Unterwegs nach Sarajevo

BELMONTE

Andreas Kiercher, Jeanne Josquin-Brenet, Fabiu Petrescu und ein Kind

Bloß raus aus Timisoara.
Der Pick-up fast Schrott.
Damit kommen sie niemals an.

Allen ist klar,
dass es Probleme geben wird.

Überqueren die Bahngleise.

Jeanne zu Andreas:

„Bin gespannt,
wie weit wir mit dieser Kiste kommen.“

Andreas nimmt eine Ausfahrt,
verlässt die Schnellstraße,
blickt nervös hin und her.

„Nicht das Auto,
was das Problem ist,
sondern die Milizen,
die sich überall rumtreiben.
Schau mal da drüben.“

Zeigt nach der anderen Straßenseite.
Hängen drei Leichen an einer Baumgruppe.

„Die zerren uns einfach aus dem Auto,
hängen uns genauso an die Bäume.“

„Vorher schieß ich einige übern Haufen,
wirst schon sehen.“

„Rede nicht so viel.
Fahr einfach.“

Die Sonne durch die Windschutzscheibe.
Straße flimmert.
Farbloser Himmel.
Stinkt immer noch nach Schwefel.

Schüsse von der Seite.
Knattern von Maschinenpistolen.

„Duckt Euch!“

„Pass auf das Kind auf.“

Jeanne beugt sich über das Kind,
zwischen ihr und Fabiu eingeklemmt,
gehen in Deckung,
beugen sich zur Seite,
nach unten,
so gut es geht.
Wieder das Knattern.

Kugeln schlagen auf der Fahrertür auf.

„Fahr weiter,
sind ja völlig irrsinnig hier.“

„Glaubt ihr wirklich,
dass wirs schaffen,
wenn diese Ballerei jetzt schon losgeht?“

Fahren an verbrannten Fabriken und Werkhallen vorbei,
Häuserruinen,
eine Kirche,
Turm eingestürzt.
Am Straßenrand liegengebliebene Autos,
zurückgelassen,
Schrott,
genau wie ihr Pick-up.
Fährt wenigstens noch.
Wer weiß,
wie lange.

Nirgendwo jemand zu Fuß unterwegs.
Zu gefährlich,
hier rumzulaufen.
Hitze kaum zu ertragen.

Lange Straße geradeaus,
Bungalows auf beiden Seiten,
kahle Bäume.
Wieder Knattern von Maschinenpistolen,
von irgendwoher.

Fabiu in den vergangenen Jahren als Bauzeichner,
dann als Architekt in Bukarest gearbeitet.
Seine Eltern und Schwester seit Monaten nicht gesehen,
kein Kontakt,
weiß nicht,
wo sie sind,
ob überhaupt noch am Leben.

Sehnt sich nach seiner Schwester,
die nach Berlin wollte.
Wer weiß,
ob sie je angekommen ist.

Fabiu hatte als Kind immer Angst,
wenn es Nacht wurde.
Auch später noch.
Immer musste jemand bei ihm sein,
seine Mutter,
seine Schwester,
bis er einschlief.

Ging irgendwann vorbei,
aber seit ein paar Monaten ist die Angst wieder da,
den ganzen Tag nervös,
scheut den Gedanken an Dämmerung und Nacht,
niemand bei ihm.

Am helllichten Tag bricht ihm der Schweiß aus,
wenn er an die Nacht denkt.
Fürchtet sich vor der Nacht.
Gibt allen Grund,
sich zu fürchten.

Jetzt sitzt das Kind neben ihm,
müssen es nach Sarajevo bringen.
Kind sitzt ganz ruhig.

Fahren eine langgezogene Kurve.
Vor ihnen Rauch.
Fahren weiter.
Dichter Qualm.
Etwas langsamer.
Am Straßenrand ein umgekippter Tanklaster,
Tankbehälter fast vollständig vom Qualm umhüllt,
Zugmaschine komplett ausgebrannt,
kein Mensch zu sehen.

Andreas fährt den Pick-up am brennenden Wrack vorbei,
vorsichtig,
beschleunigt etwas.

Schaut auf das Kind.
Die Luft stinkt abscheulich,
Schwer zu atmen.
Kind sitzt zwischen Fabiu und Jeanne,
schläft,
Kopf an Fabius Arm gelehnt.

Irgendwas fängt an zu leuchten,
als wärs das Kind.

Der Tanklaster hinter ihnen explodiert,
Explosion so stark,
wirft den Pick-up mit einem Satz nach vorn,
zur Seite,
Andreas lenkt gegen,
stabilisiert das Fahrzeug.

„Pass auf,
dass du nicht von der Straße abkommst.“

„Tu ich ja,
ich versuchs.“

„Was war denn das?“

„Tankfahrzeug,
lag am Straßenrand,
ist einfach explodiert.
Waren schon vorbei zum Glück.“

„Hier ist alles kaputt.
Bald gibts hier nichts mehr.“

„Straße ist noch ganz gut befahrbar.“

„Freu dich nicht zu früh.
Schaut mal da.“

„Was ist da los?“

„Kontrollstelle.“

„Was schlagt ihr vor?
Anhalten oder beschleunigen und durchrasen?“

„Zu gefährlich.
Was ist,
wenn sie Reifenstopper ausgelegt haben,
dann können wir alles vergessen.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Mann in Tarnkleidung hebt die Hand,
ein anderer neben ihm.
Andreas lässt das Auto ausrollen.

„Jetzt alle ganz ruhig.
Pistolen hinter den Sitz.
Lasst mich reden.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Ein dritter Mann tritt aus einem Holzverschlag,
kommt dazu,
dunkle Tarnjacke.
Andreas bremst vor der Schranke.

Der die Hand gehoben hat,
zu Andreas:

„Was wollt ihr hier?“

„Wir fahren nach Sarajevo.“

„Warum wollt ihr da hin?“

„Treffen dort jemanden.“

„Habt euch die unpassendste Zeit ausgesucht,
nach Sarajevo zu fahren.
Werdet ihr nie ankommen.
Würde euch am liebsten zurückschicken.“

Kurze Pause,
schaut in die Richtung,
aus der sie gekommen sind,
schaut das Kind an.

„Ist das euer Kind?“

Schweigen.

Jeanne schaut ihn an.

„Ich bin die Mutter.“

Andreas nervös.

„Wir bringen sie mit dem Kind nach Sarajevo.“

Der Mann schaut wieder in die rückwärtige Richtung,
unschlüssig.
Der Andere aus der Holzhütte:

„Gibt es ein Problem?“

„Sie sagen,
sie wollen nach Sarajevo.
Haben ein Kind bei sich.
Die Frau sagt,
sie ist die Mutter.“

Der andere beugt sich zu Andreas.

„Was war das für eine Explosion?“

Andreas immer noch nervös.

„Ein Tanklaster.
Lag brennend am Straßenrand.
Heftige Explosion,
als wir vorbei waren.“

„Wer ist der da drüben?“

Zeigt auf Fabiu.

Fabiu schaut nach vorn,
regt sich nicht.

„Bist du taub?“

„Er ist ein Kollege von mir.“

„Ein Kollege,
ja?“

„Ja.“

„Okay,
ein Kollege also.
Aber er gefällt mir nicht,
Dein Kollege.
Du,
Kollege,
kannst du mich hören?“

Geht um das Auto.
Zum Anderen:

„Der da rechts im Auto,
soll rauskommen.“

Der Andere:

„Was ist mit ihm?“

„Gefällt mir nicht.“

Nimmt seine Pistole,
stellt sich abseits auf,
zielt auf Fabiu.

