„Wir wollen mehr Literatur wagen“ – Arbeitsgruppe präsentiert ihr Gesamtkonzept für eine lebendige, vielfältige UNESCO City of Literature Heidelberg

Am 29. März 2022 hat die Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung Literaturstadt Heidelberg“ ihr Gesamtkonzept in einer Online-Konferenz mit rund 65 Teilnehmern vorgestellt.

Die im vergangenen Jahr angekündigten Kürzungen des städtischen Literaturetats haben gezeigt, dass in Heidelberg, der deutschlandweit einzigen UNESCO City of Literature, ein neues Bewusstsein für die herausragende Bedeutsamkeit von Literatur geschaffen werden muss: Weder die literarische Tradition der Stadt, noch ihr UNESCO-Titel dürfen „verwaltet“ und beschnitten werden. Es gilt, die immensen gesellschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten der 2014 erfolgten Auszeichnung Heidelbergs zur UNESCO Literaturstadt neu zu entdecken und – auch im internationalen Vergleich – endlich umfassend auszugestalten.

In der Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung Literaturstadt Heidelberg“ haben sich nach dem erfolgreichen gemeinschaftlichen Protest gegen die Kürzungen der Literaturförderung (Oktober/November 2021) ehrenamtlich Autoren, Übersetzer, Verleger, Buchhändler, Veranstalter und Angehörige der Universität zusammengefunden, um mit gemeinsam entwickelten, innovativen Ideen einen konzeptuellen Neuanfang unserer Literaturstadt voranzutreiben. Damit folgte die Arbeitsgruppe dem in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung am 18. November 2021 formulierten Antrag, ein Gesamtkonzept für die UNESCO City of Literature vorzulegen.

„Mehr Literatur wagen“ ist eine Einladung an alle Akteure, Freunde und Bürger der Literaturstadt Heidelberg, einen gemeinsamen programmatischen Neuanfang zu wagen und den Titel „UNESCO City of Literature“ vielfältig mit Leben zu füllen.

Das Gesamtkonzept ist hier im Download verfügbar.

Die Arbeitsgruppe Weiterentwicklung Literaturstadt Heidelberg:

  • belmonte, Sprecher der Heidelberger Autorinnen und Autoren
  • Veronika Haas, Literaturherbst Heidelberg
  • Bettina Heuer, Sprecherin des Buchhandels
  • Buchhandlung Wortreich
  • Patrizia Hinz, Sprecherin Absatz. Magazin für Literatur und Medien
  • Regina Keil-Sagawe, Sprecherin der Übersetzerinnen und Übersetzer
  • Ulrike Kemna, Beirat Heidelberger Literaturtage
  • Helga Pfetsch, Sprecherin der Übersetzerinnen und Übersetzer
  • Roland Reuß, Autor und Literaturwissenschaftler, Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
  • Ilka Schlüchtermann, Übersetzerin
  • Jutta Wagner, Leiterin LiZ Literarisches Zentrum am DAI Heidelberg
  • Regina Wehrle, Mattes Verlag, Literaturherbst Heidelberg
  • Christian Weiß, Sprecher der Heidelberger Verleger, draupadi Verlag
  • Ingeborg von Zadow, Sprecherin der Heidelberger Autorinnen und Autoren

Heidelberger Literaturtage als städtische Stabsstelle – Eine große Chance vertan

belmonte

Jagoda Marinić übernimmt künstlerische Leitung der Heidelberger Literaturtage

Bei allem Respekt für Jagoda Marinić, deren Arbeit und öffentliches Wirken mich sehr beeindrucken – hier ist leider eine große Chance vertan worden, die Heidelberger Literaturtage zurück in private Hand zu geben.

Über viele Jahre wurde genau diese Reprivatisierung der Literaturtage immer wieder angekündigt. Jetzt zeigt sich, dass das vermutlich nie die Intention gewesen ist. Leider sieht alles sehr nach abgekarteter Hinterzimmerpolitik aus.

Die Literaturtage sind programmatisch in den vergangenen Jahren kaum vom Fleck gekommen. Sie gehören dahin, wo Literatur programmatisch weitergebracht wird, nämlich in die Hand eines oder mehrerer Verlage oder einer verlagsnahen GmbH o. ä. Verlage sind viel besser in der Lage, Autorinnen und Autoren anzusprechen und mit ihnen zu arbeiten. Das ist einfach ihr tagtägliches Geschäft.

Aus meiner Sicht ist das auch ein Affront gegen Manfred Metzner, der vor Jahren als Leiter der Literaturtage mehr Mittel benötigte, worauf die Stadt die Literaturtage selbst weitergeführt hat – mit größerer finanzieller Ausstattung, als Metzner überhaupt angefordert hatte.

