Eine schlicht erzählte Sommerliebe – Tschingis Aitmatow: Dshamilja (Rezension)

valentino

Tschingis Aitmatow Dshamilja

Tschingis Aitmatow Dshamilja

Die kurze Novelle ist ein schönes Buch für den Sommer. Die stimmungsvolle Beschreibung des kirgisischen Sommers ist das Eindrücklichste, was bei mir nach der Lektüre haften geblieben ist. Ansonsten fand ich die Story zu einfach, weil es keine Wendungen gibt. Dennoch, stilistisch ist das Buch überzeugend und in seiner schlichten Beschreibung herausragend. Und schön zu lesen ist die Erzählung allemal.

Zur Handlung: Dshamilja ist die Schwägerin des Erzählers. Der 15-jährige Said hat eine Neigung für das Malen, was kein Wunder ist angesichts der malerischen Landschaft, in der er aufwächst: Sein Aul, das Dorf liegt in der kirgisischen Steppe am Ufer des Kukureu und der Sommer ist ein Sommer wie er im Buche steht. Said bewundert Dshamilja wegen ihrer Ausgelassenheit. Zwar ist Dshamilja verheiratet, ihr Mann Sadyk musste jedoch vier Monate nach der Hochzeit in den Krieg. Weil Männer im Dorf fehlen – es ist das Kriegsjahr 1943 –, übernimmt sie die Aufgaben der Männer, hilft bei der Heuernte und fährt gegen den Willen der Schwiegermutter mit einem Fuhrwerk das Korn zur Bahnstation. Es soll später zu Brot verarbeitet werden, mit dem Brot werden die Soldaten versorgt.

Begleitet wird Dshamilja, neben dem Erzähler Said, von Danijar, der eines Tages im Aul auftaucht und seine Pferde auf der Weide hütet. Er ist verschlossen, hat eine Knieverletzung, weshalb er das Bein nachzieht. Ursprünglich stammt er aus demselben Dorf. Als Waise verschlug es ihn jedoch in die kasachische Steppe.

Besonders gefallen hat mir die Beschreibung der Fahrt durch die Augustnacht, die alle Sinne des Lesers berührt. Danijar singt und sein Lied erweckt Saids Neigung zum Malen wieder, die in Vergessenheit geraten war, während er in der Kolchose gearbeitet hat. Liebe und Vernunft kämpfen in Dshamilja. Sturm und Regen ziehen auf. Dshamilja und Danijar verlassen das Dorf für ihre Liebe.

Übrigens: Wer mag, kann sich die Verfilmung aus dem Jahr 1969 ansehen.

(c) valentino 2014

Tschingis Aitmatow: Dshamilja, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, 122 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

9 Gedanken zu “Eine schlicht erzählte Sommerliebe – Tschingis Aitmatow: Dshamilja (Rezension)

  1. Die fehlenden Wendungen, die du als Einschränkung ansiehst, machen mich gerade neugierig auf das Buch. Hört sich nach einer Liebesgeschichte ohne lästiges Beiwerk an. Werde ich definitiv lesen.

    • Natürlich kann man die fehlenden Wendungen als Vorzug ansehen, zumal sie der Form vermutlich kaum angemessen gewesen wären.

  2. Vielen Dank dafür.
    Das Buch habe ich vor etwa 25 Jahren gelesen.
    Das erschüttert mich zwar 😉 , macht mir aber deutlich, wie immer wieder aktuell diese Geschichte ist.
    Das freut mich!
    Herzlichen Dank für diese feine Besprechung,

    mb

  3. Pingback: Sonntagsleserin KW #19 – 2014 | buchpost

  4. Vielen Dank für die Besprechung. Ich habe dieses Buch in der Schule gelesen , dass ist bestimmt schon 30 Jahre her. Leider hatten wir keinen Deutschunterricht, der einem Lust zum Lesen gemacht hätte ehr im Gegenteil. Alle Bücher die wir im Schulunterricht sezieren mussten, habe ich kein 2. angerührt. Ich bin mir trotzdem sicher das „Djamila“ es wer wäre. LG Xeniana

    • So ist das mit der Pflichtlektüre. Mir ging das in der Schule genauso. Ich erinnere mich noch gut an Max Frischs „Homo Faber“, das ich allerdings nach 25 Jahren wieder lesen würde. Vielleicht entdeckst du ja „Dshamilja“ auch noch einmal wieder.

      • Jedenfalls hat mich deine Besprechung auf die Idee gebracht, dass es sich wohl lohnen wird es noch einmal zu versuchen.

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