„Du,
der du nicht hören kannst,
steig aus,
mach keine Faxen.“

Tritt näher an die Beifahrertür.

„Ich hoffe,
du kannst mich hören.“

Fabiu schaut immer noch nach vorne,
völlig reglos,
als hört er nicht zu.
Öffnet die Beifahrertür,
drückt sie langsam auf,
setzt einen Fuß nach draußen.

Der Andere:

„Ganz langsam,
schön ruhig,
beide Hände sichtbar.
Ich sagte,
beide Hände sichtbar.“

Jetzt alles ganz schnell.

Fabiu stößt die Tür mit einem Schlag auf,
wirft den anderen zurück,
langt hinter sich,
greift eine Pistole,
wirft sich nach draußen auf den Boden,
schießt auf den anderen,
der krümmt sich,
stöhnt auf.

Der Erste gibt mehrere Schüsse auf Fabiu ab,
trifft mehrmals seinen Kopf.
Fabiu sinkt in sich zusammen,
bleibt liegen.
Andreas tritt auf das Gaspedal,
fährt mit einem Ruck durch die Schranke,
Beifahrertür schlägt von der Beschleunigung zu.
Schreit:

„Köpfe runter!“

Von hinten mehrere Kugeln.
Das Kind drückt sich an Jeannes Seite,
Jeanne beugt sich nach vorn,
Andreas jagt den Pick-up voran.

„Was sollte das denn?
Was hat Fabiu sich dabei gedacht?
Aussteigen und einfach alle übern Haufen schießen?
Nur weil dem einen sein Gesicht nicht gefiel?“

„Er ist wohl einfach ausgetickt.“

„Wer weiß,
wo die noch überall Leute stehen haben,
wen die jetzt alles benachrichtigen.
Noch so ne Straßensperre,
und die wissen,
dass wir kommen,
dann sind wir geliefert.“

„Vielleicht sollten wir eine andere Straße fahren.“

„Ich bin diese Straße so oft gefahren.
Es gibt noch die Schnellstraße,
aber da schaffen wir es noch viel weniger.
Sehr weit sind wir jedenfalls noch nicht gekommen.“

Andreas beschleunigt den Pick-up,
so schnell es geht,
hält ihn mit Ach und Krach auf der Straße,
in den Kurven.
Kein Mensch weit und breit.

„Die Straße wird sicher nochmal gesperrt sein.
Vielleicht sollten wir etwas langsamer fahren,
oder uns für ein paar Stunden in die Büsche schlagen.“

„Du hast recht.
Wenn sie uns verfolgen,
werden sie bald aufgeben.
Es sind schon genug Monster unterwegs.“

„Schau mal,
zwischen den Bäumen,
der Weg da vorne.“

Andreas bremst,
biegt ab,
ungepflasterter Weg,
fährt langsam,
über ihnen entlaubte Bäume,
weicht Schlaglöchern aus.

Fahren eine Weile.
Der Weg endet vor einem offenen Tor,
dahinter ein Bungalow zu erkennen,
überall entlaubte Bäume,
das Haus grau,
früher vielleicht mal weiß.
Fahren durch das Tor,
Andreas bremst ein paar Meter vor dem Haus.

„Was denkst du?
Sollen wir hierbleiben?“

„Keine Ahnung.
Lass mal schauen,
ob jemand hier ist.“

Andreas wendet den Pick-up,
stellt den Motor ab,
langt hinter sich,
greift zwei Pistolen,
reicht Jeanne eine davon.

„Lass mich zuerst schauen.
Bleib du beim Kind.“

Sie nimmt das Kind,
hebt es auf Andreas Seite,
öffnet die Beifahrertür
steigt aus.

Jeanne kommt aus Paris,
paar Jahre in Leipzig,
Grundschullehrerin.
Ständig wechselnde Partner,
Scheiß auf Beziehungen,
Zukunft sowieso desolat,
leben okay,
aber nicht für irgendwas,
oder jemanden.
Einzig Kinder reißen sie raus,
sie weiß nicht warum,
Mütterlichkeit jedenfalls nicht,
Mitleid auch nicht.
Sie tritt zur Haustür,
öffnet sie,
ohne zu klopfen,
tritt ins Haus,
läuft schnell,
richtet die Pistole nach allen Seiten,
in den angrenzenden Raum,
kleine Küche,
weiterer Raum.

Das Haus kleiner,
als es von außen den Anschein hat,
wenige Möbel,
alles etwas unordentlich,
nicht sehr sauber,
aber nicht verwahrlost.

Niemand da.
Zurück in die Küche,
am wenigen Geschirr nicht erkennen,
wann zuletzt jemand hier war.
Öffnet den Wasserhahn,
kein Wasser.
In einem Schrank alte Konserven,
Büchsenfleisch,
ein paar leere Flaschen,
sonst nichts.

Nochmal in das dritte Zimmer,
zwei Holzbetten,
unbezogene Matratzen.
Die Luft abgestanden,
genauso heiß wie draußen,
keine Abkühlung.

Nach draußen,
zurück zum Auto.

Zu Andreas:

„Keiner da,
kein Lebenszeichen.
Schau selbst.
Wer immer hier war,
ich weiß nicht,
wie lange der oder die schon weg sind.“

„Wir können ein bisschen hierbleiben.
Werden schon aufpassen,
wenn jemand kommt.“

„Fahr das Auto am besten hinters Haus,
falls jemand kommt,
dass ers nicht sofort sieht.“

Jeanne nimmt das Kind auf den Arm,
zurück ins Haus,
öffnet ein paar Fenster,
setzt das Kind auf den Boden.
Andreas kommt rein,
Pistole in der Hand,
Rucksack in der anderen,
schaut sich um,
nimmt eine Flasche Wasser aus dem Rucksack.
Alle trinken nacheinander.
Andreas gibt dem Kind das Wasser,
hilft ihm.

„Tut mir leid,
dass es Fabiu erwischt hat.“

„Tut mir auch leid.“

„Und jetzt?“

„Und jetzt was?“

„Was machen wir jetzt?“

„Jetzt warten wirn paar Stunden,
dann gehts weiter.“

„Können die Nacht über hierbleiben.“

„Weiß nicht.
Heute Abend weiterfahren,
wohl keine gute Idee.“

Schweigen.
Kind schaut sie an.
Andreas setzt sich neben das Kind,
nimmt Zwieback aus dem Rucksack,
getrocknetes Obst,
gibt dem Kind davon,
isst selbst etwas.
Steht auf,
schaut in die anderen Zimmer
kommt zurück,
packt die Konserven,
die Jeanne gefunden hat,
in den Rucksack.

„Ziemlich trostlos hier.“

„Überall trostlos,
würde ich sagen.“

„Lass uns rübergehen,
ich hab im anderen Zimmer zwei Betten gesehen.

Jetzt,
dass Fabiu nicht mehr da ist,
wer weiß,
wann wir wieder dazu kommen.“

Gehen in das Zimmer mit den Betten,
legen die Pistolen neben eines der Betten,
Andreas schiebt seine Hose runter,
greift nach Jeanne,
sie greift nach ihm,
zieht ihre Hose aus,
legen sich hin,
sie spürt ihn,
gefällt ihr,
geht schnell,
gefällt ihm auch.

Schweigen eine Weile,
liegen nebeneinander.
Ein Mann im Trainingsanzug tritt ein,
umgehängte Maschinenpistole.

„Schön habt ihrs hier,
würde gern dabei sein.
Macht euch sicher nichts aus.“

Andreas erschrickt,
springt vom Bett auf,
der Mann schlägt ihm die Maschinenpistole gegen die Brust,
Andreas fällt hin,
schlägt Andreas von hinten gegen den Kopf.
Andreas zu Boden,
bleibt bewusstlos liegen.

