Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 23. Teil

18. September 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Usumacinta

Illustration: Valentino

Am nächsten Morgen erreichte ich Tenosique mit dem Fahrrad. Ich hatte bloß noch ein paar Peso in der Tasche. Weil es Sonntag war und alle Banken geschlossen hatten und weil die Automaten meine Kreditkarte verweigerten, gab ich das restliche Geld für Wasser und ein kleines Frühstück aus. Daraufhin radelte ich auf der asphaltierten Straße Richtung Palenque. Nachdem ich eine Abzweigung verpasst hatte, fuhr ich einen Umweg über Emiliano Zapata am Usumacinta.

Unterwegs rastete ich bei einer Gaststätte. Der Wirt gab mir ein Stück Wassermelone und kaufte eine meiner beiden Hängematten. Vom Erlös aß ich abends in Palenque in einem Restaurant Mojarra, ein mit dem Barsch verwandter und bei den Einheimischen beliebter Speisefisch. Ein Hausbewohner beherbergte mich daraufhin in seinem Garten. Ich spannte meine Hängematte auf und schlief erschöpft ein. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich mit Mückenstichen übersät. Ich packte meine Sachen, fuhr ins Zentrum, hob dort Geld bei einer Bank ab und nahm ein Zimmer in der Nähe des Parks.

Frisch geduscht fuhr ich mit dem Fahrrad die letzten sechseinhalb Kilometer zu den Ruinen der ehemaligen Maya-Stadt, die ihre Blüte um 700 entfaltete. Die archäologische Fundstätte lag auf einer Terrasse zerklüfteter, bewaldeter Hügel am Rande des Hochlands von Chiapas. Vor mir stand der Tempel der Inschriften auf der obersten Plattform einer Pyramide. Ich stieg die Treppe hinauf, setzte mich auf eine Stufe und blickte auf die Palastruine mit dem vierstöckigen Turm. Dahinter erstreckte sich ein weites Tiefland bis zum Horizont nach Norden.

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 22. Teil

11. September 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Sonnenuntergang

Illustration: Valentino

Der Arbeiter aus Propetén und der elfjährige Junge aus Paso Caballos brachten mich am nächsten Morgen zu der Stelle am Flussufer, an der ich übernachtet hatte. Ich hatte dem Arbeiter verschwiegen, dass ich dem Vater des Jungen Geld für die Überfahrt gegeben hatte. Doch nun befürchtete ich, dass der Junge es ihm erzählen würde, was er jedoch nicht tat. Abgeknickte Äste lagen auf dem Boden – und eine leere Schachtel, die ich nachts dort liegen gelassen hatte.

Auf dem Rückweg traf ich in einem Dorf zwei Männer, die mich auf ihrem Pick-up nach Flores mitnahmen. Der Ort lag auf einer kleinen Insel im See Petén Itzá und war über einen Damm mit dem Festland verbunden. Ich spazierte durch die engen Gassen mit ihren Läden, Hotels und Restaurants. Zwar hatte ich mein Vorhaben aufgegeben, El Naranjo auf dem Wasserweg zu erreichen. Allerdings war ich weiter gekommen, als ich in der Nacht im Wald gedacht hatte. Von der Insel aus beobachtete ich den orangefarbenen Sonnenuntergang.

Der Bus rollte über eine staubige Straße durch eine öde, palmenbestandene Landschaft. Manchmal hielten wir in kleinen Dörfern. Einheimische stiegen zu. Die Männer trugen Hüte, Hemden, abgetragene Jeans und Stiefel, die Frauen Strickjacken, bunte Kleider und Schuhe mit abgelaufenen Sohlen, die Kinder liefen barfuß. In El Naranjo stempelten Beamte die Pässe. Wir schifften den San Pedro hinab und passierten auf halber Strecke die Grenze. Vom Bootsanleger gingen wir ein Stückchen zu Fuß zur Passkontrolle. Als in der hereinbrechenden Nacht die Lichter von La Palma vor einer Brücke am Ufer auftauchten, wehte eine Brise und es spielte Musik.

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 21. Teil

4. September 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Paso Caballos

Illustration: Valentino

Das Tageslicht durchbrach den Nebel. Ein Hahn krähte, Schweine grunzten. Die Dorfbewohner waren während des Bürgerkriegs aus der Region am Fluss Chixoy nach Paso Caballos gekommen. Einer der beiden Männer, die mich mitgenommen hatten, sagte mir, wegen der Karwoche gebe es keine Boote nach El Naranjo, und eine Expressfahrt sei zu teuer. Deshalb wollten er und sein elfjähriger Sohn mich nach Propetén bringen. Fünfzehn Kilometer flussabwärts würde ich möglicherweise mehr Glück haben, ein Boot zu chartern.