Die Art der Entscheidung ohne alle Transparenz und im Gegensatz zu dem, was jahrelang angekündigt wurde, wird Jagoda Marinić den Rückenwind nehmen, den sie bei der Heidelberger Gemengelage braucht. Dass die vom Kulturamt moderierte „AG Neukonzeption Heidelberger Literaturtage“ überhaupt nicht eingebunden war, spricht Bände. Vielleicht wäre ja ein echter Neustart, zum Beispiel eine engere Verzahnung der Literaturtage mit dem Literaturherbst, möglich gewesen. Diese Intransparenz ist für die Literaturtage jedenfalls keine gute Startvoraussetzung.

Jetzt eben eine städtische Stabsstelle. In der Kultur hat es den Anschein, dass die Stadt privater Initiative einfach nicht traut.

Wir sind alle Klimaleugner

Letzte Woche wieder in meinem Lieblingscomicladen in Mannheim,
Fantastic Store in der Tattersallstraße,
zwei Minuten vom Hauptbahnhof.
Haben die ganzen US-Sachen,
nicht nur Marvel und DC,
genauso die Independence-Verlage,
Image Comics,
Dark Horse,
BOOM! und so weiter,
auch die Hefte,
die mir allerdings zu anstrengend sind,
um dranzubleiben.

Fahre gerade komplett ab auf Nocterra von Scott Snyder und Tony S. Daniel,
erster Band Full Throttle Dark,
starkes Teil,
Welt innerhalb von Minuten komplett dunkel,
Leute ohne elektrisches Licht verwandeln sich in Monster,
Tiere sowieso,
Heldin Val Riggs fährt mit einem Truck zwischen den letzten Outposts hin und her,
immer wieder kurze Rückblenden,
Sachen werden klarer.

Scott Snyder begeistert mich schon seit Monaten,
Audiozeug in seinem Substack-Newsletter lässt sich gut hören,
hat lange für DC geschrieben,
viel Batman,
dann independent bei Image,
sein Wytches ist heftig,
extrem gutes,
dreckiges Coloring von Matt Hollingsworth,
zeigt,
was alles drübergelegt werden kann.

Wytches und Nocterra wirds wohl bald im Streaming-TV geben,
wundert mich nicht.

Comic ist für mich Mischung aus Prosaerzählung und Film,
nimmt das Beste aus beiden Welten,
führt es im Idealfall weiter.
Erzählerische Texte können von Comics lernen,
vor allem amerikanische Comics aus meiner Sicht weit fortgeschritten,
professionelle Arbeitsteilung,
Blendtechniken,
Serialität.

Ein Wort zur aktuellen Lage Russlands und der Ukraine.
Mir fällt es ehrlich gesagt schwer,
mir eine robuste Meinung zu bilden.
Ich kann irgendwie nicht glauben,
dass Russland die Ukraine wirklich angreifen wird,
obwohl die Besetzung der Krim ja schon Vorlage war.
Kann mir gut vorstellen,
dass ein russischer Angriff auf die Ukraine ein massives Zusammenrücken Europas zur Folge hätte,
an dem Russland sicherlich kein Interesse haben dürfte.
Womöglich sind wir dann aber alle schon nicht mehr da.

Warum eigentlich nicht Russland selbst eine NATO-Mitgliedschaft anbieten?

Was mir nach wie vor sehr leid tut,
ist die mangelnde Berichterstattung über Belarus.
Über dem Land liegt seit Monaten eine bittere Glocke,
vor allem aus einer Reihe von Twitter-Accounts bekomme ich noch etwas mit,
was dort geschieht,
zum Beispiel Hanna Liubakova.

Leute meistens,
die längst außer Landes sind.
Viele Stimmen in Belarus selbst längst verstummt.

Freue mich über Empfehlungen zu Kanälen und Stimmen aus Belarus,
die ich nicht auf dem Radar habe.
Wer sucht,
findet wohl weiterhin einiges.

Haben am Wochenende den Film Don’t Look Up mit Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Cate Blanchett und noch anderen geläufigen Namen gesehen.
Sehr unterhaltsam und teilweise packend,
bürstet einiges gegen den Strich,
exzellente Parodie über das Leugnen eines bevorstehenden Kometeneinschlags,
ein Planetenkiller,
der alles Leben auslöscht,
eigentlich gar keine Parodie,
die Vergleiche zu aktuellen Klima- und Coronaleugnern sind einfach zu gelungen.

Dabei ist der Film alles andere als einseitig.
Hat mir deutlich gemacht,
wie selbstgerecht auch die große Masse derjenigen ist,
die den Klimawandel eben nicht leugnen.
Eigentlich gehören sie ebenfalls zu den Klimaleugnern,
praktische Klimaleugner,
die genauso weitermachen wie bisher.
Zu dieser Masse zähle wohl auch ich.

