Oslo, 31. August – Von einem, der aufhört, das Leben zu suchen (Filmrezension)

3. März 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Oslo_31_August-Cover

Der nächste Gastbeitrag – einmal mehr bedanken wir uns bei Simon Kyprianou, Gastautor bei unserem Partner-Blog Die Nacht der lebenden Texte und Autor bei 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin.

Oslo August 31st

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Anders (Anders Danielsen Lie), ein junger Mann, 34 Jahre alt, könnte mitten im Leben stehen, sitzt aber im Drogenentzug fest. Gleich in der ersten Filmszene will er sich umbringen, doch ihn verlässt der Mut. Nach langer Zeit darf er die Suchtklinik für einen Tag verlassen, nach Oslo fahren, alte Freunde und die Familie besuchen; ein Vorstellungsgespräch hat er auch. Er könnte die Grundsteine für sein restliches Leben legen, aber Anders ist müde, Anders ist satt.

Abbild einer Generation

„Oslo, 31. August“ ist zwar radikal an seinen Protagonisten gebunden, zeichnet aber nicht nur dessen Porträt. All die Begegnungen, Konversationen und Erlebnisse auf Anders‘ Odyssee durch Oslo lassen das mosaikhafte Abbild einer ganzen Generation, einer komplexen Gesellschaft deutlich werden. Es entstehen Sinnzusammenhänge, Schmerz und Ausweglosigkeit von Anders werden spürbar.

Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

Regisseur Joachim Trier findet eine äußerst realistische aber vor allem eine lebendig kraftvolle, ästhetische Filmsprache, um seine zärtliche und schmerzhafte Geschichte von verlorener Jugend und dem verpasstem Einstieg ins Leben zu erzählen. Dabei verfällt der Film nie der absoluten Hoffnungslosigkeit, Trier inszeniert einen lebensklugen Film, der überall mögliche Lebenskonzepte und Auswege aufzeigt, die zwangsläufig auch Probleme und Leid mit sich bringen, aber letztlich doch erträglich sind.

Das Leben ist schön

So lebenssatt und enttäuscht der Protagonist Anders auch sein mag, Triers Film ist es nicht, er ist im Gegenteil lebenshungrig, sucht überall nach Möglichkeiten, Auswegen, Hoffnung, Schönheit und Liebe. Wenn er eine wilde Partynacht und einen Flirt einfängt, werden Triers Bilder sogar wild, hypnotisch und flirrend, er bricht aus dem nüchternen Realismus aus und zeigt das Leben in all seiner Schönheit. Denn auch an jenem schicksalshaften 31. August könnte man Schönheit finden, würde man sie nur suchen. Anders sucht sie nicht mehr.

„Oslo, 31. August“ ist gleichsam ein Film über einen Menschen, der sich und die Welt aufgegeben hat, weil sie ihm nichts mehr zu bieten hat, als auch ein differenzierter Blick auf die Welt selbst, ihre Defizite, Irrwege, aber auch Möglichkeiten.

Veröffentlichung: 10. Januar 2014 als DVD

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Norwegisch
Untertitel: Deutsch, Französisch
Internationaler Titel: Oslo August 31st
NOR 2011
Regie: Joachim Trier
Drehbuch: Joachim Trier, Eskil Vogt, nach einem Roman von Pierre Drieu La Rochelle
Besetzung: Anders Danielsen Lie, Ingrid Olava, Anders Borchgrevink, Andreas Braaten, Hans Olav Brenner, Johanne Kjellevik Ledang, Malin Crépin, Renate Reinsve
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2014 Al!ve AG

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