Unterwegs nach Sarajevo

BELMONTE

Andreas Kiercher, Jeanne Josquin-Brenet, Fabiu Petrescu und ein Kind

Bloß raus aus Timisoara.
Der Pick-up fast Schrott.
Damit kommen sie niemals an.

Allen ist klar,
dass es Probleme geben wird.

Überqueren die Bahngleise.

Jeanne zu Andreas:

„Bin gespannt,
wie weit wir mit dieser Kiste kommen.“

Andreas nimmt eine Ausfahrt,
verlässt die Schnellstraße,
blickt nervös hin und her.

„Nicht das Auto,
was das Problem ist,
sondern die Milizen,
die sich überall rumtreiben.
Schau mal da drüben.“

Zeigt nach der anderen Straßenseite.
Hängen drei Leichen an einer Baumgruppe.

„Die zerren uns einfach aus dem Auto,
hängen uns genauso an die Bäume.“

„Vorher schieß ich einige übern Haufen,
wirst schon sehen.“

„Rede nicht so viel.
Fahr einfach.“

Die Sonne durch die Windschutzscheibe.
Straße flimmert.
Farbloser Himmel.
Stinkt immer noch nach Schwefel.

Schüsse von der Seite.
Knattern von Maschinenpistolen.

„Duckt Euch!“

„Pass auf das Kind auf.“

Jeanne beugt sich über das Kind,
zwischen ihr und Fabiu eingeklemmt,
gehen in Deckung,
beugen sich zur Seite,
nach unten,
so gut es geht.
Wieder das Knattern.

Kugeln schlagen auf der Fahrertür auf.

„Fahr weiter,
sind ja völlig irrsinnig hier.“

„Glaubt ihr wirklich,
dass wirs schaffen,
wenn diese Ballerei jetzt schon losgeht?“

Fahren an verbrannten Fabriken und Werkhallen vorbei,
Häuserruinen,
eine Kirche,
Turm eingestürzt.
Am Straßenrand liegengebliebene Autos,
zurückgelassen,
Schrott,
genau wie ihr Pick-up.
Fährt wenigstens noch.
Wer weiß,
wie lange.

Nirgendwo jemand zu Fuß unterwegs.
Zu gefährlich,
hier rumzulaufen.
Hitze kaum zu ertragen.

Lange Straße geradeaus,
Bungalows auf beiden Seiten,
kahle Bäume.
Wieder Knattern von Maschinenpistolen,
von irgendwoher.

Fabiu in den vergangenen Jahren als Bauzeichner,
dann als Architekt in Bukarest gearbeitet.
Seine Eltern und Schwester seit Monaten nicht gesehen,
kein Kontakt,
weiß nicht,
wo sie sind,
ob überhaupt noch am Leben.

Sehnt sich nach seiner Schwester,
die nach Berlin wollte.
Wer weiß,
ob sie je angekommen ist.

Fabiu hatte als Kind immer Angst,
wenn es Nacht wurde.
Auch später noch.
Immer musste jemand bei ihm sein,
seine Mutter,
seine Schwester,
bis er einschlief.

Ging irgendwann vorbei,
aber seit ein paar Monaten ist die Angst wieder da,
den ganzen Tag nervös,
scheut den Gedanken an Dämmerung und Nacht,
niemand bei ihm.

Am helllichten Tag bricht ihm der Schweiß aus,
wenn er an die Nacht denkt.
Fürchtet sich vor der Nacht.
Gibt allen Grund,
sich zu fürchten.

Jetzt sitzt das Kind neben ihm,
müssen es nach Sarajevo bringen.
Kind sitzt ganz ruhig.

Fahren eine langgezogene Kurve.
Vor ihnen Rauch.
Fahren weiter.
Dichter Qualm.
Etwas langsamer.
Am Straßenrand ein umgekippter Tanklaster,
Tankbehälter fast vollständig vom Qualm umhüllt,
Zugmaschine komplett ausgebrannt,
kein Mensch zu sehen.

Andreas fährt den Pick-up am brennenden Wrack vorbei,
vorsichtig,
beschleunigt etwas.

Schaut auf das Kind.
Die Luft stinkt abscheulich,
Schwer zu atmen.
Kind sitzt zwischen Fabiu und Jeanne,
schläft,
Kopf an Fabius Arm gelehnt.

Irgendwas fängt an zu leuchten,
als wärs das Kind.

Der Tanklaster hinter ihnen explodiert,
Explosion so stark,
wirft den Pick-up mit einem Satz nach vorn,
zur Seite,
Andreas lenkt gegen,
stabilisiert das Fahrzeug.

„Pass auf,
dass du nicht von der Straße abkommst.“

„Tu ich ja,
ich versuchs.“

„Was war denn das?“

„Tankfahrzeug,
lag am Straßenrand,
ist einfach explodiert.
Waren schon vorbei zum Glück.“

„Hier ist alles kaputt.
Bald gibts hier nichts mehr.“

„Straße ist noch ganz gut befahrbar.“

„Freu dich nicht zu früh.
Schaut mal da.“

„Was ist da los?“

„Kontrollstelle.“

„Was schlagt ihr vor?
Anhalten oder beschleunigen und durchrasen?“

„Zu gefährlich.
Was ist,
wenn sie Reifenstopper ausgelegt haben,
dann können wir alles vergessen.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Mann in Tarnkleidung hebt die Hand,
ein anderer neben ihm.
Andreas lässt das Auto ausrollen.

„Jetzt alle ganz ruhig.
Pistolen hinter den Sitz.
Lasst mich reden.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Ein dritter Mann tritt aus einem Holzverschlag,
kommt dazu,
dunkle Tarnjacke.
Andreas bremst vor der Schranke.

Der die Hand gehoben hat,
zu Andreas:

„Was wollt ihr hier?“

„Wir fahren nach Sarajevo.“

„Warum wollt ihr da hin?“

„Treffen dort jemanden.“

„Habt euch die unpassendste Zeit ausgesucht,
nach Sarajevo zu fahren.
Werdet ihr nie ankommen.
Würde euch am liebsten zurückschicken.“

Kurze Pause,
schaut in die Richtung,
aus der sie gekommen sind,
schaut das Kind an.

„Ist das euer Kind?“

Schweigen.

Jeanne schaut ihn an.

„Ich bin die Mutter.“

Andreas nervös.

„Wir bringen sie mit dem Kind nach Sarajevo.“

Der Mann schaut wieder in die rückwärtige Richtung,
unschlüssig.
Der Andere aus der Holzhütte:

„Gibt es ein Problem?“

„Sie sagen,
sie wollen nach Sarajevo.
Haben ein Kind bei sich.
Die Frau sagt,
sie ist die Mutter.“

Der andere beugt sich zu Andreas.

„Was war das für eine Explosion?“

Andreas immer noch nervös.

„Ein Tanklaster.
Lag brennend am Straßenrand.
Heftige Explosion,
als wir vorbei waren.“

„Wer ist der da drüben?“

Zeigt auf Fabiu.

Fabiu schaut nach vorn,
regt sich nicht.

