Blackhat – Hacker gegen Hacker in digitaler Action (Filmrezension)

20. Juni 2015 § Ein Kommentar

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Blackhat

Diesen Gastbeitrag hat uns erneut Simon Kyprianou zur Verfügung gestellt, Gastautor bei unserem Partner-Blog Die Nacht der lebenden Texte und Autor bei 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin. Vielen Dank dafür.

Actionthriller // Ein Hackerangriff legt ein chinesisches Atomkraftwerk lahm, Börsenkurse werden manipuliert. Die USA und China sind höchst besorgt und beschließen trotz gegenseitigen Misstrauens, in diesem Fall zusammenzuarbeiten. Chen Dawai (Leehom Wang) vom chinesischen Geheimdienst will seinen alten Studienkameraden und mittlerweile inhaftierten Hacker Nick Hathaway (Chris Hemsworth) zu den Ermittlungen hinzuziehen. Die FBI-Agentin Berrett (Viola Davis) ist anfangs skeptisch, erkennt aber schnell den Nutzen von Hathaway. Der wiederum verliebt sich in Chen Lien (Wei Tang), die Schwester seines alten Freundes. Schnell merkt das Team, dass ihr Gegner nicht zu unterschätzen ist.

Michael Mann und das digitale Drehen

Michael Manns letzte Filme waren weder beim Publikum noch bei der Filmkritik besonders erfolgreich, „Miami Vice“ (2006), „Public Enemy“ (2009) und jüngst auch „Blackhat“ floppten im Kino. Dabei hat er mit ihnen einen konsequenten künstlerischen Ansatz verfolgt, ist Mann doch einer der wenigen Regisseure, die das digitale Drehen, die kühlen digitalen Bilder zum eigenständigen Stil erheben.

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Der geheimnisvolle Hacker ist Nick und Chen auf den Fersen …

Angefangen bei „Collateral“, in dem sowohl digitale als auch analoge Kameras benutzt wurden, fand Manns digitale Ästhetik ihren Höhepunkt in „Miami Vice“ und wurde fortgeführt in „Public Enemy“ und nun auch in „Blackhat“. Tendenzen hin zu dieser Ästhetik konnte man bereits in Manns frühen Arbeiten, wie „Der Einzelgänger“ („Thief“, 1981) und „Blutmond“ („Manhunter“, 1986) entdecken.

Wie inszeniert man das Hacken?

„Blackhat“, das muss man wohl einräumen, scheitert an der angemessenen Behandlung seines Sujets. Es gelingt Michael Mann nicht, Bilder für das „Digitale“, für das „Hacken“ zu finden, es misslingt ihm, diesen abstrakten technischen Vorgang in Bilder zu übersetzen. Der Versuch bremst den Film immer wieder aus, nimmt ihm Dynamik und Tempo. Gewöhnlich sind Manns Filme inhaltlich entschlackt, von allzu großem narrativen Ballast befreit, doch „Blackhat“ wird, vor allem zu Anfang dadurch etwas ausgebremst.

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… doch Nick schlägt zurück

Was Mann aber gelingt: einen hervorragenden Actionfilm zu inszenieren, vor allem in der zweiten Hälfte, in der er sich etwas vom Hacker-Thema entfernt. Digital-körnige, schwirrend-fiebrige Nachtaufnahmen, eine dynamische Kamera, ein hinreißendes Spiel mit Farben und Formen – in dieser zweiten Hälfte erhebt sich „Blackhat“ zum Action-Rausch. Die Figuren sind, typisch für Mann, gradlinig und direkt charakterisiert, da braucht es nicht mehr als einen flüchtigen Blickwechsel zwischen Frau und Mann, um einander unrettbar zu verfallen.

Zum Ende hin inszeniert Mann eine Massenszene in Jakarta, in dessen Getümmel sich die Figuren gegenseitig zerfleischen, festgehalten in eskalierenden, hitzigen digitalen Bildern. So exzessives, herrliches Actionkino findet man heute sonst beinahe nirgendwo.

Veröffentlichung: 18. Juni 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 133 Min. (Blu-ray), 127 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Blackhat
USA 2015
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Morgan Davis Foehl, Michael Mann,
Besetzung: Chris Hemsworth, Viola Davis, Leehom Wang, Wei Tang, John Ortiz, William Mapother, Sara Finley, Spencer Garrett
Zusatzmaterial (nur Blu-ray): Die Cyber-Gefahr, Drehorte überall auf der Welt, Realität erschaffen
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

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