BAWÜLON fragt, BELMONTE antwortet: „Der Roman ist tot.“

27. Juni 2015 § 2 Kommentare

 
Interview zum Fortsetzungswerk geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht, ursprünglich erschienen in BAWÜLON, Zeitschrift für Literatur und Kunst, Ausgabe 2-3, 2011.

BAWÜLON 2-3, 2011, 2-3

BAWÜLON 2-3, 2011

BAWÜLON:
Was ist das eigentlich für eine Literatur?

BELMONTE:
Das ist eine neue Epik, aber es steckt die alte, die ganz alte Epik, die gesungene, in dieser neuen Epik.

BAWÜLON:
Wieso schreibst Du gerade in dieser Form?

BELMONTE:
Es ist die Form, die mir der heutigen Zeit als die am ehesten geeignete erscheint. Der Roman ist tot.

BAWÜLON:
Meinst Du, dass es noch Leser für eine solche Literatur gibt?

BELMONTE:
Romanhaftes Leben ist tot. Es wird also wieder Leser für diese neue Epik geben. Oder es wird keine Leser mehr geben.

BAWÜLON:
Was für eine Zielgruppe könnte so eine Literatur haben?

BELMONTE:
Die neue Epik umfasst Bühne, Lyrik und Gesang, sie ist eine offene Epik. Dementsprechend richtet sie sich an eine ebenso offene Leserschaft und Zuhörerschaft.

BAWÜLON:
Was kannst Du in zwei, drei Worten über die gegenwärtige Literatur sagen?

BELMONTE:
Ich kann mich hier nur wiederholen: Der Roman ist tot. Wer im Roman lebt, trägt eine tote Haut. Die heutige Romanproduktion ist nur ein letztes Aufbäumen. Die neue Epik macht den alten Kern wieder sichtbar. Die Sprache kehrt zum Wort und zu seinem Klang zurück. Die neue Epik ist der ganz alte Gesang.

(c) Pop-Verlag, Ludwigsburg 2011. Wiederveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Pop-Verlags.

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§ 2 Antworten auf BAWÜLON fragt, BELMONTE antwortet: „Der Roman ist tot.“

  • Uff, da bin ich aber froh, dass „Der Roman ist tot“ keine Feststellung ist. 😀
    Der ist immer noch quicklebendig und wird es sicherlich noch ein Weilchen bleiben. Eher würde stimmen „Die Kurzgeschichte ist tot“, was ich sehr schade finde.

    • Ulli sagt:

      auch die Kurzgeschichte ist nicht wirklich tot, ich sage nur: Alice Munro, die moderne Meisterin der Kurzgeschichte … und doch ist vielleicht beides tot, weil es schon alle Gestalten gegeben hat? -m- ich nehme jetzt mal den Gedanken mit und spinne den Faden noch weiter … denn tatsächlich frage ich mich bei vielen Romanen, an ihrem Ende angekommen, was war jetzt?
      Was mir an der Epik gefällt ist der Gedanke, dass das Wort wieder auf die Sprache fällt, ihren Klang und Rhythmus (möchte ich noch hinzufügen)-

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