Der Mann zu Jeanne:

„Mach keinen Ärger,
ich will einfach nur haben,
was er hatte.
Ist doch nicht zu viel verlangt,
oder?“

Öffnet seine Hose,
schlägt Jeanne ins Gesicht,
legt sich auf sie,
dringt in sie.

Jeanne greift neben das Bett,
greift nach einer der Pistolen,
er liegt auf Jeanne,
sie entsichert die Pistole,
schießt ihm in den Kopf.
Er zur Seite,
sie drückt ihn von sich weg,
springt auf,
läuft ins andere Zimmer.
Kind ist weg.
Sie panisch,
rennt durchs Haus,
nach draußen,
ruft nach dem Kind,
sieht das Auto hinterm Haus,
offene Fahrertür,
sieht das Kind in der Mitte sitzen,
weiß nicht,
was sie denken soll.
Andreas taumelt aus dem Haus,
geht zum Auto.

„Was ist passiert?“

„Alles okay.
Der Typ hat dich niedergeschlagen,
dann war das Kind weg.“

„Der Typ liegt drinnen,
ist tot.“

„Hab ihn erschossen.“

„Wo kam der so plötzlich her?“

„Keine Ahnung.“

„Ich war kurz ohnmächtig,
dann der Schuss.“

„Das Kind ist im Auto.
Wir müssen weiter.
Hier ist es nicht sicher.“

„Nirgendwo ist es sicher.“

„Bleib du beim Auto,
ich hol die Sachen.“

Jeanne zurück ins Haus,
nimmt den Rucksack,
die Maschinenpistole,
Ersatzmagazin,
die andere Pistole,
zieht ihre Hose an,
durchsucht den Toten,
findet nichts.
Zurück zum Auto,
Andreas gegen die Tür gelehnt.

„Gib mir die Schlüssel,
lass mich fahren.
Nimm das hier.“

Reicht ihm die Maschinenpistole.

„Weißt du,
wie das funktioniert?
Kann uns vielleicht noch nützlich werden.“

Andreas nimmt die Maschinenpistole,
zielt auf die Bäume,
Auslöser,
nichts passiert,
findet die Sicherung,
versucht es erneut,
feuert,
die Pistole zappelt in seiner Hand,
lässt sie sofort los.

„Ich war immer der Meinung,
diese Dinge sollten verboten werden.
Jetzt sind wir froh,
so was zu haben.“

Steigen ins Auto,
das Kind in der Mitte,
Jeanne startet den Motor,
den Weg zurück,
bald wieder auf die Straße.

Andreas schaut auf das Kind,
auf Jeanne.

„Was jetzt?
Wollen wir irgendwo anders reinfahren?
Vielleicht haben wir mehr Glück.“

Jeanne schweigt,
beschleunigt,
dreht den Kopf zu Andreas.

„Scheint aufs selbe rauszukommen.
Ich denke,
wir sollten versuchen,
so schnell wie möglich weiterzukommen.“

Immer noch brütend heiß.
Umfahren einen Ort,
eingestürzte Kirche,
fahren weiter,
kurz darauf die serbische Grenze.
Jeanne bremst ab,
fährt langsam an die Grenzanlage.
Niemand zu sehen.
Fährt quer an umgestürzten Pylonen vorbei,
über die Grenze,
ausgebrannter Grenzshop,
völlig verlassener Grenzdurchgang.

Keine Seele weit und breit.

„Umso besser.
Wer weiß,
was uns hier erwartet hätte,
vollbewaffnet wie wir sind.“

„Jetzt sind wir zumindest in Serbien.“

Jeanne beschleunigt,
fährt eine Weile.
Schweigen.
Schaut ein Stück geradeaus,
Fahrzeug kommt entgegen,
schwer zu erkennen,
Luft flimmert über dem Asphalt.
Andreas nimmt eine Pistole,
die Maschinenpistole griffbereit.
Fahrzeug kommt näher,
In der heißen Luft kaum zu sehen,
was für ein Auto,
wer drin sitzt,
wie viele.
Sie fahren aneinander vorbei,
Jeanne beschleunigt,
Stoß von hinten,
Andreas dreht sich um,
großes Geländefahrzeug hinter ihnen,
rammt sie,
ganz vergessen,
nach hinten zu schauen,
als das andere Auto entgegenkam.
Jeanne beschleunigt weiter.

„Was ist da los?“

Andreas drückt das Kind näher an sich.

„Da macht uns jemand Ärger,
wie es scheint.
Weiß der Teufel,
wo der auf einmal herkommt.“

Ihr Verfolger rammt sie erneut,
schiebt sie an.

„Verdammt,
was will der denn?“

„Abschütteln zwecklos,
dem fahren wir mit unserer Kiste nicht davon.
Kannst du erkennen,
wie viele es sind?“

„Nein,
die Scheiben sind zu dunkel.“

„Ich schau mal,
ob ihnen ein paar Kugeln Eindruck machen.“

Auto hinter ihnen stößt sie weiter an,
schiebt sie vor sich her.
Jeanne versucht,
auf der Straße zu bleiben,
Andreas kurbelt das Fenster runter,
streckt die Pistole nach hinten,
von hinten Schüsse,
zieht die Hand sofort wieder zurück,
duckt sich,
drückt das Kind noch näher an sich.

„Die schießen auf uns.“

Jeanne hält ihren Kopf geduckt.

„Ich versuch irgendwo auszuweichen,
wenns geht.
Sieht nicht gut aus.“

Von hinten erneut Schüsse.

Andreas wundert nichts mehr,
erstaunt,
dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Auto hinter ihnen rammt sie heftig,
Jeanne lenkt auf die Gegenspur,
bremst abrupt.
Fahrzeug rechts neben ihnen,
Andreas hebt den Kopf,
die Pistole,
zielt auf das Seitenfenster der anderen,
von dort Schüsse,
eine Kugel durchs offene Fenster,
durch die Windschutzscheibe,
andere Kugel in Andreas Kopf,
er sinkt aufs Armaturenbrett,
das Kind rutscht tief nach vorn,
das andere Auto verlangsamt,
fährt neben ihnen,
Jeanne beschleunigt,
der andere hält mit,
Jeanne steuert den Pick-up an das andere Auto,
sie berühren sich,
Jeanne nimmt die Maschinenpistole,
schießt durch das offene Beifahrerfenster,
das andere Auto löst sich von ihnen,
schlingert rechts von der Straße,
kracht gegen einen Baum,
Jeanne bremst ab,
hält den Pick-up weiter vorn,
braunes Gras neben der Straße,
schaut zum Kind.

„Bist Du okay?“

Das Kind nickt.
Jeanne steigt aus,
geht vorn um das Auto,
öffnet die Beifahrertür,
greift nach Andreas,
zu schwer,
ihn herauszuheben,
zieht an seinem Arm,
er fällt ihr entgegen,
sie fällt beinahe hin,
zieht ihn aus dem Auto,
legt ihn ins Gras,
findet Andreas‘ Pistole im Fußraum,
nimmt sie,
nimmt die Maschinenpistole.

„Bleib hier,
ich schaue nach dem anderen Auto.“

Immer noch sehr heiß.
Jeanne zum anderen Auto,
hält beide Waffen auf das Auto gerichtet,
geborstene Scheiben,
sieht zwei Leichen,
durchlöchert,
wohl sofort tot,
genau wie Andreas.
Das Kind kommt auf sie zu,
geht auf dem braunen Gras,
aus dem zerstörten Fahrzeug Radio,
hört nur Fetzen,
Radio Belgrad,
kein Durchkommen,
Jeanne hört kaum hin,
geht dem Kind entgegen,
nimmt es bei der Hand.

