Brief an Alexander M. Neumann – Eine Spur aus dem Nichts

belmonte

Lieber Alexander,

ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr.

Deine Antwort (siehe hier …) hat mir die Augen geöffnet, und erfreulicherweise haben wir uns beim Autorentreffen des Brot & Kunst Verlag in Haßloch kurz vor Jahresende schon früher wiedergetroffen.

A Notorious Maniac? Oder eher A Never Mind? Ob das Wirkliche im falschen Zeichen durchscheint? Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß immer weniger, was dieses Wirkliche ist. Das, welches durchscheint? Das, dessen ich mir erst bewusst werde, wenn ich es verloren habe? Das verlorene Leben, nachdem es mich von dieser Welt fortgewischt hat? Das, was war, was ist, was sein wird, was alles zugleich waristwird?

Also uns verwischen? Was denn verwischen? Da ist doch nichts und ist doch nichts gewesen. Und wenn ich meine Haut einritze, spüre ich dann die Haut oder den Riss oder den Schmerz? Wer sagt mir, dass zumindest eines davon wirklich ist? Der Schmerz geht vorbei. Der Riss verheilt. Ist dann die Haut wieder unwirklich? Ist die Erinnerung an den Schmerz wirklich? Ich denke darüber nach und sehe nur den Schein hinter dem Schein und weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt sehe.

Schlag mir den Kopf ein, denn nur wenn Du das tust, erkennst Du an, dass ich einen Kopf habe. Töte mich, denn nur dann akzeptierst Du, dass ich ein wirkliches Leben war. Aber bald schwindet die Erinnerung, meine und Deine, dann verschwindet sogar der Schein dessen, was war. Kein Riss. Kein Schmerz. Und auch keine Haut mehr. Erase Your Face? Wenn da überhaupt jemals ein Face gewesen ist. Was ist denn das? Höchstens eine Abbildung des Ausradierten, das schon vorher nicht da war.

Ich habe immer mal wieder diese Nichts-Erfahrungen, habe darüber schon geschrieben (siehe hier …). Vielleicht ist darin eine Spur, die mich zu etwas führt – wenn ich bloß verstehe, dass dieses Etwas gar kein Etwas ist.

Vielen Dank für den Hinweis auf Atari Teenage Riot. Elektronische Musik back to the riots.

Herzliche Grüße,
belmonte

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Freddy Mork (Kumpanenporträt)

Zu Katharina Dücks bereits vor einiger Zeit auf vnicornis veröffentlichten Rezension von Freddy Morks Verlorenen Märchen folgt hier ein sehr sehenswertes Videoporträt.

Der Brot & Kunst Verlag freut sich nach wie vor über Bestellungen des Buches unter:

Verlorene Märchen von Freddy Mork im Brot & Kunst Verlag

Brief an ANM – Über die Anwesenheit in der Abwesenheit

belmonte

Lieber ANM,

bitte entschuldige, dass meine Antwort auf Deine Entgegnung so lange auf sich hat warten lassen. Ich bin dennoch hocherfreut, auf diesem Wege einen Anhänger der Beat Literature kennenzulernen. Ich bin nicht nur selbst ein großer Fan von Kerouac, Ginsburg, Cassady usf. Auf unserem Blog haben wir auch eine ganze Reihe von Kerouac-Büchern besprochen (z. B. hier und hier und hier). Allerdings gehe ich davon aus, dass On the Road oder Howl heutzutage komplett digital entstanden und publiziert worden wären. Cassadys und Kerouacs Briefe wären heute ellenlange Blogposts.

Für mich sind Anwesenheit und Abwesenheit keine Gegensätze. Ich kann nicht anwesend sein, ohne Abwesenheit mitzudenken und umgekehrt. Kerouacs Fahrten (und Bücher) waren eine ständige Suche nach Anwesenheit in der Abwesenheit der dunklen Nacht mit nichts als roten Rücklichtern vor Augen. Aus meiner Sicht wurde hier Digitalität im Analogen bereits vorgefühlt.

Ich möchte Dich gerne näher kennenlernen und tatsächlich an einen Tisch mit Stühlen umsteigen oder in einem Café über wer weiß welche Themen sprechen. Ich weiß nur einfach nicht, wo Du bist. Und immerhin haben wir uns hier über diesen Blog kennengelernt und Du hast nicht gewartet, bis wir uns bei einem Autorentreffen oder einer gemeinsamen Lesung von Brot & Kunst persönlich begegnen. Digitale Briefkultur funktioniert also wunderbar.

An der Briefkultur gefällt mir sehr das Auf-den-Anderen-Eingehen. Im Briefschreiben stelle ich mir den Anderen in seiner Abwesenheit vor und bringe ihn dadurch in Anwesenheit. Es ist wie eine geplante Ankunft, die im Lesen meines Briefes auf sich warten lässt, eine Ankunft, der ich durch meinen Brief bereits vorgreife, die ich geradezu vorwegnehme. Ich entwerfe förmlich Deine Anwesenheit. Meine Vermutung ist, dass sich das auch in digitaler Briefkultur erfahren lässt.

Wir beide kennen uns persönlich gar nicht, und tatsächlich kann ich in Deiner digitalen Antwort keinen Geruch wahrnehmen. Und dennoch gelingt es mir, Dich in meiner Antwort in vorläufige Anwesenheit zu bringen. Womöglich ist diese Anwesenheit, da sie durch kein Papier vermittelt ist, noch viel dringlicher, noch viel intensiver, da mich die digitale Leere noch mehr auffordert, Dich als eine Persönlichkeit in Anrede zu stellen. Nichts spricht gegen Theke und Kopfsteinpflaster. Ich denke nur nicht, dass das Digitale unpoetisch und leblos ist. In seiner Kälte fordert das Digitale die Poesie womöglich noch viel mehr ein.

Herzliche Grüße,
belmonte

belmonte: Junas Lob (Neuerscheinung im Brot & Kunst Verlag)

In eigener Sache:

Soeben ist im Brot & Kunst Verlag belmontes Versepos Junas Lob erschienen. Leseprobe siehe https://www.brotundkunst.com/junaslob.

belmonte: Junas Lob

belmonte: Junas Lob

Verleger und Autor freuen sich über Direktbestellungen beim Verlag, der noch viele andere Perlen bereithält.

Zusammen mit dem Lyrikmagier Manuel Beck hatte belmonte am 1. März 2018 die Gelegenheit, einige Lieder aus Junas Lob bei der Literaturvilla-Lesung im Herrenhof (Mußbach, Neustadt an der Weinstraße) vorzutragen.

Literaturvilla im Herrenhof - Rheinpfalz - 3. März 2018

Literaturvilla im Herrenhof – Rheinpfalz – 3. März 2018