Brief an die kreative Kumpanei – Roadtrip, Kammerspiel oder eine Allegorie?

Liebe Kumpane des seriellen Schreibens,

unser Projekttreffen im CentroLingue Leonardo Da Vinci in Heidelberg ist nun zwei Wochen her, und langsam fangen sich bei mir die Ideen zu setzen an.

Was ist seitdem geschehen?

Florian hat ein Serien-Logo entworfen und auf den Seiten von Brot & Kunst ein internes Forum eingerichtet, in dem wir unsere Ideen weiter ausarbeiten und diskutieren können, bevor wir uns vor der Sommerpause erneut treffen.

Brot und Kunst in Serie

Brot & Kunst in Serie

Wichtig ist in der Zwischenzeit die Entwicklung dreier Loglines, von denen wir dann eine auswählen (womöglich über eine Umfrage?) und daraus einen Plot für die erste Staffel erarbeiten. Florian hat hierzu drei Optionen vorgeschlagen, einen Roadtrip, ein Kammerstück und eine Allegorie. Schaut sie Euch im Forum an. Zum Roadtrip habe ich eine Logline angesetzt, die aus meiner Sicht aber noch einen Antagonisten benötigt. Habt Ihr Ideen?

Ich finde übrigens noch immer den Einfall gar nicht schlecht, dass wir aus unseren eigenen Werken jeweils eine Figur herausnehmen (z. B. Captain Mania oder Rosko oder die Fee oder den Kleinwüchsigen) und diese nach Art der Avengers auf die Welt loslassen. Vielleicht lässt sich dadurch ein junges Publikum ansprechen. Oder wir machen genau daraus ein Kammerspiel.

Es ist gut, dass wir uns voraussichtlich zuerst einmal auf einen linearen Plot fokussieren. Im zweiten Schritt denke ich allerdings, dass es sinnvoll wäre, auch über eine nicht-lineare Erzählweise nachzudenken. Aus meiner Sicht zeichnet sich moderne Epik vor allem durch Nicht-Linearität aus, wie zum Beispiel Miljenko Jergovićs Die unerhörte Geschichte meiner Familie oder Maria Stepanovas Nach dem Gedächtnis zeigen.

Ich beende bald den ersten Band von George R. R. Martins Lied von Eis und Feuer und finde die strikt lineare Erzählweise mehr und mehr beschwerlich, je weiter ich zum Ende komme. Ich möchte von Literatur gefordert, nicht unterfordert werden. Wahrscheinlich wird aber die Masse der Leser durch nicht-lineare Erzählweise noch nicht genügend abgeholt.

Lasst uns darüber gerne im Forum oder hier unten in den Kommentaren diskutieren.

Ich kann Euch noch folgenden Podcast empfehlen, der zwar schon etwas älter ist, den ich aber nach wie vor aktuell finde:

https://www.drehbuchautoren.de/podcast/2012-11-18/innovatives-erzaehlen-in-der-modernen-tv-serie

Herzliche Grüße,
belmonte

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Brief an die kreative Kumpanei – Serielles Schreiben

Liebe Freundinnen und Freunde der kreativen Kumpanei,

unser Brot & Kunst-Projekttag zum seriellen Schreiben am 12. Mai rückt näher, und ich würde Euch gerne einladen, Euch vorab Gedanken zu machen und Ideen zu sammeln.

Was wollen wir an dem Tag erreichen? Wie wollen wir als AutorInnen zusammenfinden? Wie schaffen wir es, als Einzelpersonen mit sehr individuellen Eigenheiten aufeinander zuzugehen und einander künstlerisch zuzuhören? Ich bin gespannt. Zumindest mir fiel das in der Vergangenheit nicht immer einfach.

Ich erfinde gerne Personen und denke mir zu ihnen kurze Storylines aus, sogenannte Loglines. Es gibt hierzu ziemlich gute Anleitungen in Netz, meistens an TV- und Filmdrehbuchschreiber gerichtet. 10 Tips for Writing Loglines oder How to write a logline finde ich sehr eingängig.

Daneben gibt es eine Reihe von gelungenen Podcasts, die sich mit Loglines beschäftigen. Ich habe zum Beispiel den Podcast It’s All About Your Loglines mit Felicity Wren und Max Timm mit Gewinn gehört. Hier werden sehr schön die vier wesentlichen Ziele einer Person in einer Geschichte erläutert, nämlich etwas wiederzufinden, etwas aufzuhalten, etwas zu erlangen oder etwas zu überwinden (0:31:45). Darüber hinaus erläutert Max Timm die von ihm verwendete Logline-Vorlage:

„When this happens to this type of character then this 2nd act adventure type of obstacle comes into play – and he or she is forced to deal with it – until – and then the until is kind of that either midpoint 2nd act or even low point at the end of the 2nd act twist, some kind of a complication, something changes now, we need to be going in a different direction.” (0:35:00)

Versucht es doch mal und schreibt ein paar Loglines in den Kommentar, und wir können daran bei unserem Projekttreffen arbeiten.

