Leibeigenschaft und Freiheit – B. Travens Roman “Die Carreta” (Rezension)

valentino

B. Traven Die Carreta

B. Traven Die Carreta

Mit elf Jahren wird der Indianerjunge Andres von dem Landgut fortgeschickt, auf dem sein Vater knechtet. Im kleinen südmexikanischen Ort Joveltó lernt ihn der Kaufmann Don Leonardo in seinem Laden an. Trotz Leibeigenschaft genießt der Junge die Freiheit eines abendlichen Schulbesuchs – den ihm Don Leonardo aus nicht ganz uneigennützigem Grund ermöglicht, schließlich soll der Junge die Waren nicht unter Wert verkaufen, weil er womöglich falsch rechnet.

Während der Vorbereitungen für ein großes Marktfest in La Concordia verspielt Don Leonardo das gesamte, für den Verkauf von Maultieren eingenommene Geld, setzt – noch vor Revolver, Sattel und Pferd – seinen mittlerweile 15-jährigen Burschen Andres und verliert ihn an seinen Mitspieler. Zurück in seinem Dorf gibt Don Leonardo auf Nachfrage seiner Frau vor, Andres sei aufsässig gewesen und davongelaufen. Sie begnügt sich damit, der Bursche ist schnell vergessen. Unterdessen schickt Andres’ neuer Herr, der Handelsagent Don Laureano, den Jungen als Fuhrknecht in die Lehre, damit er die Ochsen vor die Karren spannen und mit diesen seine Waren transportieren kann.

Drei Jahre später ist Andres erwachsen und hat sich als Fuhrknecht bewährt. Die erworbene Freiheit ist jedoch trügerisch – zwar erhält er gegenüber der Leibeigenschaft als Arbeiter Lohn und wenn er möchte, kann er die Stelle wechseln, aber weil er für die Waren verantwortlich ist, die er in seinem Karren transportiert, schreibt Don Laureano ihm alles auf sein Schuldkonto, was an Waren auf dem Weg verloren geht oder durch Radbrüche oder Feuchtigkeit beschädigt oder zerstört wird. Auch muss er Reparaturen am Karren selbst ausführen und die Ochsen versorgen.

Eines Tages streift Andres in der Stadt Balun Canan ziellos über ein Fest zu Ehren eines Schutzheiligen, das außer Pilgern auch zahlreiche Händler anlockt. Einsam umherschlendernd erreicht er abseits des Jahrmarktgetümmels den Stadtrand. Dort begegnet er einem an eine Hauswand gekauerten Mädchen. Es hat seine Eltern verloren, seine Brüder sind an ein Holzfällerlager verkauft worden und es ist aus Angst vor Gewalt von einem Landgut geflohen. Weil sie einander mögen und sich das Mädchen in Andres Obhut sicherer fühlt als allein in der Stadt, bleibt es bei Andres und zieht mit ihm und seinen Kameraden mit mehreren Karren, die sich zu einer Handelskarawane zusammengeschlossen haben, durch das Hochland.

(c) valentino 2013

B. Traven: Die Carreta, Diogenes Verlag 1983, 295 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

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