„Hier ist nichts mehr für uns zu tun.
Lass uns weiterfahren.“

Gehen zum Pick-up zurück.

„Würde Andreas gern begraben,
aber wir haben nichts dabei,
um Erde auszuheben.
Ich lege ihn etwas abseits,
Wenigstens das.“

Jeanne beugt sich zu Andreas,
greift unter seine Arme,
flache Böschung,
dahinter ein kahler Baum,
zieht ihn hinter den Baum.
Geht zum Auto zurück,
das Kind auf der Beifahrerseite.

Jeanne fährt los,
das Kind schaut sie an.

Das Kind bin ich.



(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 3

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BELMONTE

Andreas erschrickt,
springt vom Bett auf,
der Mann schlägt ihm die Maschinenpistole gegen die Brust,
Andreas fällt hin,
schlägt Andreas von hinten gegen den Kopf.
Andreas zu Boden,
bleibt bewusstlos liegen.

Der Mann zu Jeanne:

„Mach keinen Ärger,
ich will einfach nur haben,
was er hatte.
Ist doch nicht zu viel verlangt,
oder?“

Öffnet seine Hose,
schlägt Jeanne ins Gesicht,
legt sich auf sie,
dringt in sie.

Jeanne greift neben das Bett,
greift nach einer der Pistolen,
er liegt auf Jeanne,
sie entsichert die Pistole,
schießt ihm in den Kopf.
Er zur Seite,
sie drückt ihn von sich weg,
springt auf,
läuft ins andere Zimmer.
Kind ist weg.
Sie panisch,
rennt durchs Haus,
nach draußen,
ruft nach dem Kind,
sieht das Auto hinterm Haus,
offene Fahrertür,
sieht das Kind in der Mitte sitzen,
weiß nicht,
was sie denken soll.
Andreas taumelt aus dem Haus,
geht zum Auto.

„Was ist passiert?“

„Alles okay.
Der Typ hat dich niedergeschlagen,
dann war das Kind weg.“

„Der Typ liegt drinnen,
ist tot.“

„Hab ihn erschossen.“

„Wo kam der so plötzlich her?“

„Keine Ahnung.“

„Ich war kurz ohnmächtig,
dann der Schuss.“

„Das Kind ist im Auto.
Wir müssen weiter.
Hier ist es nicht sicher.“

„Nirgendwo ist es sicher.“

„Bleib du beim Auto,
ich hol die Sachen.“

Jeanne zurück ins Haus,
nimmt den Rucksack,
die Maschinenpistole,
Ersatzmagazin,
die andere Pistole,
zieht ihre Hose an,
durchsucht den Toten,
findet nichts.
Zurück zum Auto,
Andreas gegen die Tür gelehnt.

„Gib mir die Schlüssel,
lass mich fahren.
Nimm das hier.“

Reicht ihm die Maschinenpistole.

„Weißt du,
wie das funktioniert?
Kann uns vielleicht noch nützlich werden.“

Andreas nimmt die Maschinenpistole,
zielt auf die Bäume,
Auslöser,
nichts passiert,
findet die Sicherung,
versucht es erneut,
feuert,
die Pistole zappelt in seiner Hand,
lässt sie sofort los.

„Ich war immer der Meinung,
diese Dinge sollten verboten werden.
Jetzt sind wir froh,
so was zu haben.“

Steigen ins Auto,
das Kind in der Mitte,
Jeanne startet den Motor,
den Weg zurück,
bald wieder auf die Straße.

Andreas schaut auf das Kind,
auf Jeanne.

„Was jetzt?
Wollen wir irgendwo anders reinfahren?
Vielleicht haben wir mehr Glück.“

Jeanne schweigt,
beschleunigt,
dreht den Kopf zu Andreas.

„Scheint aufs selbe rauszukommen.
Ich denke,
wir sollten versuchen,
so schnell wie möglich weiterzukommen.“

Immer noch brütend heiß.
Umfahren einen Ort,
eingestürzte Kirche,
fahren weiter,
kurz darauf die serbische Grenze.
Jeanne bremst ab,
fährt langsam an die Grenzanlage.
Niemand zu sehen.
Fährt quer an umgestürzten Pylonen vorbei,
über die Grenze,
ausgebrannter Grenzshop,
völlig verlassener Grenzdurchgang.

Keine Seele weit und breit.

„Umso besser.
Wer weiß,
was uns hier erwartet hätte,
vollbewaffnet wie wir sind.“

„Jetzt sind wir zumindest in Serbien.“

Jeanne beschleunigt,
fährt eine Weile.
Schweigen.
Schaut ein Stück geradeaus,
Fahrzeug kommt entgegen,
schwer zu erkennen,
Luft flimmert über dem Asphalt.
Andreas nimmt eine Pistole,
die Maschinenpistole griffbereit.
Fahrzeug kommt näher,
In der heißen Luft kaum zu sehen,
was für ein Auto,
wer drin sitzt,
wie viele.
Sie fahren aneinander vorbei,
Jeanne beschleunigt,
Stoß von hinten,
Andreas dreht sich um,
großes Geländefahrzeug hinter ihnen,
rammt sie,
ganz vergessen,
nach hinten zu schauen,
als das andere Auto entgegenkam.
Jeanne beschleunigt weiter.

„Was ist da los?“

Andreas drückt das Kind näher an sich.

„Da macht uns jemand Ärger,
wie es scheint.
Weiß der Teufel,
wo der auf einmal herkommt.“

Ihr Verfolger rammt sie erneut,
schiebt sie an.

„Verdammt,
was will der denn?“

„Abschütteln zwecklos,
dem fahren wir mit unserer Kiste nicht davon.
Kannst du erkennen,
wie viele es sind?“

„Nein,
die Scheiben sind zu dunkel.“

„Ich schau mal,
ob ihnen ein paar Kugeln Eindruck machen.“

Auto hinter ihnen stößt sie weiter an,
schiebt sie vor sich her.
Jeanne versucht,
auf der Straße zu bleiben,
Andreas kurbelt das Fenster runter,
streckt die Pistole nach hinten,
von hinten Schüsse,
zieht die Hand sofort wieder zurück,
duckt sich,
drückt das Kind noch näher an sich.

„Die schießen auf uns.“

Jeanne hält ihren Kopf geduckt.

„Ich versuch irgendwo auszuweichen,
wenns geht.
Sieht nicht gut aus.“

Von hinten erneut Schüsse.

Andreas wundert nichts mehr,
erstaunt,
dass sie es überhaupt so weit geschafft haben.

Auto hinter ihnen rammt sie heftig,
Jeanne lenkt auf die Gegenspur,
bremst abrupt.
Fahrzeug rechts neben ihnen,
Andreas hebt den Kopf,
die Pistole,
zielt auf das Seitenfenster der anderen,
von dort Schüsse,
eine Kugel durchs offene Fenster,
durch die Windschutzscheibe,
andere Kugel in Andreas Kopf,
er sinkt aufs Armaturenbrett,
das Kind rutscht tief nach vorn,
das andere Auto verlangsamt,
fährt neben ihnen,
Jeanne beschleunigt,
der andere hält mit,
Jeanne steuert den Pick-up an das andere Auto,
sie berühren sich,
Jeanne nimmt die Maschinenpistole,
schießt durch das offene Beifahrerfenster,
das andere Auto löst sich von ihnen,
schlingert rechts von der Straße,
kracht gegen einen Baum,
Jeanne bremst ab,
hält den Pick-up weiter vorn,
braunes Gras neben der Straße,
schaut zum Kind.