„Bist du taub?“

„Er ist ein Kollege von mir.“

„Ein Kollege,
ja?“

„Ja.“

„Okay,
ein Kollege also.
Aber er gefällt mir nicht,
Dein Kollege.
Du,
Kollege,
kannst du mich hören?“

Geht um das Auto.
Zum Anderen:

„Der da rechts im Auto,
soll rauskommen.“

Der Andere:

„Was ist mit ihm?“

„Gefällt mir nicht.“

Nimmt seine Pistole,
stellt sich abseits auf,
zielt auf Fabiu.

„Du,
der du nicht hören kannst,
steig aus,
mach keine Faxen.“

Tritt näher an die Beifahrertür.

„Ich hoffe,
du kannst mich hören.“

Fabiu schaut immer noch nach vorne,
völlig reglos,
als hört er nicht zu.
Öffnet die Beifahrertür,
drückt sie langsam auf,
setzt einen Fuß nach draußen.

Der Andere:

„Ganz langsam,
schön ruhig,
beide Hände sichtbar.
Ich sagte,
beide Hände sichtbar.“

Jetzt alles ganz schnell.

Fabiu stößt die Tür mit einem Schlag auf,
wirft den anderen zurück,
langt hinter sich,
greift eine Pistole,
wirft sich nach draußen auf den Boden,
schießt auf den anderen,
der krümmt sich,
stöhnt auf.

Der Erste gibt mehrere Schüsse auf Fabiu ab,
trifft mehrmals seinen Kopf.
Fabiu sinkt in sich zusammen,
bleibt liegen.
Andreas tritt auf das Gaspedal,
fährt mit einem Ruck durch die Schranke,
Beifahrertür schlägt von der Beschleunigung zu.
Schreit:

„Köpfe runter!“

Von hinten mehrere Kugeln.
Das Kind drückt sich an Jeannes Seite,
Jeanne beugt sich nach vorn,
Andreas jagt den Pick-up voran.

„Was sollte das denn?
Was hat Fabiu sich dabei gedacht?
Aussteigen und einfach alle übern Haufen schießen?
Nur weil dem einen sein Gesicht nicht gefiel?“

„Er ist wohl einfach ausgetickt.“

„Wer weiß,
wo die noch überall Leute stehen haben,
wen die jetzt alles benachrichtigen.
Noch so ne Straßensperre,
und die wissen,
dass wir kommen,
dann sind wir geliefert.“

„Vielleicht sollten wir eine andere Straße fahren.“

„Ich bin diese Straße so oft gefahren.
Es gibt noch die Schnellstraße,
aber da schaffen wir es noch viel weniger.
Sehr weit sind wir jedenfalls noch nicht gekommen.“

Andreas beschleunigt den Pick-up,
so schnell es geht,
hält ihn mit Ach und Krach auf der Straße,
in den Kurven.
Kein Mensch weit und breit.

„Die Straße wird sicher nochmal gesperrt sein.
Vielleicht sollten wir etwas langsamer fahren,
oder uns für ein paar Stunden in die Büsche schlagen.“

„Du hast recht.
Wenn sie uns verfolgen,
werden sie bald aufgeben.
Es sind schon genug Monster unterwegs.“

„Schau mal,
zwischen den Bäumen,
der Weg da vorne.“

Andreas bremst,
biegt ab,
ungepflasterter Weg,
fährt langsam,
über ihnen entlaubte Bäume,
weicht Schlaglöchern aus.

Fahren eine Weile.
Der Weg endet vor einem offenen Tor,
dahinter ein Bungalow zu erkennen,
überall entlaubte Bäume,
das Haus grau,
früher vielleicht mal weiß.
Fahren durch das Tor,
Andreas bremst ein paar Meter vor dem Haus.

„Was denkst du?
Sollen wir hierbleiben?“

„Keine Ahnung.
Lass mal schauen,
ob jemand hier ist.“

Andreas wendet den Pick-up,
stellt den Motor ab,
langt hinter sich,
greift zwei Pistolen,
reicht Jeanne eine davon.

„Lass mich zuerst schauen.
Bleib du beim Kind.“

Sie nimmt das Kind,
hebt es auf Andreas Seite,
öffnet die Beifahrertür
steigt aus.

Jeanne kommt aus Paris,
paar Jahre in Leipzig,
Grundschullehrerin.
Ständig wechselnde Partner,
Scheiß auf Beziehungen,
Zukunft sowieso desolat,
leben okay,
aber nicht für irgendwas,
oder jemanden.
Einzig Kinder reißen sie raus,
sie weiß nicht warum,
Mütterlichkeit jedenfalls nicht,
Mitleid auch nicht.
Sie tritt zur Haustür,
öffnet sie,
ohne zu klopfen,
tritt ins Haus,
läuft schnell,
richtet die Pistole nach allen Seiten,
in den angrenzenden Raum,
kleine Küche,
weiterer Raum.

Das Haus kleiner,
als es von außen den Anschein hat,
wenige Möbel,
alles etwas unordentlich,
nicht sehr sauber,
aber nicht verwahrlost.

Niemand da.
Zurück in die Küche,
am wenigen Geschirr nicht erkennen,
wann zuletzt jemand hier war.
Öffnet den Wasserhahn,
kein Wasser.
In einem Schrank alte Konserven,
Büchsenfleisch,
ein paar leere Flaschen,
sonst nichts.

Nochmal in das dritte Zimmer,
zwei Holzbetten,
unbezogene Matratzen.
Die Luft abgestanden,
genauso heiß wie draußen,
keine Abkühlung.

Nach draußen,
zurück zum Auto.

Zu Andreas:

„Keiner da,
kein Lebenszeichen.
Schau selbst.
Wer immer hier war,
ich weiß nicht,
wie lange der oder die schon weg sind.“

„Wir können ein bisschen hierbleiben.
Werden schon aufpassen,
wenn jemand kommt.“

„Fahr das Auto am besten hinters Haus,
falls jemand kommt,
dass ers nicht sofort sieht.“

Jeanne nimmt das Kind auf den Arm,
zurück ins Haus,
öffnet ein paar Fenster,
setzt das Kind auf den Boden.
Andreas kommt rein,
Pistole in der Hand,
Rucksack in der anderen,
schaut sich um,
nimmt eine Flasche Wasser aus dem Rucksack.
Alle trinken nacheinander.
Andreas gibt dem Kind das Wasser,
hilft ihm.

„Tut mir leid,
dass es Fabiu erwischt hat.“

„Tut mir auch leid.“

„Und jetzt?“

„Und jetzt was?“

„Was machen wir jetzt?“

„Jetzt warten wirn paar Stunden,
dann gehts weiter.“

„Können die Nacht über hierbleiben.“

„Weiß nicht.
Heute Abend weiterfahren,
wohl keine gute Idee.“

Schweigen.
Kind schaut sie an.
Andreas setzt sich neben das Kind,
nimmt Zwieback aus dem Rucksack,
getrocknetes Obst,
gibt dem Kind davon,
isst selbst etwas.
Steht auf,
schaut in die anderen Zimmer
kommt zurück,
packt die Konserven,
die Jeanne gefunden hat,
in den Rucksack.

„Ziemlich trostlos hier.“

„Überall trostlos,
würde ich sagen.“

„Lass uns rübergehen,
ich hab im anderen Zimmer zwei Betten gesehen.

