Mystik des anderen Gottes – Jacques Derrida: Wie nicht sprechen (Fragenrezension)

9. Mai 2015 § 2 Kommentare

belmonte

Jacques Derrida reiht sich, indem er in seinem Vortrag „Wie nicht sprechen“ (Hebräische Universität Jerusalem, 1986) Texte von Dionysius Areopagita, Meister Eckhart und Martin Heidegger diskutiert, auf wunderbare Weise in den Chor der Mystik des anderen Gottes ein und wird selbst zu einem Propheten, der von Gott spricht. Wie aber von Gott sprechen? Wie nicht sprechen?

Der Rezensent hat sich entschieden, das schmale Büchlein anhand von Fragen, die in der einen oder anderen Form Derridas Vortrag selbst durchziehen, zu rezensieren.

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen

Wie nicht sprechen?
Wie nicht sprechen, um gut zu sprechen?
Wie von der Spur sprechen?
Wie schweigen vom Unaussprechlichen?
Wie die Antwort vertagen?
Wie die Verheißung vertagen?
Wie sie auf nächstes Jahr in Jerusalem vertagen?
Wie Gott vertagen?
Wie eines Tages aufhören zu vertagen?
Wie nicht von Gott sprechen?
Wie es bereits begonnen haben zu tun?
Wie etwas auf eines Tages vertagen, das schon Gegenwärtigkeit in Anspruch nimmt?
Wie schweigen, wenn Schweigen eine Modalität des Sprechens?

Wie nicht sprechen?
How to avoid speaking?
Wie bereits immer angefangen haben zu sprechen in der vorausgegangenen Spur des Sprechens?
Wie gesprochen haben werden müssen?
Wie das Unabsprechbare nicht absprechen?
Was damit tun vor Gott?
Wie vermeiden zu sprechen?
Wie ein Geheimnis bewahren?
Wie lügen?
Wie fähig sein, für sich zu wahren, was man weiß?
Wie sich davor in Acht nehmen?
Wie sich vor dem Ruf in das Geheimnis in Acht nehmen?
Wie dem Erkennen entgehen?
Wie dank des Nichterkennens erkennend werden jenseits aller Verständlichkeit?
Wie ein Geheimnis nicht verbreiten?
Wie es wissen lassen, damit das Geheime des Geheimnisses geheim bleibt?
Wie die Verneinung verneinen?

Wie findet Gott Statt, der nicht ist, jenseits des Seins?
Wie ist dieser Ruf dieses anderen dem Sprechen vorangegangen?
Welche Spur davon wahrt noch die negativste Rede?
Wie rührt das Vermögen von Gott zu reden von Gott her, selbst wenn man, um es zu tun, vermeiden muss zu sprechen, mit dem Ziel, wahr zu sprechen?
Wie ist dieses Vermögen eine Wirkung Gottes als absoluter Referent?
Welche ist die Spur dieses Ereignisses, welches das Sprechen möglich macht?
Welche Spur hat Statt gefunden, und würde nur Asche davon bleiben?
Denn es gibt da Asche!

Welche Vergangenheit, die niemals gegenwärtig gewesen ist?
Welches beinahe Nichts?
Welches Gute, dessen nicht-sein kein Nicht-Sein ist, aber jenseits des Sein ist?
Welches Nicht-Sein als anderes, das nicht absolutes Nichts ist, wenn selbst das Logos der negativen Rede nicht vermeiden kann, von etwas zu sprechen?

Wie die chōra nennen?
Wie den Zwischenraum nennen?
Wie vermeiden, von der chōra zu sprechen, als von etwas, welches ist oder nicht ist?
Wie die chōra adressieren?
Wie dieses Geheiß denken, welches eine Spur in der Sprache gelassen haben wird?

Wie das Gebet erfahren?
Wie das Geschwätz vermeiden im Übergang durch die Wüste des Diskurses?
Wie den anderen adressieren, Gott zum Beispiel?
Wie beten?
Wie den andern bitten, das Gebet anzuhören, für es gegenwärtig zu sein, der andere zu sein, Ruf und Ursache des Gebetes zu sein?
Wie sich nicht von Jerusalem entfernen?
Wie nicht die Verheißung abwarten?
Wie das Siegel darstellen, welches das Undarstellbare darstellt?

Wie das reine der Seele finden, erleidend und ruhend in sich selbst?
Wie nichts vermögen zu erleiden außer Gott?
Wie die Spur dessen erkennen, was nicht ist?
Wie Zugang finden zu dem, was nicht mehr Ort ist?
Wie sich am unzerteilbaren Punkt versammeln?
Wie den Ort des Nichts denken?
Wie Zugang zur Ankunft eröffnen?
Wie die in der Angst gemachte Erfahrung Gottes eröffnen, der nicht ist?
Wie nicht daran denken?
Wie das Sein denken, das nicht (ein Seiendes) ist und in Wahrheit nichts (welches wäre) ist?
Wie Gott schreiben?
Wie am Rande des Schweigens beten?

(c) belmonte 2015

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen – Verneinungen. Aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek. Herausgegeben von Peter Engelmann. Passagen Verlag, Wien 1989, 3., überarbeitete Auflage 2014. 126 S.

Link zum Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek

Advertisements

Tagged:, , , , , , , , , ,

§ 2 Antworten auf Mystik des anderen Gottes – Jacques Derrida: Wie nicht sprechen (Fragenrezension)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Mystik des anderen Gottes – Jacques Derrida: Wie nicht sprechen (Fragenrezension) auf vnicornis.

Meta

%d Bloggern gefällt das: