Unterwegs zu Cecilia | Zweiter Teil

valentino

Illustration: Valentino

Ich saß auf einem roten Plastikstuhl in der Wartehalle im Busterminal im Norden von Mexiko-Stadt. Mein Bus in den Norden des Landes würde in drei Stunden abfahren. Die Wartezeit vertrieb ich mit Sitzen, Lesen und Herumlaufen. Ich war mir sicher, Cecilia wäre auf demselben Weg unterwegs und ich würde ihr nun auf der Spur sein. Eine Durchsage ertönte über den Lautsprecher, der Bus sei eingetroffen und man solle einsteigen.

Ich glaubte, ein Bild von Cecilia rekonstruieren zu können, wenn es mir gelänge, in meiner Vorstellung an die Orte zurückzukehren, an denen ich Narcisa begegnet war. Während unterwegs die Erinnerungen auftauchten, versiegten sie nach der Heimkehr. Beim Versuch, sie zu Hause niederzuschreiben, war mein Kopf leer und mein Schreiben blockiert. So ging viel Zeit mit Warten verloren.

Narcisa blieb seit unserer letzten Begegnung in Todos Santos verschwunden. Jedoch war ich ihr danach noch einmal wieder begegnet. Ein Jahr später reiste ich in ein benachbartes Bergdorf im Hochland Guatemalas. San Mateo Ixtatán (kurz: San Mateo) lag noch abgelegener als Todos Santos im Cuchumatanes-Gebirge. Die Busfahrt über steile Gebirgspässe und schmale Passstraßen ohne Asphalt mit tiefen nebelverhangenen Schluchten am Straßenrand dauerte mehrere Stunden.

(c) valentino 2020

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