Jetzt,
dass Fabiu nicht mehr da ist,
wer weiß,
wann wir wieder dazu kommen.“

Gehen in das Zimmer mit den Betten,
legen die Pistolen neben eines der Betten,
Andreas schiebt seine Hose runter,
greift nach Jeanne,
sie greift nach ihm,
zieht ihre Hose aus,
legen sich hin,
sie spürt ihn,
gefällt ihr,
geht schnell,
gefällt ihm auch.

Schweigen eine Weile,
liegen nebeneinander.
Ein Mann im Trainingsanzug tritt ein,
umgehängte Maschinenpistole.

„Schön habt ihrs hier,
würde gern dabei sein.
Macht euch sicher nichts aus.“

Andreas erschrickt,
springt vom Bett auf,
der Mann schlägt ihm die Maschinenpistole gegen die Brust,
Andreas fällt hin,
schlägt Andreas von hinten gegen den Kopf.
Andreas zu Boden,
bleibt bewusstlos liegen.

Der Mann zu Jeanne:

„Mach keinen Ärger,
ich will einfach nur haben,
was er hatte.
Ist doch nicht zu viel verlangt,
oder?“

Öffnet seine Hose,
schlägt Jeanne ins Gesicht,
legt sich auf sie,
dringt in sie.

Jeanne greift neben das Bett,
greift nach einer der Pistolen,
er liegt auf Jeanne,
sie entsichert die Pistole,
schießt ihm in den Kopf.
Er zur Seite,
sie drückt ihn von sich weg,
springt auf,
läuft ins andere Zimmer.
Kind ist weg.
Sie panisch,
rennt durchs Haus,
nach draußen,
ruft nach dem Kind,
sieht das Auto hinterm Haus,
offene Fahrertür,
sieht das Kind in der Mitte sitzen,
weiß nicht,
was sie denken soll.
Andreas taumelt aus dem Haus,
geht zum Auto.

„Was ist passiert?“

„Alles okay.
Der Typ hat dich niedergeschlagen,
dann war das Kind weg.“

„Der Typ liegt drinnen,
ist tot.“

„Hab ihn erschossen.“

„Wo kam der so plötzlich her?“

„Keine Ahnung.“

„Ich war kurz ohnmächtig,
dann der Schuss.“

„Das Kind ist im Auto.
Wir müssen weiter.
Hier ist es nicht sicher.“

„Nirgendwo ist es sicher.“

„Bleib du beim Auto,
ich hol die Sachen.“

Jeanne zurück ins Haus,
nimmt den Rucksack,
die Maschinenpistole,
Ersatzmagazin,
die andere Pistole,
zieht ihre Hose an,
durchsucht den Toten,
findet nichts.
Zurück zum Auto,
Andreas gegen die Tür gelehnt.

„Gib mir die Schlüssel,
lass mich fahren.
Nimm das hier.“

Reicht ihm die Maschinenpistole.

„Weißt du,
wie das funktioniert?
Kann uns vielleicht noch nützlich werden.“

Andreas nimmt die Maschinenpistole,
zielt auf die Bäume,
Auslöser,
nichts passiert,
findet die Sicherung,
versucht es erneut,
feuert,
die Pistole zappelt in seiner Hand,
lässt sie sofort los.

„Ich war immer der Meinung,
diese Dinge sollten verboten werden.
Jetzt sind wir froh,
so was zu haben.“

Steigen ins Auto,
das Kind in der Mitte,
Jeanne startet den Motor,
den Weg zurück,
bald wieder auf die Straße.

Andreas schaut auf das Kind,
auf Jeanne.

„Was jetzt?
Wollen wir irgendwo anders reinfahren?
Vielleicht haben wir mehr Glück.“

Jeanne schweigt,
beschleunigt,
dreht den Kopf zu Andreas.

„Scheint aufs selbe rauszukommen.
Ich denke,
wir sollten versuchen,
so schnell wie möglich weiterzukommen.“

Immer noch brütend heiß.
Umfahren einen Ort,
eingestürzte Kirche,
fahren weiter,
kurz darauf die serbische Grenze.
Jeanne bremst ab,
fährt langsam an die Grenzanlage.
Niemand zu sehen.
Fährt quer an umgestürzten Pylonen vorbei,
über die Grenze,
ausgebrannter Grenzshop,
völlig verlassener Grenzdurchgang.

Keine Seele weit und breit.

„Umso besser.
Wer weiß,
was uns hier erwartet hätte,
vollbewaffnet wie wir sind.“

„Jetzt sind wir zumindest in Serbien.“

Jeanne beschleunigt,
fährt eine Weile.
Schweigen.
Schaut ein Stück geradeaus,
Fahrzeug kommt entgegen,
schwer zu erkennen,
Luft flimmert über dem Asphalt.
Andreas nimmt eine Pistole,
die Maschinenpistole griffbereit.
Fahrzeug kommt näher,
In der heißen Luft kaum zu sehen,
was für ein Auto,
wer drin sitzt,
wie viele.
Sie fahren aneinander vorbei,
Jeanne beschleunigt,
Stoß von hinten,
Andreas dreht sich um,
großes Geländefahrzeug hinter ihnen,
rammt sie,
ganz vergessen,
nach hinten zu schauen,
als das andere Auto entgegenkam.
Jeanne beschleunigt weiter.

„Was ist da los?“

Andreas drückt das Kind näher an sich.

„Da macht uns jemand Ärger,
wie es scheint.
Weiß der Teufel,
wo der auf einmal herkommt.“

Ihr Verfolger rammt sie erneut,
schiebt sie an.

„Verdammt,
was will der denn?“

„Abschütteln zwecklos,
dem fahren wir mit unserer Kiste nicht davon.
Kannst du erkennen,
wie viele es sind?“

„Nein,
die Scheiben sind zu dunkel.“

„Ich schau mal,
ob ihnen ein paar Kugeln Eindruck machen.“

Auto hinter ihnen stößt sie weiter an,
schiebt sie vor sich her.
Jeanne versucht,
auf der Straße zu bleiben,
Andreas kurbelt das Fenster runter,
streckt die Pistole nach hinten,
von hinten Schüsse,
zieht die Hand sofort wieder zurück,
duckt sich,
drückt das Kind noch näher an sich.

„Die schießen auf uns.“

Jeanne hält ihren Kopf geduckt.

„Ich versuch irgendwo auszuweichen,
wenns geht.
Sieht nicht gut aus.“

Von hinten erneut Schüsse.

Andreas wundert nichts mehr,
erstaunt,
dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Auto hinter ihnen rammt sie heftig,
Jeanne lenkt auf die Gegenspur,
bremst abrupt.
Fahrzeug rechts neben ihnen,
Andreas hebt den Kopf,
die Pistole,
zielt auf das Seitenfenster der anderen,
von dort Schüsse,
eine Kugel durchs offene Fenster,
durch die Windschutzscheibe,
andere Kugel in Andreas Kopf,
er sinkt aufs Armaturenbrett,
das Kind rutscht tief nach vorn,
das andere Auto verlangsamt,
fährt neben ihnen,
Jeanne beschleunigt,
der andere hält mit,
Jeanne steuert den Pick-up an das andere Auto,
sie berühren sich,
Jeanne nimmt die Maschinenpistole,
schießt durch das offene Beifahrerfenster,
das andere Auto löst sich von ihnen,
schlingert rechts von der Straße,
kracht gegen einen Baum,
Jeanne bremst ab,
hält den Pick-up weiter vorn,
braunes Gras neben der Straße,
schaut zum Kind.