„Bist Du okay?“

Das Kind nickt.
Jeanne steigt aus,
geht vorn um das Auto,
öffnet die Beifahrertür,
greift nach Andreas,
zu schwer,
ihn herauszuheben,
zieht an seinem Arm,
er fällt ihr entgegen,
sie fällt beinahe hin,
zieht ihn aus dem Auto,
legt ihn ins Gras,
findet Andreas‘ Pistole im Fußraum,
nimmt sie,
nimmt die Maschinenpistole.

„Bleib hier,
ich schaue nach dem anderen Auto.“

Immer noch sehr heiß.
Jeanne zum anderen Auto,
hält beide Waffen auf das Auto gerichtet,
geborstene Scheiben,
sieht zwei Leichen,
durchlöchert,
wohl sofort tot,
genau wie Andreas.
Das Kind kommt auf sie zu,
geht auf dem braunen Gras,
aus dem zerstörten Fahrzeug Radio,
hört nur Fetzen,
Radio Belgrad,
kein Durchkommen,
Jeanne hört kaum hin,
geht dem Kind entgegen,
nimmt es bei der Hand.

„Hier ist nichts mehr für uns zu tun.
Lass uns weiterfahren.“

Gehen zum Pick-up zurück.

„Würde Andreas gern begraben,
aber wir haben nichts dabei,
um Erde auszuheben.
Ich lege ihn etwas abseits,
Wenigstens das.“

Jeanne beugt sich zu Andreas,
greift unter seine Arme,
flache Böschung,
dahinter ein kahler Baum,
zieht ihn hinter den Baum.
Geht zum Auto zurück,
das Kind auf der Beifahrerseite.

Jeanne fährt los,
das Kind schaut sie an.

Das Kind bin ich.

(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 2

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BELMONTE

Fabiu stößt die Tür mit einem Schlag auf,
wirft den anderen zurück,
langt hinter sich,
greift eine Pistole,
wirft sich nach draußen auf den Boden,
schießt auf den anderen,
der krümmt sich,
stöhnt auf.

Der Erste gibt mehrere Schüsse auf Fabiu ab,
trifft mehrmals seinen Kopf.
Fabiu sinkt in sich zusammen,
bleibt liegen.
Andreas tritt auf das Gaspedal,
fährt mit einem Ruck durch die Schranke,
Beifahrertür schlägt von der Beschleunigung zu.
Schreit:

„Köpfe runter!“

Von hinten mehrere Kugeln.
Das Kind drückt sich an Jeannes Seite,
Jeanne beugt sich nach vorn,
Andreas jagt den Pick-up voran.

„Was sollte das denn?
Was hat Fabiu sich dabei gedacht?
Aussteigen und einfach alle übern Haufen schießen?
Nur weil dem einen sein Gesicht nicht gefiel?“

„Er ist wohl einfach ausgetickt.“

„Wer weiß,
wo die noch überall Leute stehen haben,
wen die jetzt alles benachrichtigen.
Noch so ne Straßensperre,
und die wissen,
dass wir kommen,
dann sind wir geliefert.“

„Vielleicht sollten wir eine andere Straße fahren.“

„Ich bin diese Straße so oft gefahren.
Es gibt noch die Schnellstraße,
aber da schaffen wir es noch viel weniger.
Sehr weit sind wir jedenfalls noch nicht gekommen.“

Andreas beschleunigt den Pick-up,
so schnell es geht,
hält ihn mit Ach und Krach auf der Straße,
in den Kurven.
Kein Mensch weit und breit.

„Die Straße wird sicher nochmal gesperrt sein.
Vielleicht sollten wir etwas langsamer fahren,
oder uns für ein paar Stunden in die Büsche schlagen.“

„Du hast recht.
Wenn sie uns verfolgen,
werden sie bald aufgeben.
Es sind schon genug Monster unterwegs.“

„Schau mal,
zwischen den Bäumen,
der Weg da vorne.“

Andreas bremst,
biegt ab,
ungepflasterter Weg,
fährt langsam,
über ihnen entlaubte Bäume,
weicht Schlaglöchern aus.

Fahren eine Weile.
Der Weg endet vor einem offenen Tor,
dahinter ein Bungalow zu erkennen,
überall entlaubte Bäume,
das Haus grau,
früher vielleicht mal weiß.
Fahren durch das Tor,
Andreas bremst ein paar Meter vor dem Haus.

„Was denkst du?
Sollen wir hierbleiben?“

„Keine Ahnung.
Lass mal schauen,
ob jemand hier ist.“

Andreas wendet den Pick-up,
stellt den Motor ab,
langt hinter sich,
greift zwei Pistolen,
reicht Jeanne eine davon.

„Lass mich zuerst schauen.
Bleib du beim Kind.“

Sie nimmt das Kind,
hebt es auf Andreas Seite,
öffnet die Beifahrertür
steigt aus.

Jeanne kommt aus Paris,
paar Jahre in Leipzig,
Grundschullehrerin.
Ständig wechselnde Partner,
Scheiß auf Beziehungen,
Zukunft sowieso desolat,
leben okay,
aber nicht für irgendwas,
oder jemanden.
Einzig Kinder reißen sie raus,
sie weiß nicht warum,
Mütterlichkeit jedenfalls nicht,
Mitleid auch nicht.
Sie tritt zur Haustür,
öffnet sie,
ohne zu klopfen,
tritt ins Haus,
läuft schnell,
richtet die Pistole nach allen Seiten,
in den angrenzenden Raum,
kleine Küche,
weiterer Raum.

Das Haus kleiner,
als es von außen den Anschein hat,
wenige Möbel,
alles etwas unordentlich,
nicht sehr sauber,
aber nicht verwahrlost.

Niemand da.
Zurück in die Küche,
am wenigen Geschirr nicht erkennen,
wann zuletzt jemand hier war.
Öffnet den Wasserhahn,
kein Wasser.
In einem Schrank alte Konserven,
Büchsenfleisch,
ein paar leere Flaschen,
sonst nichts.

Nochmal in das dritte Zimmer,
zwei Holzbetten,
unbezogene Matratzen.
Die Luft abgestanden,
genauso heiß wie draußen,
keine Abkühlung.

Nach draußen,
zurück zum Auto.

Zu Andreas:

„Keiner da,
kein Lebenszeichen.
Schau selbst.
Wer immer hier war,
ich weiß nicht,
wie lange der oder die schon weg sind.“

„Wir können ein bisschen hierbleiben.
Werden schon aufpassen,
wenn jemand kommt.“

„Fahr das Auto am besten hinters Haus,
falls jemand kommt,
dass ers nicht sofort sieht.“

Jeanne nimmt das Kind auf den Arm,
zurück ins Haus,
öffnet ein paar Fenster,
setzt das Kind auf den Boden.
Andreas kommt rein,
Pistole in der Hand,
Rucksack in der anderen,
schaut sich um,
nimmt eine Flasche Wasser aus dem Rucksack.
Alle trinken nacheinander.
Andreas gibt dem Kind das Wasser,
hilft ihm.

„Tut mir leid,
dass es Fabiu erwischt hat.“

„Tut mir auch leid.“

„Und jetzt?“

„Und jetzt was?“

„Was machen wir jetzt?“

„Jetzt warten wirn paar Stunden,
dann gehts weiter.“

„Können die Nacht über hierbleiben.“

„Weiß nicht.
Heute Abend weiterfahren,
wohl keine gute Idee.“

Schweigen.
Kind schaut sie an.
Andreas setzt sich neben das Kind,
nimmt Zwieback aus dem Rucksack,
getrocknetes Obst,
gibt dem Kind davon,
isst selbst etwas.
Steht auf,
schaut in die anderen Zimmer
kommt zurück,
packt die Konserven,
die Jeanne gefunden hat,
in den Rucksack.

