Unterwegs nach Sarajevo | Teil 3

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BELMONTE

Andreas erschrickt,
springt vom Bett auf,
der Mann schlägt ihm die Maschinenpistole gegen die Brust,
Andreas fällt hin,
schlägt Andreas von hinten gegen den Kopf.
Andreas zu Boden,
bleibt bewusstlos liegen.

Der Mann zu Jeanne:

„Mach keinen Ärger,
ich will einfach nur haben,
was er hatte.
Ist doch nicht zu viel verlangt,
oder?“

Öffnet seine Hose,
schlägt Jeanne ins Gesicht,
legt sich auf sie,
dringt in sie.

Jeanne greift neben das Bett,
greift nach einer der Pistolen,
er liegt auf Jeanne,
sie entsichert die Pistole,
schießt ihm in den Kopf.
Er zur Seite,
sie drückt ihn von sich weg,
springt auf,
läuft ins andere Zimmer.
Kind ist weg.
Sie panisch,
rennt durchs Haus,
nach draußen,
ruft nach dem Kind,
sieht das Auto hinterm Haus,
offene Fahrertür,
sieht das Kind in der Mitte sitzen,
weiß nicht,
was sie denken soll.
Andreas taumelt aus dem Haus,
geht zum Auto.

„Was ist passiert?“

„Alles okay.
Der Typ hat dich niedergeschlagen,
dann war das Kind weg.“

„Der Typ liegt drinnen,
ist tot.“

„Hab ihn erschossen.“

„Wo kam der so plötzlich her?“

„Keine Ahnung.“

„Ich war kurz ohnmächtig,
dann der Schuss.“

„Das Kind ist im Auto.
Wir müssen weiter.
Hier ist es nicht sicher.“

„Nirgendwo ist es sicher.“

„Bleib du beim Auto,
ich hol die Sachen.“

Jeanne zurück ins Haus,
nimmt den Rucksack,
die Maschinenpistole,
Ersatzmagazin,
die andere Pistole,
zieht ihre Hose an,
durchsucht den Toten,
findet nichts.
Zurück zum Auto,
Andreas gegen die Tür gelehnt.

„Gib mir die Schlüssel,
lass mich fahren.
Nimm das hier.“

Reicht ihm die Maschinenpistole.

„Weißt du,
wie das funktioniert?
Kann uns vielleicht noch nützlich werden.“

Andreas nimmt die Maschinenpistole,
zielt auf die Bäume,
Auslöser,
nichts passiert,
findet die Sicherung,
versucht es erneut,
feuert,
die Pistole zappelt in seiner Hand,
lässt sie sofort los.

„Ich war immer der Meinung,
diese Dinge sollten verboten werden.
Jetzt sind wir froh,
so was zu haben.“

Steigen ins Auto,
das Kind in der Mitte,
Jeanne startet den Motor,
den Weg zurück,
bald wieder auf die Straße.

Andreas schaut auf das Kind,
auf Jeanne.

„Was jetzt?
Wollen wir irgendwo anders reinfahren?
Vielleicht haben wir mehr Glück.“

Jeanne schweigt,
beschleunigt,
dreht den Kopf zu Andreas.

„Scheint aufs selbe rauszukommen.
Ich denke,
wir sollten versuchen,
so schnell wie möglich weiterzukommen.“

Immer noch brütend heiß.
Umfahren einen Ort,
eingestürzte Kirche,
fahren weiter,
kurz darauf die serbische Grenze.
Jeanne bremst ab,
fährt langsam an die Grenzanlage.
Niemand zu sehen.
Fährt quer an umgestürzten Pylonen vorbei,
über die Grenze,
ausgebrannter Grenzshop,
völlig verlassener Grenzdurchgang.

Keine Seele weit und breit.

„Umso besser.
Wer weiß,
was uns hier erwartet hätte,
vollbewaffnet wie wir sind.“

„Jetzt sind wir zumindest in Serbien.“

Jeanne beschleunigt,
fährt eine Weile.
Schweigen.
Schaut ein Stück geradeaus,
Fahrzeug kommt entgegen,
schwer zu erkennen,
Luft flimmert über dem Asphalt.
Andreas nimmt eine Pistole,
die Maschinenpistole griffbereit.
Fahrzeug kommt näher,
In der heißen Luft kaum zu sehen,
was für ein Auto,
wer drin sitzt,
wie viele.
Sie fahren aneinander vorbei,
Jeanne beschleunigt,
Stoß von hinten,
Andreas dreht sich um,
großes Geländefahrzeug hinter ihnen,
rammt sie,
ganz vergessen,
nach hinten zu schauen,
als das andere Auto entgegenkam.
Jeanne beschleunigt weiter.