„Bist Du okay?“

Das Kind nickt.
Jeanne steigt aus,
geht vorn um das Auto,
öffnet die Beifahrertür,
greift nach Andreas,
zu schwer,
ihn herauszuheben,
zieht an seinem Arm,
er fällt ihr entgegen,
sie fällt beinahe hin,
zieht ihn aus dem Auto,
legt ihn ins Gras,
findet Andreas‘ Pistole im Fußraum,
nimmt sie,
nimmt die Maschinenpistole.

„Bleib hier,
ich schaue nach dem anderen Auto.“

Immer noch sehr heiß.
Jeanne zum anderen Auto,
hält beide Waffen auf das Auto gerichtet,
geborstene Scheiben,
sieht zwei Leichen,
durchlöchert,
wohl sofort tot,
genau wie Andreas.
Das Kind kommt auf sie zu,
geht auf dem braunen Gras,
aus dem zerstörten Fahrzeug Radio,
hört nur Fetzen,
Radio Belgrad,
kein Durchkommen,
Jeanne hört kaum hin,
geht dem Kind entgegen,
nimmt es bei der Hand.

„Hier ist nichts mehr für uns zu tun.
Lass uns weiterfahren.“

Gehen zum Pick-up zurück.

„Würde Andreas gern begraben,
aber wir haben nichts dabei,
um Erde auszuheben.
Ich lege ihn etwas abseits,
Wenigstens das.“

Jeanne beugt sich zu Andreas,
greift unter seine Arme,
flache Böschung,
dahinter ein kahler Baum,
zieht ihn hinter den Baum.
Geht zum Auto zurück,
das Kind auf der Beifahrerseite.

Jeanne fährt los,
das Kind schaut sie an.

Das Kind bin ich.



(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 3

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BELMONTE

Andreas erschrickt,
springt vom Bett auf,
der Mann schlägt ihm die Maschinenpistole gegen die Brust,
Andreas fällt hin,
schlägt Andreas von hinten gegen den Kopf.
Andreas zu Boden,
bleibt bewusstlos liegen.

Der Mann zu Jeanne:

„Mach keinen Ärger,
ich will einfach nur haben,
was er hatte.
Ist doch nicht zu viel verlangt,
oder?“

Öffnet seine Hose,
schlägt Jeanne ins Gesicht,
legt sich auf sie,
dringt in sie.

Jeanne greift neben das Bett,
greift nach einer der Pistolen,
er liegt auf Jeanne,
sie entsichert die Pistole,
schießt ihm in den Kopf.
Er zur Seite,
sie drückt ihn von sich weg,
springt auf,
läuft ins andere Zimmer.
Kind ist weg.
Sie panisch,
rennt durchs Haus,
nach draußen,
ruft nach dem Kind,
sieht das Auto hinterm Haus,
offene Fahrertür,
sieht das Kind in der Mitte sitzen,
weiß nicht,
was sie denken soll.
Andreas taumelt aus dem Haus,
geht zum Auto.

„Was ist passiert?“

„Alles okay.
Der Typ hat dich niedergeschlagen,
dann war das Kind weg.“

„Der Typ liegt drinnen,
ist tot.“

„Hab ihn erschossen.“

„Wo kam der so plötzlich her?“

„Keine Ahnung.“

„Ich war kurz ohnmächtig,
dann der Schuss.“

„Das Kind ist im Auto.
Wir müssen weiter.
Hier ist es nicht sicher.“

„Nirgendwo ist es sicher.“

„Bleib du beim Auto,
ich hol die Sachen.“

Jeanne zurück ins Haus,
nimmt den Rucksack,
die Maschinenpistole,
Ersatzmagazin,
die andere Pistole,
zieht ihre Hose an,
durchsucht den Toten,
findet nichts.
Zurück zum Auto,
Andreas gegen die Tür gelehnt.

„Gib mir die Schlüssel,
lass mich fahren.
Nimm das hier.“

Reicht ihm die Maschinenpistole.

„Weißt du,
wie das funktioniert?
Kann uns vielleicht noch nützlich werden.“

Andreas nimmt die Maschinenpistole,
zielt auf die Bäume,
Auslöser,
nichts passiert,
findet die Sicherung,
versucht es erneut,
feuert,
die Pistole zappelt in seiner Hand,
lässt sie sofort los.

„Ich war immer der Meinung,
diese Dinge sollten verboten werden.
Jetzt sind wir froh,
so was zu haben.“

Steigen ins Auto,
das Kind in der Mitte,
Jeanne startet den Motor,
den Weg zurück,
bald wieder auf die Straße.

Andreas schaut auf das Kind,
auf Jeanne.

„Was jetzt?
Wollen wir irgendwo anders reinfahren?
Vielleicht haben wir mehr Glück.“

Jeanne schweigt,
beschleunigt,
dreht den Kopf zu Andreas.

„Scheint aufs selbe rauszukommen.
Ich denke,
wir sollten versuchen,
so schnell wie möglich weiterzukommen.“

Immer noch brütend heiß.
Umfahren einen Ort,
eingestürzte Kirche,
fahren weiter,
kurz darauf die serbische Grenze.
Jeanne bremst ab,
fährt langsam an die Grenzanlage.
Niemand zu sehen.
Fährt quer an umgestürzten Pylonen vorbei,
über die Grenze,
ausgebrannter Grenzshop,
völlig verlassener Grenzdurchgang.

Keine Seele weit und breit.

„Umso besser.
Wer weiß,
was uns hier erwartet hätte,
vollbewaffnet wie wir sind.“

„Jetzt sind wir zumindest in Serbien.“

Jeanne beschleunigt,
fährt eine Weile.
Schweigen.
Schaut ein Stück geradeaus,
Fahrzeug kommt entgegen,
schwer zu erkennen,
Luft flimmert über dem Asphalt.
Andreas nimmt eine Pistole,
die Maschinenpistole griffbereit.
Fahrzeug kommt näher,
In der heißen Luft kaum zu sehen,
was für ein Auto,
wer drin sitzt,
wie viele.
Sie fahren aneinander vorbei,
Jeanne beschleunigt,
Stoß von hinten,
Andreas dreht sich um,
großes Geländefahrzeug hinter ihnen,
rammt sie,
ganz vergessen,
nach hinten zu schauen,
als das andere Auto entgegenkam.
Jeanne beschleunigt weiter.

„Was ist da los?“

Andreas drückt das Kind näher an sich.

„Da macht uns jemand Ärger,
wie es scheint.
Weiß der Teufel,
wo der auf einmal herkommt.“

Ihr Verfolger rammt sie erneut,
schiebt sie an.

„Verdammt,
was will der denn?“

„Abschütteln zwecklos,
dem fahren wir mit unserer Kiste nicht davon.
Kannst du erkennen,
wie viele es sind?“

„Nein,
die Scheiben sind zu dunkel.“

„Ich schau mal,
ob ihnen ein paar Kugeln Eindruck machen.“

Auto hinter ihnen stößt sie weiter an,
schiebt sie vor sich her.
Jeanne versucht,
auf der Straße zu bleiben,
Andreas kurbelt das Fenster runter,
streckt die Pistole nach hinten,
von hinten Schüsse,
zieht die Hand sofort wieder zurück,
duckt sich,
drückt das Kind noch näher an sich.

„Die schießen auf uns.“

Jeanne hält ihren Kopf geduckt.

„Ich versuch irgendwo auszuweichen,
wenns geht.
Sieht nicht gut aus.“

Von hinten erneut Schüsse.

Andreas wundert nichts mehr,
erstaunt,
dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Auto hinter ihnen rammt sie heftig,
Jeanne lenkt auf die Gegenspur,
bremst abrupt.
Fahrzeug rechts neben ihnen,
Andreas hebt den Kopf,
die Pistole,
zielt auf das Seitenfenster der anderen,
von dort Schüsse,
eine Kugel durchs offene Fenster,
durch die Windschutzscheibe,
andere Kugel in Andreas Kopf,
er sinkt aufs Armaturenbrett,
das Kind rutscht tief nach vorn,
das andere Auto verlangsamt,
fährt neben ihnen,
Jeanne beschleunigt,
der andere hält mit,
Jeanne steuert den Pick-up an das andere Auto,
sie berühren sich,
Jeanne nimmt die Maschinenpistole,
schießt durch das offene Beifahrerfenster,
das andere Auto löst sich von ihnen,
schlingert rechts von der Straße,
kracht gegen einen Baum,
Jeanne bremst ab,
hält den Pick-up weiter vorn,
braunes Gras neben der Straße,
schaut zum Kind.

„Bist Du okay?“

Das Kind nickt.
Jeanne steigt aus,
geht vorn um das Auto,
öffnet die Beifahrertür,
greift nach Andreas,
zu schwer,
ihn herauszuheben,
zieht an seinem Arm,
er fällt ihr entgegen,
sie fällt beinahe hin,
zieht ihn aus dem Auto,
legt ihn ins Gras,
findet Andreas‘ Pistole im Fußraum,
nimmt sie,
nimmt die Maschinenpistole.

„Bleib hier,
ich schaue nach dem anderen Auto.“

Immer noch sehr heiß.
Jeanne zum anderen Auto,
hält beide Waffen auf das Auto gerichtet,
geborstene Scheiben,
sieht zwei Leichen,
durchlöchert,
wohl sofort tot,
genau wie Andreas.
Das Kind kommt auf sie zu,
geht auf dem braunen Gras,
aus dem zerstörten Fahrzeug Radio,
hört nur Fetzen,
Radio Belgrad,
kein Durchkommen,
Jeanne hört kaum hin,
geht dem Kind entgegen,
nimmt es bei der Hand.

„Hier ist nichts mehr für uns zu tun.
Lass uns weiterfahren.“

Gehen zum Pick-up zurück.

„Würde Andreas gern begraben,
aber wir haben nichts dabei,
um Erde auszuheben.
Ich lege ihn etwas abseits,
Wenigstens das.“

Jeanne beugt sich zu Andreas,
greift unter seine Arme,
flache Böschung,
dahinter ein kahler Baum,
zieht ihn hinter den Baum.
Geht zum Auto zurück,
das Kind auf der Beifahrerseite.

Jeanne fährt los,
das Kind schaut sie an.

Das Kind bin ich.

(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 2

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BELMONTE

Fabiu stößt die Tür mit einem Schlag auf,
wirft den anderen zurück,
langt hinter sich,
greift eine Pistole,
wirft sich nach draußen auf den Boden,
schießt auf den anderen,
der krümmt sich,
stöhnt auf.

Der Erste gibt mehrere Schüsse auf Fabiu ab,
trifft mehrmals seinen Kopf.
Fabiu sinkt in sich zusammen,
bleibt liegen.
Andreas tritt auf das Gaspedal,
fährt mit einem Ruck durch die Schranke,
Beifahrertür schlägt von der Beschleunigung zu.
Schreit:

„Köpfe runter!“

Von hinten mehrere Kugeln.
Das Kind drückt sich an Jeannes Seite,
Jeanne beugt sich nach vorn,
Andreas jagt den Pick-up voran.

„Was sollte das denn?
Was hat Fabiu sich dabei gedacht?
Aussteigen und einfach alle übern Haufen schießen?
Nur weil dem einen sein Gesicht nicht gefiel?“

„Er ist wohl einfach ausgetickt.“

„Wer weiß,
wo die noch überall Leute stehen haben,
wen die jetzt alles benachrichtigen.
Noch so ne Straßensperre,
und die wissen,
dass wir kommen,
dann sind wir geliefert.“

„Vielleicht sollten wir eine andere Straße fahren.“

„Ich bin diese Straße so oft gefahren.
Es gibt noch die Schnellstraße,
aber da schaffen wir es noch viel weniger.
Sehr weit sind wir jedenfalls noch nicht gekommen.“

Andreas beschleunigt den Pick-up,
so schnell es geht,
hält ihn mit Ach und Krach auf der Straße,
in den Kurven.
Kein Mensch weit und breit.

„Die Straße wird sicher nochmal gesperrt sein.
Vielleicht sollten wir etwas langsamer fahren,
oder uns für ein paar Stunden in die Büsche schlagen.“

„Du hast recht.
Wenn sie uns verfolgen,
werden sie bald aufgeben.
Es sind schon genug Monster unterwegs.“

„Schau mal,
zwischen den Bäumen,
der Weg da vorne.“

Andreas bremst,
biegt ab,
ungepflasterter Weg,
fährt langsam,
über ihnen entlaubte Bäume,
weicht Schlaglöchern aus.

Fahren eine Weile.
Der Weg endet vor einem offenen Tor,
dahinter ein Bungalow zu erkennen,
überall entlaubte Bäume,
das Haus grau,
früher vielleicht mal weiß.
Fahren durch das Tor,
Andreas bremst ein paar Meter vor dem Haus.

„Was denkst du?
Sollen wir hierbleiben?“

„Keine Ahnung.
Lass mal schauen,
ob jemand hier ist.“

Andreas wendet den Pick-up,
stellt den Motor ab,
langt hinter sich,
greift zwei Pistolen,
reicht Jeanne eine davon.

„Lass mich zuerst schauen.
Bleib du beim Kind.“

Sie nimmt das Kind,
hebt es auf Andreas Seite,
öffnet die Beifahrertür
steigt aus.

Jeanne kommt aus Paris,
paar Jahre in Leipzig,
Grundschullehrerin.
Ständig wechselnde Partner,
Scheiß auf Beziehungen,
Zukunft sowieso desolat,
leben okay,
aber nicht für irgendwas,
oder jemanden.
Einzig Kinder reißen sie raus,
sie weiß nicht warum,
Mütterlichkeit jedenfalls nicht,
Mitleid auch nicht.
Sie tritt zur Haustür,
öffnet sie,
ohne zu klopfen,
tritt ins Haus,
läuft schnell,
richtet die Pistole nach allen Seiten,
in den angrenzenden Raum,
kleine Küche,
weiterer Raum.

Das Haus kleiner,
als es von außen den Anschein hat,
wenige Möbel,
alles etwas unordentlich,
nicht sehr sauber,
aber nicht verwahrlost.

Niemand da.
Zurück in die Küche,
am wenigen Geschirr nicht erkennen,
wann zuletzt jemand hier war.
Öffnet den Wasserhahn,
kein Wasser.
In einem Schrank alte Konserven,
Büchsenfleisch,
ein paar leere Flaschen,
sonst nichts.

Nochmal in das dritte Zimmer,
zwei Holzbetten,
unbezogene Matratzen.
Die Luft abgestanden,
genauso heiß wie draußen,
keine Abkühlung.

Nach draußen,
zurück zum Auto.

Zu Andreas:

„Keiner da,
kein Lebenszeichen.
Schau selbst.
Wer immer hier war,
ich weiß nicht,
wie lange der oder die schon weg sind.“

„Wir können ein bisschen hierbleiben.
Werden schon aufpassen,
wenn jemand kommt.“

„Fahr das Auto am besten hinters Haus,
falls jemand kommt,
dass ers nicht sofort sieht.“

Jeanne nimmt das Kind auf den Arm,
zurück ins Haus,
öffnet ein paar Fenster,
setzt das Kind auf den Boden.
Andreas kommt rein,
Pistole in der Hand,
Rucksack in der anderen,
schaut sich um,
nimmt eine Flasche Wasser aus dem Rucksack.
Alle trinken nacheinander.
Andreas gibt dem Kind das Wasser,
hilft ihm.

„Tut mir leid,
dass es Fabiu erwischt hat.“

„Tut mir auch leid.“

„Und jetzt?“

„Und jetzt was?“

„Was machen wir jetzt?“

„Jetzt warten wirn paar Stunden,
dann gehts weiter.“

„Können die Nacht über hierbleiben.“

„Weiß nicht.
Heute Abend weiterfahren,
wohl keine gute Idee.“

Schweigen.
Kind schaut sie an.
Andreas setzt sich neben das Kind,
nimmt Zwieback aus dem Rucksack,
getrocknetes Obst,
gibt dem Kind davon,
isst selbst etwas.
Steht auf,
schaut in die anderen Zimmer
kommt zurück,
packt die Konserven,
die Jeanne gefunden hat,
in den Rucksack.

„Ziemlich trostlos hier.“

„Überall trostlos,
würde ich sagen.“

„Lass uns rübergehen,
ich hab im anderen Zimmer zwei Betten gesehen.

Jetzt,
dass Fabiu nicht mehr da ist,
wer weiß,
wann wir wieder dazu kommen.“

Gehen in das Zimmer mit den Betten,
legen die Pistolen neben eines der Betten,
Andreas schiebt seine Hose runter,
greift nach Jeanne,
sie greift nach ihm,
zieht ihre Hose aus,
legen sich hin,
sie spürt ihn,
gefällt ihr,
geht schnell,
gefällt ihm auch.

Schweigen eine Weile,
liegen nebeneinander.
Ein Mann im Trainingsanzug tritt ein,
umgehängte Maschinenpistole.

„Schön habt ihrs hier,
würde gern dabei sein.
Macht euch sicher nichts aus.“

Weiter zu Teil 3

(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 1

BELMONTE

Andreas Kiercher, Jeanne Josquin-Brenet, Fabiu Petrescu und ein Kind

Bloß raus aus Timisoara.
Der Pick-up fast Schrott.
Damit kommen sie niemals an.

Allen ist klar,
dass es Probleme geben wird.

Überqueren die Bahngleise.

Jeanne zu Andreas:

„Bin gespannt,
wie weit wir mit dieser Kiste kommen.“

Andreas nimmt eine Ausfahrt,
verlässt die Schnellstraße,
blickt nervös hin und her.

„Nicht das Auto,
was das Problem ist,
sondern die Milizen,
die sich überall rumtreiben.
Schau mal da drüben.“

Zeigt nach der anderen Straßenseite.
Hängen drei Leichen an einer Baumgruppe.

„Die zerren uns einfach aus dem Auto,
hängen uns genauso an die Bäume.“

„Vorher schieß ich einige übern Haufen,
wirst schon sehen.“

„Rede nicht so viel.
Fahr einfach.“

Die Sonne durch die Windschutzscheibe.
Straße flimmert.
Farbloser Himmel.
Stinkt immer noch nach Schwefel.

Schüsse von der Seite.
Knattern von Maschinenpistolen.

„Duckt Euch!“

„Pass auf das Kind auf.“

Jeanne beugt sich über das Kind,
zwischen ihr und Fabiu eingeklemmt,
gehen in Deckung,
beugen sich zur Seite,
nach unten,
so gut es geht.
Wieder das Knattern.

Kugeln schlagen auf der Fahrertür auf.

„Fahr weiter,
sind ja völlig irrsinnig hier.“

„Glaubt ihr wirklich,
dass wirs schaffen,
wenn diese Ballerei jetzt schon losgeht?“

Fahren an verbrannten Fabriken und Werkhallen vorbei,
Häuserruinen,
eine Kirche,
Turm eingestürzt.
Am Straßenrand liegengebliebene Autos,
zurückgelassen,
Schrott,
genau wie ihr Pick-up.
Fährt wenigstens noch.
Wer weiß,
wie lange.

Nirgendwo jemand zu Fuß unterwegs.
Zu gefährlich,
hier rumzulaufen.
Hitze kaum zu ertragen.

Lange Straße geradeaus,
Bungalows auf beiden Seiten,
kahle Bäume.
Wieder Knattern von Maschinenpistolen,
von irgendwoher.

Fabiu in den vergangenen Jahren als Bauzeichner,
dann als Architekt in Bukarest gearbeitet.
Seine Eltern und Schwester seit Monaten nicht gesehen,
kein Kontakt,
weiß nicht,
wo sie sind,
ob überhaupt noch am Leben.

Sehnt sich nach seiner Schwester,
die nach Berlin wollte.
Wer weiß,
ob sie je angekommen ist.

Fabiu hatte als Kind immer Angst,
wenn es Nacht wurde.
Auch später noch.
Immer musste jemand bei ihm sein,
seine Mutter,
seine Schwester,
bis er einschlief.

Ging irgendwann vorbei,
aber seit ein paar Monaten ist die Angst wieder da,
den ganzen Tag nervös,
scheut den Gedanken an Dämmerung und Nacht,
niemand bei ihm.

Am helllichten Tag bricht ihm der Schweiß aus,
wenn er an die Nacht denkt.
Fürchtet sich vor der Nacht.
Gibt allen Grund,
sich zu fürchten.

Jetzt sitzt das Kind neben ihm,
müssen es nach Sarajevo bringen.
Kind sitzt ganz ruhig.

Fahren eine langgezogene Kurve.
Vor ihnen Rauch.
Fahren weiter.
Dichter Qualm.
Etwas langsamer.
Am Straßenrand ein umgekippter Tanklaster,
Tankbehälter fast vollständig vom Qualm umhüllt,
Zugmaschine komplett ausgebrannt,
kein Mensch zu sehen.

Andreas fährt den Pick-up am brennenden Wrack vorbei,
vorsichtig,
beschleunigt etwas.

Schaut auf das Kind.
Die Luft stinkt abscheulich,
Schwer zu atmen.
Kind sitzt zwischen Fabiu und Jeanne,
schläft,
Kopf an Fabius Arm gelehnt.

