Men“ herankommt. Dennoch hat mich die Lektüre von „The Counselor“ gefesselt. Drehbuchlesen hat ohnehin eine gewisse Kurzweiligkeit.

Der Plot ist simpel: Ein bisher unbescholtener Anwalt, im Buch immer nur „Counselor“ genannt, findet sich an der US-Grenze zu Mexiko in der Gesellschaft gehobener Drogenkriminalität und verspricht sich durch einen wie auch immer mitorganisierten Drogentransport großes Geld. Die Sache geht gründlich schief, und den Kartellen entkommt man nicht so einfach. Schnell wird einem da mal ein „bolito“ um den Hals geworfen, eine Drahtschlinge, die sich durch einen kleinen Elektromotor erbarmungslos zuzieht.

Es gibt auch eine Liebesgeschichte, die aber nicht sonderlich in die Tiefe geht. Ich bin trotzdem unentschieden, ob McCarthy Frauen wirklich nicht kann, wie mancherorts behauptet wird. Malkina, die Femme fatale des Drehbuchs, ist jedenfalls gekonnt gezeichnet.

Es geht um Habgier, um unumkehrbare Entscheidungen und am Ende nur noch um blanke Angst. Das Buchcover untertitelt denn auch mit dem Satz „Greed is greatly overrated … But fear isn’t.“ („Die Gier wird gewaltig überschätzt. Aber die Angst nicht.“), im Drehbuch einem der Edelkomplizen in den Mund gelegt. In seiner Angst ruft der Counselor einen der Drogenbosse an, der ihm empfiehlt, seine aussichtslose Lage einfach zu akzeptieren:

„I would urge you to see the truth of your situation, Counselor. That is my advice. It is not for me to say what you should have done. Or not done. I only know that the world in which you seek to undo your mistakes is not the world in which they were made. You are at a cross in the road and here you think to choose. But here there is no choosing. There is only accepting. The choosing was done long ago.“ (Position 1754)

Ein Wort zum englischen Lesen im Kindle-Reader: Ich muss lediglich den Finger auf ein mir unbekanntes Wort legen, schon öffnet sich der entsprechende Eintrag im Oxford Dictionary of English. Leichter lässt sich ein englisches Buch nicht lesen.

Cormac McCarthy: The Councelor: A Screenplay, Pan Macmillan, London 2013.

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(c) belmonte 2013

5 Gedanken zu “Die Gier und die Angst – Cormac McCarthy: The Counselor: A Screenplay (Rezension)

  1. Oh, der große Cormac McCarthy ist zurück? Von Drehbuch & Film hatte ich noch gar nichts gehört… Daher: Vielen Dank für Deinen Beitrag!

  2. Das neue Buch hatte ich bereits in der Vorschau entdeckt, ich wusste jedoch nicht genau, was ich mir darunter vorstellen konnte. Deshalb ein herzliches Dankeschön für deine Besprechung! 🙂

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