„Ziemlich trostlos hier.“

„Überall trostlos,
würde ich sagen.“

„Lass uns rübergehen,
ich hab im anderen Zimmer zwei Betten gesehen.

Jetzt,
dass Fabiu nicht mehr da ist,
wer weiß,
wann wir wieder dazu kommen.“

Gehen in das Zimmer mit den Betten,
legen die Pistolen neben eines der Betten,
Andreas schiebt seine Hose runter,
greift nach Jeanne,
sie greift nach ihm,
zieht ihre Hose aus,
legen sich hin,
sie spürt ihn,
gefällt ihr,
geht schnell,
gefällt ihm auch.

Schweigen eine Weile,
liegen nebeneinander.
Ein Mann im Trainingsanzug tritt ein,
umgehängte Maschinenpistole.

„Schön habt ihrs hier,
würde gern dabei sein.
Macht euch sicher nichts aus.“

Weiter zu Teil 3

(c) belmonte 2021

Unterwegs nach Sarajevo | Teil 1

BELMONTE

Andreas Kiercher, Jeanne Josquin-Brenet, Fabiu Petrescu und ein Kind

Bloß raus aus Timisoara.
Der Pick-up fast Schrott.
Damit kommen sie niemals an.

Allen ist klar,
dass es Probleme geben wird.

Überqueren die Bahngleise.

Jeanne zu Andreas:

„Bin gespannt,
wie weit wir mit dieser Kiste kommen.“

Andreas nimmt eine Ausfahrt,
verlässt die Schnellstraße,
blickt nervös hin und her.

„Nicht das Auto,
was das Problem ist,
sondern die Milizen,
die sich überall rumtreiben.
Schau mal da drüben.“

Zeigt nach der anderen Straßenseite.
Hängen drei Leichen an einer Baumgruppe.

„Die zerren uns einfach aus dem Auto,
hängen uns genauso an die Bäume.“

„Vorher schieß ich einige übern Haufen,
wirst schon sehen.“

„Rede nicht so viel.
Fahr einfach.“

Die Sonne durch die Windschutzscheibe.
Straße flimmert.
Farbloser Himmel.
Stinkt immer noch nach Schwefel.

Schüsse von der Seite.
Knattern von Maschinenpistolen.

„Duckt Euch!“

„Pass auf das Kind auf.“

Jeanne beugt sich über das Kind,
zwischen ihr und Fabiu eingeklemmt,
gehen in Deckung,
beugen sich zur Seite,
nach unten,
so gut es geht.
Wieder das Knattern.

Kugeln schlagen auf der Fahrertür auf.

„Fahr weiter,
sind ja völlig irrsinnig hier.“

„Glaubt ihr wirklich,
dass wirs schaffen,
wenn diese Ballerei jetzt schon losgeht?“

Fahren an verbrannten Fabriken und Werkhallen vorbei,
Häuserruinen,
eine Kirche,
Turm eingestürzt.
Am Straßenrand liegengebliebene Autos,
zurückgelassen,
Schrott,
genau wie ihr Pick-up.
Fährt wenigstens noch.
Wer weiß,
wie lange.

Nirgendwo jemand zu Fuß unterwegs.
Zu gefährlich,
hier rumzulaufen.
Hitze kaum zu ertragen.

Lange Straße geradeaus,
Bungalows auf beiden Seiten,
kahle Bäume.
Wieder Knattern von Maschinenpistolen,
von irgendwoher.

Fabiu in den vergangenen Jahren als Bauzeichner,
dann als Architekt in Bukarest gearbeitet.
Seine Eltern und Schwester seit Monaten nicht gesehen,
kein Kontakt,
weiß nicht,
wo sie sind,
ob überhaupt noch am Leben.

Sehnt sich nach seiner Schwester,
die nach Berlin wollte.
Wer weiß,
ob sie je angekommen ist.

Fabiu hatte als Kind immer Angst,
wenn es Nacht wurde.
Auch später noch.
Immer musste jemand bei ihm sein,
seine Mutter,
seine Schwester,
bis er einschlief.

Ging irgendwann vorbei,
aber seit ein paar Monaten ist die Angst wieder da,
den ganzen Tag nervös,
scheut den Gedanken an Dämmerung und Nacht,
niemand bei ihm.

Am helllichten Tag bricht ihm der Schweiß aus,
wenn er an die Nacht denkt.
Fürchtet sich vor der Nacht.
Gibt allen Grund,
sich zu fürchten.

Jetzt sitzt das Kind neben ihm,
müssen es nach Sarajevo bringen.
Kind sitzt ganz ruhig.

Fahren eine langgezogene Kurve.
Vor ihnen Rauch.
Fahren weiter.
Dichter Qualm.
Etwas langsamer.
Am Straßenrand ein umgekippter Tanklaster,
Tankbehälter fast vollständig vom Qualm umhüllt,
Zugmaschine komplett ausgebrannt,
kein Mensch zu sehen.

Andreas fährt den Pick-up am brennenden Wrack vorbei,
vorsichtig,
beschleunigt etwas.

Schaut auf das Kind.
Die Luft stinkt abscheulich,
Schwer zu atmen.
Kind sitzt zwischen Fabiu und Jeanne,
schläft,
Kopf an Fabius Arm gelehnt.

Irgendwas fängt an zu leuchten,
als wärs das Kind.

Der Tanklaster hinter ihnen explodiert,
Explosion so stark,
wirft den Pick-up mit einem Satz nach vorn,
zur Seite,
Andreas lenkt gegen,
stabilisiert das Fahrzeug.

„Pass auf,
dass du nicht von der Straße abkommst.“

„Tu ich ja,
ich versuchs.“

„Was war denn das?“

„Tankfahrzeug,
lag am Straßenrand,
ist einfach explodiert.
Waren schon vorbei zum Glück.“

„Hier ist alles kaputt.
Bald gibts hier nichts mehr.“

„Straße ist noch ganz gut befahrbar.“

„Freu dich nicht zu früh.
Schaut mal da.“

„Was ist da los?“

„Kontrollstelle.“

„Was schlagt ihr vor?
Anhalten oder beschleunigen und durchrasen?“

„Zu gefährlich.
Was ist,
wenn sie Reifenstopper ausgelegt haben,
dann können wir alles vergessen.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Mann in Tarnkleidung hebt die Hand,
ein anderer neben ihm.
Andreas lässt das Auto ausrollen.

„Jetzt alle ganz ruhig.
Pistolen hinter den Sitz.
Lasst mich reden.“

Kommen näher an den Kontrollpunkt.
Ein dritter Mann tritt aus einem Holzverschlag,
kommt dazu,
dunkle Tarnjacke.
Andreas bremst vor der Schranke.

Der die Hand gehoben hat,
zu Andreas:

„Was wollt ihr hier?“

„Wir fahren nach Sarajevo.“

„Warum wollt ihr da hin?“

„Treffen dort jemanden.“

„Habt euch die unpassendste Zeit ausgesucht,
nach Sarajevo zu fahren.
Werdet ihr nie ankommen.
Würde euch am liebsten zurückschicken.“

Kurze Pause,
schaut in die Richtung,
aus der sie gekommen sind,
schaut das Kind an.

„Ist das euer Kind?“

Schweigen.

Jeanne schaut ihn an.

„Ich bin die Mutter.“

Andreas nervös.

„Wir bringen sie mit dem Kind nach Sarajevo.“

Der Mann schaut wieder in die rückwärtige Richtung,
unschlüssig.
Der Andere aus der Holzhütte:

„Gibt es ein Problem?“

„Sie sagen,
sie wollen nach Sarajevo.
Haben ein Kind bei sich.
Die Frau sagt,
sie ist die Mutter.“

Der andere beugt sich zu Andreas.

„Was war das für eine Explosion?“

Andreas immer noch nervös.

„Ein Tanklaster.
Lag brennend am Straßenrand.
Heftige Explosion,
als wir vorbei waren.“

„Wer ist der da drüben?“

Zeigt auf Fabiu.

Fabiu schaut nach vorn,
regt sich nicht.

„Bist du taub?“

„Er ist ein Kollege von mir.“

„Ein Kollege,
ja?“

„Ja.“

„Okay,
ein Kollege also.
Aber er gefällt mir nicht,
Dein Kollege.
Du,
Kollege,
kannst du mich hören?“

Geht um das Auto.
Zum Anderen:

„Der da rechts im Auto,
soll rauskommen.“

Der Andere:

„Was ist mit ihm?“

„Gefällt mir nicht.“

Nimmt seine Pistole,
stellt sich abseits auf,
zielt auf Fabiu.

„Du,
der du nicht hören kannst,
steig aus,
mach keine Faxen.“

Tritt näher an die Beifahrertür.

„Ich hoffe,
du kannst mich hören.“

Fabiu schaut immer noch nach vorne,
völlig reglos,
als hört er nicht zu.
Öffnet die Beifahrertür,
drückt sie langsam auf,
setzt einen Fuß nach draußen.

Der Andere:

„Ganz langsam,
schön ruhig,
beide Hände sichtbar.
Ich sagte,
beide Hände sichtbar.“

Jetzt alles ganz schnell.

Weiter zu Teil 2

(c) belmonte 2021

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 445 bis 448

belmonte

sechzehnter gesang

445 wer fragt hier wen und bin ich nicht der du bist
ich bin im anderen und in dir mein eigen
so hat sich mein dasein im dirsein vollendet
aus dem ersten licht das du nie mehr vergisst

446 das ist der schlussstein den wollte ich dir zeigen
das eine licht das von überall aus sendet
jetzt sehe ich eine liebe deren schüchterner
blick mich trifft vor îr werde ich mich verneigen

447 und dieser erste blick der dich nichmer blendet
das ist der eine selbe der alle lichter
bindet davon erzählen die alten dichter
aus denen sich diese geschichte vollendet

448 und dein eigener blick entzünde die lichter
und deine heimkehr sei heimkehr aller lichter
die einmal tranken aus dem ewigen kellich
steigen auf aus dem dunkelen reich ins licht

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 441 bis 444

belmonte

sechzehnter gesang

441 und nichts das draußen wär oder wäre drinnen
nichts das je aus dem meer wieder ausgespuckt
das erste licht aber ist das licht des lichtes
und es wirft keinen schatten und hat kein innen

442 und außen und obwohl es uns alle schmückt
seh ich dich und mich im selben angesicht
ich habe das licht schon vor dem licht gesehen
ich bin schon vor dem sprechen ins licht gerückt

443 und auch du hast die spur erkannt vor dem nichts
und musstest bloß in der dunkelheit bestehen
und zugänge finden wo kein ort mehr ist
kein körper fiele unter seinem gewicht

444 also kannstu ins vorgesprochene gehen
wo das vor in ewigkeit zu keiner frist
wie aber vermeiden zu sprechen wenn schweigen
auch ein sprechen ist um die spur auszusäen

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 437 bis 440

belmonte

sechzehnter gesang

437 und erkennendes eins sind und was sie trennte
aufgehoben ist und ich selbst bin das licht
und bin im ersten licht und das licht ist eins
mit mir dass es in mir und außer mir brennt

438 und das ist das erste und andere licht
und dieses licht ist deines und dein licht meins
und ich bin die andere und bin im anderen
und das andere ist in mir und ist licht

439 wo aber nichts ist ist von den lichtern keins
mehr da und kein dunkles meer und keine lande
das ist das ewige nichts das kein erinnern
kennt und nicht dunkelheit oder widerschein

440 und von der dunkelheit die im nichts verschwand
blieb keine spur auf die sich das licht entsinnen
kann da ist nichts das die äonen verschluckt
und das ist nichts das sich jemals wiederfand

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 433 bis 436

belmonte

sechzehnter gesang

433 ich bin eingeschlafen und hatte den glanz
bei mir und hielt în in der hand doch die nacht
hat mich betrogen und hat mich eingehüllt
in einen körper aus fleisch und firlefanz

434 ich hatte über den körper keine macht
und sah darin nicht einmal ein falsches bild
dann aber hörte ich den ruf und erkannte
woher ich gekommen wer mich hergebracht

435 wer ich bin und was mich hier zusammenhält
wohin ich gehe und wer nach mir gesandt
und mein lehrer sprach zu mir wenn du erkennst
dass du vom licht bist und nicht von dieser welt

436 erkennst du dich selbst und setzt dich selbst in stand
und erkennst was vom ersten licht in dir glänzt
und änderst dich selbst aber weil du vom licht
bist ändert sich auch das licht so dass erkanntes

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 429 bis 432

belmonte

sechzehnter gesang

429 in vollmondnächten feen magischer tanz
um wald in finstarnessen lichtener rande
da steht das ein-horn und schaut aus meinen augen
auf glitzern feenlicht unter sternenglanz

430 ist eine juncfrau dort zur stunde umbanden
von fledertier schwirrt auf nachtraub blut zu saugen
rette sie vor löwenmaul nächster gefahr
und leg deinen kopf in îrer schosz und handen

431 lust ist die prüfung sælic daran zu glauben
aus gold wird die längste nacht die jemals war
führt nur verlaufener weg ins dasein ganz
zum einhorn hin aller sinnen zu berauben

432 der ruf es dort zu erkennen ruht es da
im juncfrau schoß von feenschimmer umkranzt
nach langem schlaf bistu endlich aufgewacht
um zu sehen was aus meinen augen sah

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 425 bis 428

belmonte

sechzehnter gesang

425 wird aus dem licht das einst durch în durchgeflossen
im garten über den himmeln aber wachter
über die lichter dass die wiedergefundenen
die în erneut durchqueren nie mehr verblassen

426 und daraus hat er sie zum leuchten gebracht
das keine jâre mehr hat und keine stunden
und keinen schatten mehr kennt und bald schon werden
sie gesang in der ewigen lichterpracht

427 und ich sah was mein lehrer vor mir entbunden
und hörte was nie gehört wurde auf erden
mein lehrer sagte mir schau mich an dann kannstu
noch mehr sehen ich sah seinen schönen mund

428 und seine augen und sah darin kein irdenes
spiegellicht sondern leuchtenden schimmerkranz
als ich mich aber îm vollends zugewandt
sah ich was wurde und ist und immer wird

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 421 bis 424

belmonte

sechzehnter gesang

421 diese waren die himmelsfahrten der lichter
und sie tranken das licht aus dem großen kellich
der ein kelch des lebens war die dunklen sphären
aber stürzten in sich zusammen wo nichts

422 mehr war und als das licht sie nicht mehr behelligte
blieb dunkelheit die ein einziger punkt wäre
doch da war nichts und den verbliebenen sêlen
wurde kein wiederkehren mehr überfällig

423 für alles kommen waren sie in der leere
verloren die leere aber war nur elendes
nichts darüber sich alle himmel verschlossen
höre mein wort iohanan sagte mein lehrer