Irgendwas fängt an zu leuchten,
als wärs das Kind.

Der Tanklaster hinter ihnen explodiert,
Explosion so stark,
wirft den Pick-up mit einem Satz nach vorn,
zur Seite,
Andreas lenkt gegen,
stabilisiert das Fahrzeug.

„Pass auf,
dass du nicht von der Straße abkommst.“

„Tu ich ja,
ich versuchs.“

„Was war denn das?“

„Tankfahrzeug,
lag am Straßenrand,
ist einfach explodiert.
Waren schon vorbei zum Glück.“

„Hier ist alles kaputt.
Bald gibts hier nichts mehr.“

„Straße ist noch ganz gut befahrbar.“

„Freu dich nicht zu früh.
Schaut mal da.“

„Was ist da los?“

„Kontrollstelle.“

„Was schlagt ihr vor?
Anhalten oder beschleunigen und durchrasen?“

„Zu gefährlich.
Was ist,
wenn sie Reifenstopper ausgelegt haben,
dann können wir alles vergessen.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Mann in Tarnkleidung hebt die Hand,
ein anderer neben ihm.
Andreas lässt das Auto ausrollen.

„Jetzt alle ganz ruhig.
Pistolen hinter den Sitz.
Lasst mich reden.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Ein dritter Mann tritt aus einem Holzverschlag,
kommt dazu,
dunkle Tarnjacke.
Andreas bremst vor der Schranke.

Der die Hand gehoben hat,
zu Andreas:

„Was wollt ihr hier?“

„Wir fahren nach Sarajevo.“

„Warum wollt ihr da hin?“

„Treffen dort jemanden.“

„Habt euch die unpassendste Zeit ausgesucht,
nach Sarajevo zu fahren.
Werdet ihr nie ankommen.
Würde euch am liebsten zurückschicken.“

Kurze Pause,
schaut in die Richtung,
aus der sie gekommen sind,
schaut das Kind an.

„Ist das euer Kind?“

Schweigen.

Jeanne schaut ihn an.

„Ich bin die Mutter.“

Andreas nervös.

„Wir bringen sie mit dem Kind nach Sarajevo.“

Der Mann schaut wieder in die rückwärtige Richtung,
unschlüssig.
Der Andere aus der Holzhütte:

„Gibt es ein Problem?“

„Sie sagen,
sie wollen nach Sarajevo.
Haben ein Kind bei sich.
Die Frau sagt,
sie ist die Mutter.“

Der andere beugt sich zu Andreas.

„Was war das für eine Explosion?“

Andreas immer noch nervös.

„Ein Tanklaster.
Lag brennend am Straßenrand.
Heftige Explosion,
als wir vorbei waren.“

„Wer ist der da drüben?“

Zeigt auf Fabiu.

Fabiu schaut nach vorn,
regt sich nicht.

„Bist du taub?“

„Er ist ein Kollege von mir.“

„Ein Kollege,
ja?“

„Ja.“

„Okay,
ein Kollege also.
Aber er gefällt mir nicht,
Dein Kollege.
Du,
Kollege,
kannst du mich hören?“

Geht um das Auto.
Zum Anderen:

„Der da rechts im Auto,
soll rauskommen.“

Der Andere:

„Was ist mit ihm?“

„Gefällt mir nicht.“

Nimmt seine Pistole,
stellt sich abseits auf,
zielt auf Fabiu.

„Du,
der du nicht hören kannst,
steig aus,
mach keine Faxen.“

Tritt näher an die Beifahrertür.

„Ich hoffe,
du kannst mich hören.“

Fabiu schaut immer noch nach vorne,
völlig reglos,
als hört er nicht zu.
Öffnet die Beifahrertür,
drückt sie langsam auf,
setzt einen Fuß nach draußen.

Der Andere:

„Ganz langsam,
schön ruhig,
beide Hände sichtbar.
Ich sagte,
beide Hände sichtbar.“

Jetzt alles ganz schnell.

Weiter zu Teil 2

(c) belmonte 2021

Nähern uns dem Zielgebiet

Kannst Du was sehen?͏

Ich sehe überhaupt nichts.
Gib mir das Sichtgerät.

͏Nein.

͏Ich dachte,
da wär was.

͏Dachte ich auch.

͏Alles matschig hier.

͏Scheiße.

͏Was ist los?

͏Bin in ein Loch getreten.

͏Komm her.

͏Geht nicht,
bekomm mein Bein nicht raus.

͏

In meinem Artikel in der Freitag-Community schreibe ich darüber, wie der digitale Text vertikal wird und das Konzept der Seite überwindet.

https://www.freitag.de/autoren/belmonte/naehern-uns-dem-zielgebiet

Wasserrohrbruch

belmonte

Wasserrohrbruch

In meinem Haus gab es einen Wasserrohrbruch
Zuerst ging mir das Wasser nur bis an die Knöchel
Dann stieg es bis über die Knie

Ich sah alle meine handschriftlichen Texte der vergangenen zwanzig Jahre durch das Zimmer schwimmen

Auf einmal wurde die Zimmertür geöffnet und alle Zettel wurden durch die Tür gesogen und davon gespült

Das Wasser stieg noch weiter
Zuletzt wurde auch ich davon gespült
Und wachte nie mehr davon auf

(c) belmonte 2021

Der Erste Belmontiner in zwei Beispielen

In Vorbereitung zu meinem Kamina-Online-Workshop über Metrik am 22. Januar 2021 stelle ich hier an zwei Beispielen den Ersten Belmontiner vor, eine Strophen- und Liedform, die ich vor ein paar Jahren während der Arbeit an meinem Versepos Junas Lob entwickelt habe.

1.

erblendete das morgenlicht mein schauen
nach aufgewühlter nachtin
erhebt die sonne sich gewohnter pracht in

schon bin ich wieder in mich selbst gedrungen
wo sich nichts rührt das mich vermochte zu bewahrn
weiß ich zurück zu schauen auf die zeiten jungen
wie hat seit hin mein bild sich von mir selbst zerfahrn

wann zähl nich mer nach tagen sondern jahren
kein schlaf wird meiner wacht in
der ích schon längst vergessen hab was je gedachtin

2.

nam klirrend starres kalt mich in beschlac
verdeckte meine sinne
ich wurde außerhalben nich mer inne

dem sinn auf anbeginnen abgeschworen
erfroren waren als was bitterer klang
vor zeiten mir in dunkel die amoren
wärs nichts gewesen als ein früher hang

zur neige alles große einst enfangen
auf erden sein bin ich nich mer gewinn
kommt alles darauf zu dass ich zu ende bin

Der Erste Belmontiner ist eine Ballata-Form mit 3-versiger Ripresa (A B B), 4-versiger Stanze (C D C D) und abschließender Ripresa (D B B).

Die Schöpfung von Lied- und Strophenformen und deren Variationen wird nach meinem Dafürhalten von der zeitgenössischen Dichtung leider sehr vernachlässigt. Dabei lässt sich hier sogar eine Art Metakreativität erreichen.

Allerdings werden Strophenformen nicht wirklich neu erschaffen, sondern vielmehr entdeckt, zumindest wiederentdeckt und im besten Falle aus dem vorhandenen, historischen und aktuellen Sprachmaterial wie aus Wasser geschöpft oder aus Stein herausgemeißelt.

