Ermüdende Götter, dafür ein Sandman-Prequel – Neil Gaiman: American Gods (Rezension)

3. Mai 2014 § 3 Kommentare

belmonte

Neil Gaiman: American Gods

Neil Gaiman: American Gods

Ich bin ein Fan von Neil Gaiman. Seine Sandman-Serie ist erste Sahne. Stardust ist phantastisch. Und sein jüngstes Buch The Ocean at the End of the Lane liest sich auch ganz vorzüglich (siehe Rezension). Sein 2001 erschienener Roman American Gods dagegen ist nicht gut. Das Buch ist zu lang und in seiner Episodenhaftigkeit zu wenig strukturiert und dabei durchsetzt mit zahlreichen Ermüdungspassagen.

Worum geht es?

Der Protagonist Shadow kommt aus dem Knast und wird vom Göttervater Odin, der drauf und dran ist, in Amerika einen Götterkrieg anzuzetteln, als Leibwächter angeheuert.

Zusammen fahren sie hierhin und dorthin, nach Florida, Wisconsin, San Francisco, Las Vegas und so weiter, werden voneinander getrennt, kommen wieder zusammen. Nach und nach werden immer neue alte und weniger alte Götter vorgestellt, die anscheinend über die Jahrhunderte mit den verschiedenen Einwanderungswellen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden nach Amerika gekommen sind, dort aber ständig Gefahr laufen, vergessen zu werden. Wenn Shadow dabei gelegentlich fast vor die Hunde geht, retten ihn seine tote Frau Laura oder eben eine Fruchtbarkeitsgöttin.

All das ist ganz hübsch aber nicht wirklich spannend. Und alles, was bei Gaiman sonst so berührend und oftmals intellektuell anregend ist, fehlt hier völlig. Wenn es denn nur ein esoterisches Buch wäre, zu dem mir einfach der passende Schlüssel fehlte.

Ist es eine Roadstory? Dafür kommt zu wenig Roadfeeling auf. Für einen Thriller aber ist American Gods einfach nicht spannend genug.

Am Ende gibt es einige Auflösungen. Vom Hocker haben sie mich aber allesamt nicht gehauen. Götterdämmerung oder eben auch nicht.

Sandman: Overture 1

Sandman: Overture 1

Ich finde, Gaiman ist ein wundervoller Erzähler von Short Stories, die sich auf ebenso wunderbare Weise in Comics umsetzen lassen. Auch übersichtlichere Werke wie The Ocean at the End of the Lane gehen ihm sehr schön von der Tastatur. Für einen 600-Seiten-Roman braucht es aber schon etwas mehr epische Tiefe als nur die Zusammenstückelung von Elementen, die im Einzelnen vielleicht reizvoll sind. Auf 200 Seiten wäre American Gods wohl besser gefahren.

Ich freue mich für jeden, der das Buch mit Gewinn liest. Ich jedenfalls fand es über weite Strecken einfach nur langweilig.

Übrigens: Beim DC-Imprint Vertigo erscheinen gerade brandneue Sandman-Folgen in einer sogenannten Sandman: Overture. Die Sichtung des ersten Heftes ist vielversprechend.

Neil Gaiman: American Gods, Wilhelm Heyne Verlag, München 2003, 624 S.

Link zum Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek

(c) belmonte 2014

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