424 keine perle wird in der himmelsnacht fehlen
nicht ein einziges licht wird mehr ausgegossen
dann leuchtet über der strahlend blauen nacht
ein palast aus grünem glas der nicht mehr wählen

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 417 bis 420

belmonte

fünfzehnter gesang

417 ist am ende ins ewige nichts entschwommen
es jammerte aber den großen verführer
denn er wusste nicht was außerhalb der sphären
lag jaldabaoth wurde für alles kommen

418 eingeschlossen der selber einst der zerstörer
der welt fand jetzt selbst in der welt sein verheeren
und mit îm die verlorenen körper das
war das ende der welt und ende derer

419 die das licht im spiegel gesehen im leeren
nichts wurden sie allesamt zurückgelassen
die vor zeiten alle dem spiegel erlegen
gaben în heraus mit all îrem begehren

420 und nicht waren darunter mehr dunkle wasser
und nicht kam înen ein bild darin entgegen
und nicht war mehr von irgendwoher ein wer
oder wie da war noch nicht einmal ein dass

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 413 bis 416

belmonte

fünfzehnter gesang

413 stieß ins ewige nichts am ausgang der nacht
rief soter die lichtwolken über der bitteren
statt da kam abraxas zu înen herab
und mit îm gameliel um îre acht

414 zu beenden und die sabelo als dritte
die niederfuhr auf îrem leuchtenden stab
an diesem ende der zeiten lösten sich
im helllichten glanz die körper der geretteten

415 auf glanz der sie über die sphären erhob
und der glanz îrer neuen kleider war licht
wann înen îre alten kleider genommen
wurden die noch mit finsternis ganz durchwoben

416 waren verloren sie îr letztes gewicht
während sie noch die hohen sphären erklommen
fielen schon die dunklen planeten aus îrer
bahn was vorher in materie verdichtet

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 409 bis 412

belmonte

fünfzehnter gesang

409 auf wen haben wir gewartet im getöse
wann jaldabaoth diese hochstatt verflucht
dein kommen ist aus langer hoffnung die lichter
zu sammeln und aus der dunkelheit zu lösen

410 wie geschrieben ist im verlorenen buch
die in den höhlen über qud dem vernichter
entkamen lebten in der erkenntnis um
auf den zu warten gegen den der versucher

411 wie înen verheißen war nichts auszurichten
vermochte und als sie în sahen verstummte
îre angst denn der auf dem füllen kam brachte
das licht die lichter heimzuholen wer nicht

412 gefunden wurde blieb in dunkelin unterm
sand die aber gerettet wurden erwachten
aus langem schlaf und als die verheißung mit
dem schicksal kämpfte und es endlich hinunter

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 405 bis 408

belmonte

fünfzehnter gesang

405 stätte wo die magunen alles verstümmelt
hatten und rußschlieren aus den wolken liefen
und graues wasser in strömen von den mauern
da entsann sich hosanna langer verstummung

406 erwachten die lichter die eben noch schliefen
unter heiliger stätte steine bedauern
über der menschenleeren wege vergessen
hier war kein richttag zu halten recht zu prüfen

407 bloß noch gefallene säulen anzuschauen
als soter näher hinkam weinte er dessen
über dem in fels gehauenen entblößen
in wolkenbrüchen lichtverborgener grauen

408 was hatte sich dieser ort vor ausgemessen
von hoher habe teil und manniger größe
die aus himmelen höhe nach lichtern suchten
davon war nur noch felsland in finstarnessen

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 401 bis 404

belmonte

fünfzehnter gesang

401 im eis soter aber war wiedergeboren
denn er sprach mit engeln und in der nacht kroch
er zu den tieren und erreichte am tage
die berge fand hinter einem felsentor

402 ein füllen saß auf und ritt den felshang hoch
und ritt durch schmale fluchten auf jenem wege
der hinauf nach qud führte und soter hörte
in ferne über îm leise stimmen doch

403 er konnte sie nicht verstehen kalter regen
setzte ein während er die schluchten durchquerte
und peitschte îm entgegen als er die stimmen
endlich unterschied während die toten schwiegen

404 sie lobten der da komme und den sie ehrten
in der höhe den könig frieden der himmel
die letzten lichter zu holen die în riefen
also kam er nach qud und sah die verheerte

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 397 bis 400

belmonte

fünfzehnter gesang

397 und unter îm der eisige tod dem keiner
entrann der je von unten durchs eisfeld stieß
und unterm eis sah soter tote gestalten
gleiten und im eis steckten arme und beine

398 festgefroren vereiste köpfe und füße
bleiche augen die în anglotzten und kalte
schreie aus offenstarren mündern die waren
stumm als wäre gellender verrat zu büßen

399 soter schritt an înen vorbei und schon bald
waren die köpfe und augen ganz und gar
von schnee bedeckt und alles leben erfroren
soter aber lief fort und kannte kein halten

400 mehr vierzig tage lief er durch die erstarrte
eiswüste und wäre längst darin verloren
allein der eisige versucher vermochte
în nicht aufzuhalten wütete und scharrte

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 393 bis 396

belmonte

fünfzehnter gesang

393 kalter wind schnitt über das wasser der regen
wurde schnee und wirbelte von allen seiten
soter musste sich auf dem floß niederkauern
er konnte sich vor kälte kaum noch bewegen

394 und verlor bald jedes gefühl für die zeit
und wars dass es în um seinen vater schauerte
es wurde immer noch kälter auf dem wasser
bildete sich eis und wurde fest soweit

395 das auge reichte wanns nichmer lange dauerte
dass das floß unter soter in der eismasse
steckenblieb soter aber war ganz allein
auf dem eis als er um seinen vater trauerte

396 und nach seiner mutter die în längst verlassen
hatte rief wann würde îr licht wieder scheinen
soter aber trat auf das eis und verließ
das floß und über îm war der himmel blass

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | vierzehnter gesang | 389 bis 392

belmonte

vierzehnter gesang

389 und der feste boden auf dem er gestanden
war unter îm weggebrochen in der nähe
sah er ein leeres floß und mit letzter kraft
schwamm er hin und hob soter über den rand

390 und reichte îm jacke und amulett ehe
die strömung în fortriss und er es nicht schaffte
sich am floß mehr festzuhalten und er rief
soter zu er solle was immer geschehe

391 nach qud gelangen das längst schon hingeraffte
und er schaute soter nach bis în die tiefe
für immer verschluckte seinem sohn war elend
und kalt als er noch auf seinen vater hoffte

392 der zu den lichtern die schon zu lange schliefen
hinabgefahren wann würden sie aufstehen
wann über înen die sieben mächte wachten
durch deren tore einst alle lichter liefen

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | vierzehnter gesang | 385 bis 388

belmonte

vierzehnter gesang

385 das wasser stieg und der schlamm mit solcher wucht
dass auch das land darunter sich zu bewegen
schien ajun hielt seinen sohn und trug în weiter
durch das wasser unter dem alles zu bruch

386 ging was noch stand er musste sich aber gegen
die braunen wassermassen stemmen die breite
flut hatte sich in ein gewaltiges meer
verwandelt wer sich entkräftet niederlegte

387 stand nichmer auf da schwammen von allen seiten
tote tiere und lebende menschen her
und die menschen versuchten sich aneinander
festzuhalten aber die fluten entzweiten

388 sie alle wer konnte sich dagegen wehren
und während alle unter wasser verschwanden
hielt ajun seinen sohn soter in die höhe
seine glieder aber wurden immer schwerer

(c) belmonte 2018

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