Alltägliche Corona-Eskalation

belmonte

Im Bus auf dem Weg in die Heidelberger Peripherie.

Frau trägt Maske unterm Kinn. Busfahrer durchs Mikrofon: „Setzen Sie bitte die Maske auf.“

Maske rauf bis knapp überm Mund.

Als sie zum Aussteigen aufsteht, die Maske wieder unterm Kinn, schlägt ein Mann mit flacher Hand mit voller Wucht aufs Trennglas und ruft lautstark: „Maske uff!“

Alle schrecken auf. Sie völlig verängstigt.

Vor mir einer: „Müssen Sie uns denn so erschrecken?“

Maske-uff-Mann laut zur demaskierten Frau: „Wennde querdenke willst, mussde nach Stuttgart.“

Sie leise: „Wenn Sie doch bloß die Wahrheit wüssten.“ Steigt aus.

Alle Seiten sind leider sehr nervös, und öffentliche Aufforderer gibt es leider mehr und mehr auch auf der vernünftigen Seite.

Es ist schade zu sehen, wie das Richtige immer wieder umschlagen und sehr unsympathisch werden kann.

(c) belmonte 2021

7 Gedanken zu “Alltägliche Corona-Eskalation

  1. Ja, der autoritäre Charakter, der, wie schon Adorno einst feststellte, in uns allen wohnt.
    Danke für deinen Text. Für uns ist das so wie Nachrichten von einer anderen Welt.
    Alles Gute, bleib gesund und munter
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

    • Danke vielmals für Deinen Kommentar.

      Leider bleibt der allgemeine Nervositätslevel im öffentlichen Raum bei uns weiterhin hoch. Ich vermute, dass es hinter geschlossenen Türen viel schlimmer ist.

  2. „das Richtige“, das umschlägt. Das waren die Heilsversprechen der KPD, das Heilsversprechen der Kirchen, die Heilsversprechen der NSDAP, die großen und kleinen Heilsversprechen aller Zeiten. Sie „schlagen um“, weil ihre Gläubigen und Anhänger alle verfolgen und am liebsten totschlagen, die daran zweifeln, dass es „das Richtige“ sei. Der Mechanismus ist immer derselbe.

  3. Angesichts der geschilderten Situation bin ich froh, in der Metropole Hamburg zu leben. Hier gehen die Menschen in der Krise doch verhältnismäßig entspannt miteinander um. Jedenfalls habe ich so etwas wie beschrieben hier noch nicht erlebt und finde es echt … uff … ziemlich gruselig.

    Die Frau hatte offenbar einen spezifischen – für uns unerfindlichen – Grund, demaskiert zu sein. Da sie die Maske für alle sichtbar unter dem Kinn beziehungsweise knapp über dem Mund getragen hatte, hätte eine freundliche kurze Nachfrage ja schon ausgereicht …

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