Immer wenn Heidelberg mir zu eng wird,
muss ich nach Mannheim.
Für mich ist Heidelberg ohnehin das Neuenheim von Mannheim,
muss da immer mal raus.
Japanische Küche im Osaka am Friedrichsring ist jedenfalls vorzüglich.

(c) belmonte 2022

Frohes neues Jahr 2022

Frohes neues Jahr 2022,
liebe Freunde!

Jahr hat grau angefangen,
regnet Katzen und Hunde,
Omikron hält uns alle im Griff.
Hoffe trotzdem,
Ihr habt schöne Feiertage gehabt mit Euren Lieben und nicht zu viele schlechte Nachrichten.

Ich selbst war ein bisschen mit meinen Kindern schwimmen,
Booster machts möglich,
heftige Hurricane-Rutsche im Miramar,
wer Lust hat,
Eindrücke hier von irgendjemandem:

Längere Tour im Odenwald,
gut gegessen,
ansonsten habe ich an einer Reihe von Storylines und Plots gearbeitet,
Gedanken zu digitaler Literatur gemacht.
Bin nach wie vor der Meinung,
dass Literatur sich erst auf halbem Weg in die digitale Welt befindet.
Viele neue Streaming-Formate,
die sich im vergangenen Jahr aufgetan haben,
ein wenig kollaboratives Schreiben im virtuellen Raum,
der echte Durchbruch aus meiner Sicht noch nicht geschehen.
Comics da schon viel weiter,
sind natürlich auch Literatur.

Ach ja,
kürzlich erreichte mich von einem Verlag eine Publikationszusage für ein Buch,
das ich im vergangenen Sommer beendet habe.
Was genau,
verrate ich noch nicht,
kann aber sagen,
es wird sehr cool.

Gab vergangenes Jahr Diskussion unter Heidelberger Autor:innen,
ob die aktuelle Situation als Berufsverbot bezeichnet werden könne.
Es stimmt aber einfach nicht,
dass Schriftsteller:innen in Deutschland Berufsverbot haben.
Sie können schreiben,
gibt Verlage,
die sie veröffentlichen,
können Lesungen veranstalten,
und wenn sie es richtig machen,
haben Sie online ein viel größeres Publikum,
als sie analog je hatten,
mit Realtalk und allem Drum und Dran.

Und dann war ich noch im neuen Spider-Man-Film,
originelle Story,
verrückte Überraschungen,
insgesamt aber etwas zu nostalgisch.
Hat trotzdem großen Spaß gemacht.

Freue mich über Kommentare,
wie Ihr den Film fandet.

(c) belmonte 2022

Brief aus Ulm

Eingang der Hochschule für Gestaltung Ulm
Eingang der Hochschule für Gestaltung Ulm / Foto: belmonte

Heute Gebrauchten in München abgeholt.

Frühmorgens Railjet der ÖBB von Mannheim nach Budapest.

War hundemüde.

Musste aufpassen,

dass ich Pasing nicht verpasse,

sonst wäre ich womöglich in Wien aufgewacht.

Auf dem Rückweg Zwischenstopp in Ulm,

das Museum der legendären Hochschule für Gestaltung Ulm besucht,

Bauhaus-Nachfolger,

gegründet u. a. von Inge Aicher-Scholl,

Schwester von Hans und Sophie Scholl.

Museum des HfG-Archiv
Museum des HfG-Archiv / Foto: belmonte

Design vom Feinsten.

Ich verstehe immer noch nicht,

warum die HfG Ulm nicht wiedereröffnet wird.

Ulmer Hocker
Ulmer Hocker / Foto: belmonte
Schneewittchensarg
Schneewittchensarg / Foto: belmonte

Die haben so großartige Sachen geschaffen,

den Schneewittchensarg,

den Ulmer Hocker,

Stapelgeschirr,

Hamburger Hochbahn und was nicht alles.

Stapelgeschirr / Foto: belmonte

Haltet mal den Braun-Taschenrechner neben das erste Apple iPhone,

direkte Linie vom Bauhaus über die HfG Ulm ins Silicon Valley.

Rückansicht Hochschule für Gestaltung Ulm
Rückansicht Hochschule für Gestaltung Ulm / Foto: belmonte

(c) belmonte 2021

Nähern uns dem Zielgebiet

Kannst Du was sehen?͏

Ich sehe überhaupt nichts.
Gib mir das Sichtgerät.

͏Nein.

͏Ich dachte,
da wär was.

͏Dachte ich auch.

͏Alles matschig hier.

͏Scheiße.

͏Was ist los?

͏Bin in ein Loch getreten.

͏Komm her.

͏Geht nicht,
bekomm mein Bein nicht raus.

͏

In meinem Artikel in der Freitag-Community schreibe ich darüber, wie der digitale Text vertikal wird und das Konzept der Seite überwindet.

https://www.freitag.de/autoren/belmonte/naehern-uns-dem-zielgebiet