Die beiden Lieder erblendete das morgenlicht mein schauen und nam klirrend starres kalt mich in beschlac finden sich im Kapitel Junas Bitternis im Versepos Junas Lob, Brot & Kunst Verlag, Neustadt/Weinstraße 2018.

(c) belmonte 2020

Anna reider is tot

Anna reider is tot – 1-3

belmonte

Anna reider is tot

1

Anna reider is tot
Wer pur hände rout

Kan messer gefunnan
Verlorener hout

Issa mina tabbel
Des tei mista rot

Wes tei mista rot
Wan annare tot

2

Ene hat si gemurda
kanna fei ista ruh

wo bin i da weasen
da bei issa ruh

kanna hie scho gebluote
so ruot mis ta ruh

min kopf is davu
wan is iner ruh

3

Was man issa hat sie
Geschlagener tot

Nu issi gefahrena
Auf inna rout

Wann schlimma no fand i
Na annare tot

Wann schlimma no wa
Annara not

Anna reider is tot - 3-7

Anna reider is tot – 3-7

4

Issa ke issa ka
Ama de issa ruh

Famiss tu die fuhlisch
Famiss tu die ruh

Kamm an nochma hera
A hera zu mir

Zu mir kumma nä
Famiss tu di ruh

5

Vun anna hat niaman
Vun niamanna hört

Un ihn ats gefuamet
Un weidin da fürt

And suach anna fu
Anna fuasacha ruh

Sei kumma wohin
Wan kummanna fou

6

Is langa na her
Dassi anna gefoun

Nu ha sich nich annare
Annere wou

Ine hab anna hera
Zu innare ruh

Wer mochta sie seh
Wassi wa issi nu

klischée – Zeitschrift für Gegenwartsliteratur

7

Mach auf inna ebe
Was annere wär

Ine hab is geschwunde
Um hals inna her

Was anna ma wode
Was ine mal ser

Sies kumma wohin
Anna reider is tot

(c) belmonte 2020

Ursprünglich erschienen in Ausgabe 5 der klischée – Zeitschrift für Gegenwartsliteratur.

Siehe auch Zur Enstehung des Liedes „Anna reider is tot“.

Des dunklen Lichtes voll (Online-Lesung zum Hölderlin-Jubiläum)

belmonte

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin haben Heidelberger Dichterinnen und Dichter am 20. März 2020 selbstgeschriebene Texte zu Friedrich Hölderlin oder Hölderlin-Neudichtungen im Youtube-Livestream gelesen.

Wer unsere Hölderlin-Online-Lesung verpasst hat, kann hier die Aufzeichnung – heute am Welttag der Poesie und auch weiterhin – nochmal anschauen:

Die ursprünglich für den Musikfrachter BTHVN2020 geplante und wie alle Veranstaltungen wegen der Coronaviruskrise abgesagte Lesung haben wir kurzerhand online veranstaltet. Mein Dank geht vor allem an Michaela Vogl für ihre wunderbare Moderation.

Unsere Hölderlin-Online-Lesung wurde sogar im UNESCO Creative Cities Network angezeigt. Siehe hier …

Danke an das Kulturamt Heidelberg für die Vernetzung. Ich lehne mich jetzt ein wenig zurück und schaue mir die Beiträge der anderen Cities an.

ein schrat im wald

belmonte

ein schrat im wald
schrat
schrat
hatte sich die vollmacht
über eine farbe erbeten

er wählte sich rot
schrat
schrat
und rot wurd ihm gegeben
wie zum lehen

eifersüchtig hütete er seine farbe
schrat
schrat
wie wertvolles geschmeide
vor fremden blicken

wann immer zum abend
schrat
schrat
der himmel rot leuchtete
sofort war es dunkel

(c) belmonte 2019

Zur Entstehung des Liedes „Anna reider is tot“

belmonte

Mein Lied Anna reider is tot ist Ergebnis einer Simulation von Deep Learning. Ich habe mein Gehirn mit einem initialen Text gefüllt und dann iteriert und die Gewichtungen immer weiter verfeinert.

Tatsächlich versuche ich, Deep Learning bewusst zu simulieren, und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es tatsächlich eine Simulation oder ob es nicht vielmehr bewusst gemachtes Denken ist.

In der Tat finde ich es sehr spannend, mir selbst beim Denken zuzuschauen, selbst gleichzeitig Subjekt und Objekt zu sein, den Denkprozess wie eine Muskelbewegung zu beobachten, während ich diese Bewegung selbst ansteuere. Das genau ist es, was mir an künstlicher Intelligenz gefällt, nämlich mich selbst zu erkennen, zu erkennen, was der Mensch ist, was das spezifisch Menschliche ist.

Das unten verlinkte Video Neural Network 3D Simulation zeigt diesen Prozess auf anschauliche Weise.

(c) belmonte 2019

Warum es neben mir so unheimlich nach Schweiß roch

belmonte

In der S-Bahn nach Haßloch saßen zwei Männer neben mir und mir gegenüber, die unheimlich nach Schweiß rochen. Sie wirkten nicht sonderlich ungewaschen, aber es fiel mir schwer zu atmen. Ich sah, wie sie aus ihren Rucksäcken Flaschen herausnahmen, und als sie daraus tranken, überschwemmte mich ein noch schlimmerer Schweißgeruch. Ich schaute auf die Etiketten der Flaschen und erschrak, als ich „Bioschweiß“ las. Ich weiß schon, warum ich diese neuen Designergetränke nicht ausstehen kann.

(c) belmonte 2019

Warum der Anblick im Reisebus aus Bilbao so grauenvoll war

belmonte

Gestern kam ein Reisebus aus Bilbao an. Normalerweise haben die Busse nur kurzen Aufenthalt, Leute raus, neue Leute rein und wieder los. Aber er blieb dort einfach mit geschlossenen Türen stehen. Die nachfolgenden Busse fingen schon an zu hupen. Irgendwann kam ein Aufseher und dann die Polizei, und als im Bus niemand reagierte, brachen sie die Tür auf und waren entsetzt über das, was sie sahen. Der Bus war vollbesetzt mit Leuten, denen allen der Kopf fehlte. Es war ein grauenvoller Anblick. Auch der Busfahrer war kopflos, und nirgendwo war irgendeiner der Köpfe zu finden. Warum ich das hier schreibe? Es ist diese Meldung wert, weil solche Dinge ja nicht alle Tage vorkommen.

(c) belmonte 2019

Was meine Großtante unter ihrem Rock trug

belmonte

Meine Großtante trug immer sehr lange und schwere Röcke, die mich an Vorhänge aus den 50er Jahren erinnerten. Sie hatte meistens einen etwas muffigen Geruch an sich, und alle waren froh, wenn sie wieder fort war. Einmal versteckte ich mich unterm Esstisch, als sie uns besuchen kam, und als sie sich zu Tisch setzte und ihren Rock ein wenig hochzog, konnte ich eine ausgestopfte Bisamratte sehen, die mit Paketklebeband an ihrer Wade befestigt war. Meine Großtante war ansonsten immer sehr freundlich zu uns Kindern.

(c) belmonte 2019