Hegemonie und Autonomie – B. Travens Roman “Regierung” (Rezension)

14. Januar 2014 § Ein Kommentar

valentino

B. Traven Regierung

B. Traven Regierung

Einst war Don Gabriel Viehhändler, nun nimmt er eine Stelle als Ortssekretär an. Sein Freund, der politische Funktionär Don Casimiro, hat ihm die Position in dem südmexikanischen Indianerort Bujvilum verschafft. Mehr schlecht als recht unterrichtet Don Gabriel die Jungen des Ortes, mit dubiosen Steuern erhöht er sein Einkommen. Nachdem er den Indianern Geld geborgt hat, holt er es sich zurück, indem er die Schuldner zwingt, ihre Schafe und Schweine unter Wert an einige Händler zu verkaufen. Damit sie es tun, redet er auf den Kaziken Narciso ein; Seinem Wort folgen die Indianer. Die Differenz zwischen Warenwert und Kaufpreis steckt sich Don Gabriel in die eigene Tasche, indem er von den Viehkäufern eine Ortssteuer verlangt.

Eines Tages verliert Don Gabriels jüngerer Bruder Don Mateo seinen Posten als Steuerverwalter und schießt dem Polizeichef im Streit eine Kugel ins Bein. Noch in derselben Nacht flieht Don Mateo, sein Ziel: die Grenze nach Guatemala zu überschreiten. Doch während der Flucht ändert er seine Absicht. Bald darauf landet er bei seinem Bruder in Bujvilum. Don Mateo bringt Don Gabriel auf die Idee, mehr Geld zu verdienen: mit Geldstrafen für die Väter der Schüler, die der Schule fernbleiben. Allerdings birgt das Geldeintreiben eine ungeahnte Schwierigkeit – nämlich die Väter der Jungen zu identifizieren und diese in ihren weit um den Ort verstreut liegenden Hütten aufzusuchen.

Immerhin erzielt Don Mateo einen Gewinn, indem er Passiergeld von einem durchreisenden Arbeitertrupp eintreibt. Als er seinen Bruder überredet, Branntwein an einige bereits betrunkene Gäste einer Hochzeitsgesellschaft zu verkaufen, kommt es bei einem Streit zu einem Totschlag. Der Totschläger Gregorio und mehrere Trunkenbolde landen im Gefängnis und so eröffnet sich eine weitere Gelegenheit für Don Gabriel, seine Stellung als Schlichter zu nutzen, um die Indianer auszubeuten.

Don Gabriel entschließt sich, Gregorio nach Jovel zu bringen, damit dieser sich dort vor dem Gericht verantwortet. Es kommt jedoch anders: Auf seinem Weg trifft Don Gabriel in dem Marktort Cahancu seinen alten Bekannten Don Ramon. Der war auch mal Viehhändler und ist mittlerweile als Agent für die Holzfällerlager tätig. Don Gabriel überlässt ihm für eine Schuldsumme Gregorio, der nun seine Schuld abarbeiten soll. Sein Gewissen beschwichtigt Don Gabriel, indem er sich einredet, Gregorio vor einer schlimmeren Strafe bewahrt zu haben, die das Gericht womöglich verhängt hätte, nämlich Gefängnis oder Tod.

„Diese sechzig Pesos, eine Summe, die Don Gabriel seit zwei Jahren nicht auf einmal in seiner Tasche gehabt hatte, machten ihn ehrgeizig. In den besten Zeiten seiner Tätigkeit als Viehhändler hatte er an einem Kopf nicht soviel verdient wie hier mit der Ausübung einer Barmherzigkeit an einem Indianer.“ (141)

So beteiligt sich Don Gabriel an dem Geschäft des Don Ramon.

„Don Gabriel war nunmehr ein Glied in der Kette, die von den Tiefen des
Dschungels bis zum Boudoir der Filmschauspielerin und dem Konferenzsaal eines Ministerrats reichte. Die Kette lief, und jedes Glied musste folgen, ob es wollte oder nicht.“ (157)

Das Buch ist der zweite Teil einer sechsteiligen Romanreihe (sogenannter Caoba-Zyklus), die in den 30er Jahren erschien. Sie schildert die gesellschaftlichen Verhältnisse im vorrevolutionären Mexiko und legt die Ursachen bloß, die zur Revolution im Jahre 1910 führten. So beschreibt Traven im letzten Drittel von „Regierung“ exemplarisch, wie die mexikanische Regierung versucht, das in den indianischen Landstrichen geltende Wahlsystem auszuhebeln, nach dem eine indianische Volksgruppe ihren jeweiligen Häuptling jedes Jahr aufs Neue wählt.

Wer Interesse an den Besprechungen der anderen fünf Bände hat, kann diese über die unten aufgeführten Links erreichen. Geplant ist außerdem eine Gesamtbesprechung des Zyklus, die in absehbarer Zeit an gleicher Stelle erscheinen wird.

(c) valentino 2014

B. Traven: Regierung, Diogenes Verlag 1983, 254 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Caoba-Zyklus:
Die Carreta
Regierung
Der Marsch ins Reich der Caoba
Trozas
Die Rebellion der Gehenkten
Ein General kommt aus dem Dschungel

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