geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | siebter gesang | 181 bis 184

belmonte

siebter gesang

181 am ende îrer tage legte sie sich
von schwerer krankheit leid und elend bezwungen
zum sterben nieder hielt ajun an der hand
der saß an îrem bett und sah îr gesicht

182 er sagte nichts und hockte in sich geschlungen
an îrer seite suchte nach heil und fand
bloß îre kummernis so saß er sechs tage
und sechs nächte es bleibt nichmer unbesungen

183 keinen anlass aber hat ajun gekannt
anderes zu beginnen als zu ertragen
was anders konnte noch sein das wäre îm lieber
wann schunemydala leise worte fand

184 ajun kein jammern oder tränen der klage
und im verstehen war sein kindsein vorüber
als er auf der höhe îrer worte war
hatte er selbst darüber kein wort zu sagen

(c) belmonte 2014

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfter gesang | 121 bis 124

belmonte

fünfter gesang

121 während jaldabaoth sein urteil gesprochen
hatte über qud und nun von allen seiten
magunen in die stadt drangen und die bögen
zertrümmerten und hohen kuppeln sie krochen

122 in alle gebäude und schleiften die breiten
treppen verwüsteten die gärten und wege
dass nur säulen ohne gesims stehenblieben
wo nicht die säulen gestürzt und aufgereiht

123 lagen weit davon wars an satja gelegen
schunemydalas sohn ajun in den sieben
künsten zu unterrichten und îm die sichtbaren
und die unsichtbaren dinge auszulegen

124 doch er lehrte în nicht die inneren triebe
und auch vom jaldabaoth sagte er nichts
denn er spürte deutlich jaldabaoths macht
wachsen die auch seinem schüler eingeschrieben

(c) belmonte 2013

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schunemydalas tod | teil 2

belmonte

schunemydalas tod

2

fester noch fassen war nicht mehr abzuwenden
um schunemydalas leben hochzuhalten
sie wurde ganz schwach und lag im tode dann
hielt ajun sie fest in seinen kinderhänden

und wollte seine fingeru darum falten
îrer hände wann finger steife begann
blieb sechs tage sitzen und sechs nächte allein
bei seiner toten mutter über erkalten

nimmer wäre geschehnis in îr zu bannen
um welcher schuld um welcher strafe zum schein
hörte um ajun aus niemand lautes klagen
in schunemydalas toter nähe sammen

ajun war still sein mund über worten keine
was er in händen hielt konnte er nicht tragen
saß ruhig beugte sich zu malen vornüber
fand în am siebenten tage leise weinen

(c) belmonte 2012

„Schunemydalas Tod II“, Valentino, 2011, 40 x 30 cm, Aquarell und Bleistift auf Aquarellpapier