„Things lurk about places like that. Unseen things.“ – Douglas Clegg: Isis, A Tale of the Supernatural (Rezension)

21. März 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

belmonte

Isis, ägyptische Totengottheit und Göttin der Wiedergeburt, ist die Titelgeberin für einen ebenso schönen wie schmalen Kurzroman von Douglas Clegg, einem in Deutschland wenig bekannten Horror- und Dark-Fantasy-Autor aus den USA.

Douglas Clegg: Isis

Douglas Clegg: Isis

Das gebundene Büchlein mit dem Untertitel A Tale of the Supernatural ist mit trefflichen Zeichnungen von Glenn Chadbourne ausgestattet, eine deutsche Übersetzung liegt bisher nicht vor. Anscheinend handelt es sich um ein Prequel von Douglas Cleggs Harrow-Romanen, die ich nicht kenne.

Der Roman Isis handelt von dem Mädchen Iris Villiers, das mit seiner Mutter und seinen Zwillingsbrüdern Harvey und Spencer auf dem Anwesen Belerion Hall in Cornwall lebt.

Iris liebt ihren Bruder Harvey über alles. Harvey bringt ihr die grausigen Schaukelreime ihres Vaters bei: „Jack Hackaway is a little troll who takes children to the goblins when they fall.“ (14) Zusammen mit Harvey führt Iris im Lady’s Club ihrer Mutter bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung das Theaterstück Tragic Tale of Isis and Osiris auf, spielt selbst die Rolle der Isis. Ihr Bruder spielt Osiris, den sie von den Toten zurückholt, eine schaurige Vorausschau. Mit inniger Zärtlichkeit spricht die Ich-Erzählerin von ihrem Bruder: „He kissed me at the edge of the lips, and I felt warmth on my face from that kiss through the whole play.“ (26) Das lässt sich nicht reizender ausdrücken.

Auf dem Anwesen, nahe am Kliff und umgeben von einem Steinwall, liegt die Gruft, in der die Gräber ihrer Vorfahren liegen, ein Durchgang zur Welt der Toten. Der alte Gärtner Marsh warnt Iris vor solchen Stätten: „Beware a field hedged with stones (…) Things lurk about places like that. Unseen things.“ (3)

Eine alte Legende erzählt von einem trauernden Mädchen („Maiden of Sorrow“), das tief unter die Erde reist, um ihren toten Geliebten wieder ans Licht zu bringen. In einer anderen Legende wird ein lachendes Mädchen („Laughing Maiden“), das am Sabbattag vor dem Priester gelacht hat, in einen Stein verwandelt.

Wieder warnt Old Marsh die kleine Iris vor der Gruft:

„Never go in, miss. Never say a prayer at its door. If you are angry, do not seek revenge by the Laughing Maiden stone, or at the threshold of the Tombs. There be those who listen for oaths and vows, and them that takes it quite to heart. What may be said in innocence and ire becomes flesh and blood should it be uttered in such places.“ (6)

Maiden of Stone / Zeichnung von Glenn Chadbourne

Maiden of Stone / Zeichnung von Glenn Chadbourne

Dann ist da noch die böse Haushälterin Edyth. Iris erwischt sie mit offener Bluse in den Armen ihres Bruders Spencer. Halb fallend, halb von Edyth gestoßen, stürzt Iris im Streit aus dem Fenster. Ihr Bruder Harvey, hinterherstürzend, rettet sie und verunglückt tödlich. Iris verliert ihre große Bruderliebe und wird in den folgenden Jahren trauriger und trauriger. Der Fenstersturz aber hat in ihr selbst ein Fenster zu den Toten geöffnet. Aus den Dämonenbüchern der Bibliothek ihres verschrobenen Großvaters kennt sie die Sprüche, mit denen man die Toten zurückholt. Deren Wiederkehr hat jedoch einen Preis. In seinem Cornish-Slang warnt Old Marsh eindringlich: „When the dead been promised, the dead be paid.“ (91)

Isis, A Tale of the Supernatural verströmt die Atmosphäre einer klassischen Gothic Novel, eines englischen Schauerromanes. Einen Horrorschocker sollte der Leser allerdings nicht erwarten. Die eine oder andere Onlinerezension, die davor warnt, das Buch nachts zu lesen, führt daher etwas in die Irre. Von der Stimmung her ist Cleggs Roman vergleichbar mit Neil Gaimans The Ocean at the End of the Lane (zur Rezension). Auch dort spielt übrigens eine böse Haushälterin eine unrühmliche Rolle.

Douglas Clegg: Isis, A Tale of the Supernatural, Zeichnungen von Glenn Chadbourne, Vanguard Press, New York 2009.

(c) belmonte 2015

Link zum Datensatz in WorldCat

Advertisements

Tagged:, , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan „Things lurk about places like that. Unseen things.“ – Douglas Clegg: Isis, A Tale of the Supernatural (Rezension) auf vnicornis.

Meta

%d Bloggern gefällt das: