Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 21. Teil

4. September 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Paso Caballos

Illustration: Valentino

Das Tageslicht durchbrach den Nebel. Ein Hahn krähte, Schweine grunzten. Die Dorfbewohner waren während des Bürgerkriegs aus der Region am Fluss Chixoy nach Paso Caballos gekommen. Einer der beiden Männer, die mich mitgenommen hatten, sagte mir, wegen der Karwoche gebe es keine Boote nach El Naranjo, und eine Expressfahrt sei zu teuer. Deshalb wollten er und sein elfjähriger Sohn mich nach Propetén bringen. Fünfzehn Kilometer flussabwärts würde ich möglicherweise mehr Glück haben, ein Boot zu chartern.

Wir aßen Tamales und tranken Kaffee. Plötzlich quiekte eines der Ferkel. Die Männer liefen zum Fluss und befreiten das Tier, das sich mit einer Pfote in einer Leine verwickelt hatte. Da fiel mir ein, dass ich die Seile, mit denen ich meine Hängematte in den Bäumen befestigt hatte, im Morgengrauen beim Nachtlager vergessen hatte. Wir stiegen ins Boot und fuhren zum Lager. Dort angekommen sammelte ich die Seile ein. Auf der Fahrt nach Propetén scheuchte der Motorenlärm zahlreiche Vögel aus dem Uferdickicht auf.

Propetén war über den Wasserweg verbunden mit El Perú, eine nahegelegene Maya-Ruine. Ein Arbeiter und ich trugen Schilfbündel aus einem Kanu und deckten die Dächer der Häuser. Abends brachten zwei Fischer ihren Fang, den wir gemeinsam aßen. Sie sagten mir, gewöhnlich würden Fischer aus El Naranjo, nachdem sie flussaufwärts Mais eingekauft hatten, auf ihrem Rückweg Passagiere in ihren Heimatort mitnehmen. Weil jedoch während meines Aufenthalts niemand vorbeikam, entschied ich mich für die Rückkehr nach Flores auf dem Landweg.

(c) valentino 2018

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 20. Teil

28. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Urwaldfluss

Illustration: Valentino

Ein Fischer auf seinem Pferd ritt mir am Seeufer entgegen. Er sagte, der Weg nach Norden sei unpassierbar, und lud mich zu sich nach Hause ein. Im Haus schenkte seine Frau mir Saft in einen Becher ein und gab mir frisches Wasser mit auf den Weg. Ich bedankte mich und fuhr zurück bis zu einer Kreuzung und von dort auf einem schnurgeraden Feldweg durch Petén. Fortan traf ich kaum noch Menschen, die mir Auskunft über die Strecke geben konnten. Einige sprachen von einem Wasserbecken.

Hitze, Stechfliegen und wuchernde Pflanzen erschwerten mein Fortkommen. Irgendwann erreichte ich das Wasserbecken, von dem mir berichtet worden war. Nachdem ich mein Fahrrad über eine Brücke aus Baumstämmen geschoben hatte, knickte der Weg ab und führte immer tiefer in einen Wald bis an ein Flussufer. Dunst hing über der Wasseroberfläche, auf der Wasserflöhe im Licht der untergehenden Sonne tanzten. Ich hängte meine Hängematte zwischen die Bäume, zündete ein paar Kerzen an und wartete auf die hereinbrechende Nacht.

Es raschelte und platschte, ein Waldtier schrie, Zikaden trommelten. Glühwürmchen leuchteten in der Dunkelheit. Der Mond schien von einem sternenklaren Himmel durch die Baumkronen. Aus der Ferne hörte ich das Bellen eines Hundes. Frühmorgens weckten mich Stimmen. Zwei Kekchí, Angehörige einer weiteren Maya-Ethnie, näherten sich mit ihrem Kanu und nahmen mich mit. Wir schifften eine Weile flussabwärts bis zu einer Biegung. Als sich in der Morgendämmerung der Fluss mit einem zweiten vereinigte, fuhren wir diesen ein Stück hinauf. Ein Steg ragte ins Wasser. Am Ufer tauchte im Nebel etwa ein Dutzend Schilfdächer auf.

(c) valentino 2018

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Amy Winehouse: Love Is A Losing Game (Song der Woche)

24. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Ausgewählt von Valentino.

Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 19. Teil

21. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Verlorene Lagune

Illustration: Valentino

Nachdem ich die Fähre von Puerto Barrios nach Livingston genommen hatte, charterte ich im Hafen ein Boot über den Río Dulce nach El Relleno. Mit dem Fahrrad erreichte ich am nächsten Morgen Toquelá, wo ich Tortillas, Frijoles und Spiegeleier frühstückte und mich mit schwarzem Kaffee wachhielt. Die Sonne ging rasch auf. Kurz hinter der Grenzstation Modesto Méndez gabelte sich der Weg. Ich nahm die asphaltierte Straße Richtung Flores, an deren Rändern ein Großteil des tropischen Waldes abgeholzt war.

Mittags rastete ich in San Luís. Ein Schild wies bald darauf auf das Ende des Asphalts hin. Fortan ging es auf einer staubigen Piste durch eine öde, fast menschenleere Landschaft. Kurz vor Canchacán überraschte mich ein Platzregen. Im Ort regnete es noch einmal, weshalb ich mich in einem Laden unterstellte. Als der Regen aufgehört hatte, fuhr ich mit dem Fahrrad über einige Steigungen und einer Abzweigung folgend bis zur Finca Ixobel. Tags darauf ging es mit dem Fahrrad bei Hitze und Staub über Poptún nach Flores – die letzten Kilometer auf der Ladefläche eines Pick-ups.

Unterwegs nach El Naranjo kam ich von der geplanten Route ab und gelangte an einen See, aus dem kahle Baumgerippe ragten. Feiner Sandstaub bedeckte die Blätter der Pflanzen am Wegesrand. Irgendwo hinter Sacpuy traf ich einen Mann auf einem Fahrrad. Er sagte, dass ich nicht auf dem Weg zur Finca San Joaquin sei, sondern nach Ojo de Agua. Allerdings würde ich auf diesem Weg Paso Caballos erreichen, von wo ich ein Boot nach El Naranjo chartern könnte. Also fuhr ich mit dem Fahrrad weiter und erreichte mittags die verlorene Lagune.

(c) valentino 2018

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Jimi Hendrix: Purple Haze (Song der Woche)

17. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Ausgewählt von Valentino.

Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 18. Teil

14. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Hochland-2

Illustration: Valentino

Ich verließ Sacapulas und fuhr mit dem Fahrrad durch die Berge und über einen Pass nach Cunén. Der Arzt in der Krankenstation gab mir kostenlose Medikamente gegen meine Bauchschmerzen. In der Herberge schlief ich früh ein. Bei einer Talfahrt am nächsten Morgen hatte ich eine Reifenpanne. Im Tal wechselte ich den Schlauch des Vorderrads und reparierte notdürftig den zerrissenen Felgenriemen. Kurz darauf fing es an zu regnen und der Schotterweg verwandelte sich in eine Schlammpiste. In Uspantán kaufte ich mir einen neuen Ersatzschlauch sowie Felgenriemen.

Aufgrund des schlechten Wetters blieb ich über Nacht in Chicamán und brach in der Früh auf. Der Weg führte über eine Brücke des Flusses Chixoy. Vögel schrien von den Baumwipfeln der bewaldeten Berghänge. Kurz vor San Cristóbal Verapaz ging es zum ersten Mal seit Tagen wieder über eine asphaltierte Straße bis nach Cobán. Zwei Arbeiter nahmen mich tags darauf auf ihrem Pick-up mit. Unterwegs passierten wir in der Hitze Tucurú und La Tinta. In Telemán setzten sie mich ab. Eine handtellergroße Spinne saß nachts an der Decke im Zimmer der Herberge.

Ich radelte bis ins Fischerdorf El Estor am See Izabal. Am nächsten Morgen nahm ich die Fähre nach Mariscos am Seeufer gegenüber. Von dort fuhr ich mit dem Fahrrad durchs heiße Motagua-Tal. Ein Verkäufer auf der anderen Straßenseite bot mir eine Kokosnuss an. Er öffnete sie mit der Machete, als ich mein Fahrrad über die Straße geschoben hatte. Abends erreichte ich Puerto Barrios am Karibischen Meer. Dort trank ich Bier mit den Einheimischen in einer Hafenkneipe.

(c) valentino 2018

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Janis Joplin: Summertime (Song der Woche)

10. August 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Ausgewählt von Valentino.