Wir aßen Tamales und tranken Kaffee. Plötzlich quiekte eines der Ferkel. Die Männer liefen zum Fluss und befreiten das Tier, das sich mit einer Pfote in einer Leine verwickelt hatte. Da fiel mir ein, dass ich die Seile, mit denen ich meine Hängematte in den Bäumen befestigt hatte, im Morgengrauen beim Nachtlager vergessen hatte. Wir stiegen ins Boot und fuhren zum Lager. Dort angekommen sammelte ich die Seile ein. Auf der Fahrt nach Propetén scheuchte der Motorenlärm zahlreiche Vögel aus dem Uferdickicht auf.

Propetén war über den Wasserweg verbunden mit El Perú, eine nahegelegene Maya-Ruine. Ein Arbeiter und ich trugen Schilfbündel aus einem Kanu und deckten die Dächer der Häuser. Abends brachten zwei Fischer ihren Fang, den wir gemeinsam aßen. Sie sagten mir, gewöhnlich würden Fischer aus El Naranjo, nachdem sie flussaufwärts Mais eingekauft hatten, auf ihrem Rückweg Passagiere in ihren Heimatort mitnehmen. Weil jedoch während meines Aufenthalts niemand vorbeikam, entschied ich mich für die Rückkehr nach Flores auf dem Landweg.

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 20. Teil

28. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Urwaldfluss

Illustration: Valentino

Ein Fischer auf seinem Pferd ritt mir am Seeufer entgegen. Er sagte, der Weg nach Norden sei unpassierbar, und lud mich zu sich nach Hause ein. Im Haus schenkte seine Frau mir Saft in einen Becher ein und gab mir frisches Wasser mit auf den Weg. Ich bedankte mich und fuhr zurück bis zu einer Kreuzung und von dort auf einem schnurgeraden Feldweg durch Petén. Fortan traf ich kaum noch Menschen, die mir Auskunft über die Strecke geben konnten. Einige sprachen von einem Wasserbecken.

Hitze, Stechfliegen und wuchernde Pflanzen erschwerten mein Fortkommen. Irgendwann erreichte ich das Wasserbecken, von dem mir berichtet worden war. Nachdem ich mein Fahrrad über eine Brücke aus Baumstämmen geschoben hatte, knickte der Weg ab und führte immer tiefer in einen Wald bis an ein Flussufer. Dunst hing über der Wasseroberfläche, auf der Wasserflöhe im Licht der untergehenden Sonne tanzten. Ich hängte meine Hängematte zwischen die Bäume, zündete ein paar Kerzen an und wartete auf die hereinbrechende Nacht.

Es raschelte und platschte, ein Waldtier schrie, Zikaden trommelten. Glühwürmchen leuchteten in der Dunkelheit. Der Mond schien von einem sternenklaren Himmel durch die Baumkronen. Aus der Ferne hörte ich das Bellen eines Hundes. Frühmorgens weckten mich Stimmen. Zwei Kekchí, Angehörige einer weiteren Maya-Ethnie, näherten sich mit ihrem Kanu und nahmen mich mit. Wir schifften eine Weile flussabwärts bis zu einer Biegung. Als sich in der Morgendämmerung der Fluss mit einem zweiten vereinigte, fuhren wir diesen ein Stück hinauf. Ein Steg ragte ins Wasser. Am Ufer tauchte im Nebel etwa ein Dutzend Schilfdächer auf.

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 19. Teil

21. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Verlorene Lagune

Illustration: Valentino

Nachdem ich die Fähre von Puerto Barrios nach Livingston genommen hatte, charterte ich im Hafen ein Boot über den Río Dulce nach El Relleno. Mit dem Fahrrad erreichte ich am nächsten Morgen Toquelá, wo ich Tortillas, Frijoles und Spiegeleier frühstückte und mich mit schwarzem Kaffee wachhielt. Die Sonne ging rasch auf. Kurz hinter der Grenzstation Modesto Méndez gabelte sich der Weg. Ich nahm die asphaltierte Straße Richtung Flores, an deren Rändern ein Großteil des tropischen Waldes abgeholzt war.

Mittags rastete ich in San Luís. Ein Schild wies bald darauf auf das Ende des Asphalts hin. Fortan ging es auf einer staubigen Piste durch eine öde, fast menschenleere Landschaft. Kurz vor Canchacán überraschte mich ein Platzregen. Im Ort regnete es noch einmal, weshalb ich mich in einem Laden unterstellte. Als der Regen aufgehört hatte, fuhr ich mit dem Fahrrad über einige Steigungen und einer Abzweigung folgend bis zur Finca Ixobel. Tags darauf ging es mit dem Fahrrad bei Hitze und Staub über Poptún nach Flores – die letzten Kilometer auf der Ladefläche eines Pick-ups.

Unterwegs nach El Naranjo kam ich von der geplanten Route ab und gelangte an einen See, aus dem kahle Baumgerippe ragten. Feiner Sandstaub bedeckte die Blätter der Pflanzen am Wegesrand. Irgendwo hinter Sacpuy traf ich einen Mann auf einem Fahrrad. Er sagte, dass ich nicht auf dem Weg zur Finca San Joaquin sei, sondern nach Ojo de Agua. Allerdings würde ich auf diesem Weg Paso Caballos erreichen, von wo ich ein Boot nach El Naranjo chartern könnte. Also fuhr ich mit dem Fahrrad weiter und erreichte mittags die verlorene Lagune.

(c) valentino 2018

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 18. Teil

14. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Hochland-2

Illustration: Valentino

Ich verließ Sacapulas und fuhr mit dem Fahrrad durch die Berge und über einen Pass nach Cunén. Der Arzt in der Krankenstation gab mir kostenlose Medikamente gegen meine Bauchschmerzen. In der Herberge schlief ich früh ein. Bei einer Talfahrt am nächsten Morgen hatte ich eine Reifenpanne. Im Tal wechselte ich den Schlauch des Vorderrads und reparierte notdürftig den zerrissenen Felgenriemen. Kurz darauf fing es an zu regnen und der Schotterweg verwandelte sich in eine Schlammpiste. In Uspantán kaufte ich mir einen neuen Ersatzschlauch sowie Felgenriemen.

Aufgrund des schlechten Wetters blieb ich über Nacht in Chicamán und brach in der Früh auf. Der Weg führte über eine Brücke des Flusses Chixoy. Vögel schrien von den Baumwipfeln der bewaldeten Berghänge. Kurz vor San Cristóbal Verapaz ging es zum ersten Mal seit Tagen wieder über eine asphaltierte Straße bis nach Cobán. Zwei Arbeiter nahmen mich tags darauf auf ihrem Pick-up mit. Unterwegs passierten wir in der Hitze Tucurú und La Tinta. In Telemán setzten sie mich ab. Eine handtellergroße Spinne saß nachts an der Decke im Zimmer der Herberge.

Ich radelte bis ins Fischerdorf El Estor am See Izabal. Am nächsten Morgen nahm ich die Fähre nach Mariscos am Seeufer gegenüber. Von dort fuhr ich mit dem Fahrrad durchs heiße Motagua-Tal. Ein Verkäufer auf der anderen Straßenseite bot mir eine Kokosnuss an. Er öffnete sie mit der Machete, als ich mein Fahrrad über die Straße geschoben hatte. Abends erreichte ich Puerto Barrios am Karibischen Meer. Dort trank ich Bier mit den Einheimischen in einer Hafenkneipe.

(c) valentino 2018

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 17. Teil

7. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Hochland

Illustration: Valentino

Ich fuhr mit dem Fahrrad von Xela über Salcajá und Cuatro Caminos bis nach San Francisco El Alto. Kurz vor dem Ort war ich von der asphaltierten Hauptstraße auf einen Sandweg abgebogen. An den Markttagen herrschte in San Francisco reges Treiben: Einheimische boten Pferde, Rinder, Schweine und Truthähne auf einem Viehmarkt an. Doch an diesem Tag wirkte der Ort wie ausgestorben. Lediglich einige Männer mit Macheten kamen mir am Ortsausgang entgegen. Ich bog nach Santa María Chiquimula ab. Der steinige, staubige Weg führte durch eine Landschaft mit Bergen, Tälern und abgeschiedenen Dörfern.

In Santa Lucía La Reforma gab es keine Herberge. Darum stellte ich mein Fahrrad am Rathaus ab, überquerte den Marktplatz und trat in die Dorfkirche ein. Am Altar traf ich eine Nonne im schwarzen Habit, die mir großzügig ein kleines Zimmer mit Pritsche herrichtete und abends Spiegeleier und Frijoles, schwarze Bohnen, zubereitete. Dazu gab es Guacamole, pürierte Avocado mit Zwiebeln und Limetten sowie Chirmol, eine kalte Soße mit Tomaten und Koriander. Am nächsten Tag erreichte ich das im Flusstal gelegene Sacapulas, wo ich in einer Herberge unterkam.

Dort lernte ich Bryan aus Idaho kennen. Gemeinsam nahmen wir am nächsten Morgen den Bus für einen Tagesausflug nach Nebaj, wo die Ixil, eine weitere Ethnie Guatemalas, lebten. Die Straße wand sich steil bergauf und führte über einen Bergpass. Bryan entschied sich über Nacht zu bleiben, um eine Magenverstimmung auszukurieren. Im Hof der Herberge legte eine Ixila ihre Waren aus: Tejidos, gewebte Stoffe, Huipiles, bestickte Blusen und Típicas, für die Region typisches Kunsthandwerk. Auf der Rückfahrt nahm ich auf der Ladefläche eines Lastwagens Platz. Bei meiner Ankunft abends in Sacapulas war es bereits stockfinster.

(c) valentino 2018

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