„Was ist da los?“

Andreas drückt das Kind näher an sich.

„Da macht uns jemand Ärger,
wie es scheint.
Weiß der Teufel,
wo der auf einmal herkommt.“

Ihr Verfolger rammt sie erneut,
schiebt sie an.

„Verdammt,
was will der denn?“

„Abschütteln zwecklos,
dem fahren wir mit unserer Kiste nicht davon.
Kannst du erkennen,
wie viele es sind?“

„Nein,
die Scheiben sind zu dunkel.“

„Ich schau mal,
ob ihnen ein paar Kugeln Eindruck machen.“

Auto hinter ihnen stößt sie weiter an,
schiebt sie vor sich her.
Jeanne versucht,
auf der Straße zu bleiben,
Andreas kurbelt das Fenster runter,
streckt die Pistole nach hinten,
von hinten Schüsse,
zieht die Hand sofort wieder zurück,
duckt sich,
drückt das Kind noch näher an sich.

„Die schießen auf uns.“

Jeanne hält ihren Kopf geduckt.

„Ich versuch irgendwo auszuweichen,
wenns geht.
Sieht nicht gut aus.“

Von hinten erneut Schüsse.

Andreas wundert nichts mehr,
erstaunt,
dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Auto hinter ihnen rammt sie heftig,
Jeanne lenkt auf die Gegenspur,
bremst abrupt.
Fahrzeug rechts neben ihnen,
Andreas hebt den Kopf,
die Pistole,
zielt auf das Seitenfenster der anderen,
von dort Schüsse,
eine Kugel durchs offene Fenster,
durch die Windschutzscheibe,
andere Kugel in Andreas Kopf,
er sinkt aufs Armaturenbrett,
das Kind rutscht tief nach vorn,
das andere Auto verlangsamt,
fährt neben ihnen,
Jeanne beschleunigt,
der andere hält mit,
Jeanne steuert den Pick-up an das andere Auto,
sie berühren sich,
Jeanne nimmt die Maschinenpistole,
schießt durch das offene Beifahrerfenster,
das andere Auto löst sich von ihnen,
schlingert rechts von der Straße,
kracht gegen einen Baum,
Jeanne bremst ab,
hält den Pick-up weiter vorn,
braunes Gras neben der Straße,
schaut zum Kind.

„Bist Du okay?“

Das Kind nickt.
Jeanne steigt aus,
geht vorn um das Auto,
öffnet die Beifahrertür,
greift nach Andreas,
zu schwer,
ihn herauszuheben,
zieht an seinem Arm,
er fällt ihr entgegen,
sie fällt beinahe hin,
zieht ihn aus dem Auto,
legt ihn ins Gras,
findet Andreas‘ Pistole im Fußraum,
nimmt sie,
nimmt die Maschinenpistole.

„Bleib hier,
ich schaue nach dem anderen Auto.“

Immer noch sehr heiß.
Jeanne zum anderen Auto,
hält beide Waffen auf das Auto gerichtet,
geborstene Scheiben,
sieht zwei Leichen,
durchlöchert,
wohl sofort tot,
genau wie Andreas.
Das Kind kommt auf sie zu,
geht auf dem braunen Gras,
aus dem zerstörten Fahrzeug Radio,
hört nur Fetzen,
Radio Belgrad,
kein Durchkommen,
Jeanne hört kaum hin,
geht dem Kind entgegen,
nimmt es bei der Hand.

„Hier ist nichts mehr für uns zu tun.
Lass uns weiterfahren.“

Gehen zum Pick-up zurück.

„Würde Andreas gern begraben,
aber wir haben nichts dabei,
um Erde auszuheben.
Ich lege ihn etwas abseits,
Wenigstens das.“

Jeanne beugt sich zu Andreas,
greift unter seine Arme,
flache Böschung,
dahinter ein kahler Baum,
zieht ihn hinter den Baum.
Geht zum Auto zurück,
das Kind auf der Beifahrerseite.

Jeanne fährt los,
das Kind schaut sie an.

Das Kind bin ich.

(c) belmonte 2021

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