Ich werde für den Projekttag Flipcharts und genügend Post-its besorgen. Wir werden also ziemlich viel mit unseren Ideen um uns werfen. Ich freue mich sehr, dass es endlich losgeht.

Herzliche Grüße,
belmonte

Beispiele:

Nach einem Streit beschließt eine schüchterne Diplomatentochter, aus sich heraus zu gehen und sich gegen ihren herrschsüchtigen Vater aufzulehnen, und löst einen Atomkrieg aus.

Als seine Eltern nach dem tragischen Tod seines jüngeren Bruders allen Lebensmut verlieren, wächst ein grüblerischer Jugendlicher über sich hinaus und übernimmt Verantwortung für die Familie – bis er ein schreckliches Geheimnis entdeckt, dass ihm den Boden unter den Füßen entzieht.

Ein bosnischer Arzt zieht nach Wien und verliebt sich in einen hohen Beamten der Staatsverwaltung, der im Verdacht steht, eine Barsängerin umgebracht zu haben. Nach einer Woche ausschweifender Feiern und Liebesnächte verschwindet der Beamte urplötzlich. Kurz darauf wird der österreichische Thronfolger in Sarajevo erschossen.

Ein haltloser Jugendlicher, der die vergangenen Jahre in Erziehungsheimen verbracht hat, kommt nach Berlin und inspiriert mit seinen Litaneien eine Gruppe von Literaten zu einer ganz neuen Literatur. Er hält es nicht lange in Berlin aus und beginnt, wie ein zügelloses Pferd kreuz und quer über den Kontinent zu rasen. Einige, die ihn begleiten, gehen an ihm zugrunde.

(c) belmonte 2019

Brief an Alexander M. Neumann – Eine Spur aus dem Nichts

belmonte

Lieber Alexander,

ich wünsche Dir ein gutes neues Jahr.

Deine Antwort (siehe hier …) hat mir die Augen geöffnet, und erfreulicherweise haben wir uns beim Autorentreffen des Brot & Kunst Verlag in Haßloch kurz vor Jahresende schon früher wiedergetroffen.

A Notorious Maniac? Oder eher A Never Mind? Ob das Wirkliche im falschen Zeichen durchscheint? Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß immer weniger, was dieses Wirkliche ist. Das, welches durchscheint? Das, dessen ich mir erst bewusst werde, wenn ich es verloren habe? Das verlorene Leben, nachdem es mich von dieser Welt fortgewischt hat? Das, was war, was ist, was sein wird, was alles zugleich waristwird?

Also uns verwischen? Was denn verwischen? Da ist doch nichts und ist doch nichts gewesen. Und wenn ich meine Haut einritze, spüre ich dann die Haut oder den Riss oder den Schmerz? Wer sagt mir, dass zumindest eines davon wirklich ist? Der Schmerz geht vorbei. Der Riss verheilt. Ist dann die Haut wieder unwirklich? Ist die Erinnerung an den Schmerz wirklich? Ich denke darüber nach und sehe nur den Schein hinter dem Schein und weiß noch nicht einmal, ob ich überhaupt sehe.

Schlag mir den Kopf ein, denn nur wenn Du das tust, erkennst Du an, dass ich einen Kopf habe. Töte mich, denn nur dann akzeptierst Du, dass ich ein wirkliches Leben war. Aber bald schwindet die Erinnerung, meine und Deine, dann verschwindet sogar der Schein dessen, was war. Kein Riss. Kein Schmerz. Und auch keine Haut mehr. Erase Your Face? Wenn da überhaupt jemals ein Face gewesen ist. Was ist denn das? Höchstens eine Abbildung des Ausradierten, das schon vorher nicht da war.

Ich habe immer mal wieder diese Nichts-Erfahrungen, habe darüber schon geschrieben (siehe hier …). Vielleicht ist darin eine Spur, die mich zu etwas führt – wenn ich bloß verstehe, dass dieses Etwas gar kein Etwas ist.

Vielen Dank für den Hinweis auf Atari Teenage Riot. Elektronische Musik back to the riots.

Herzliche Grüße,
belmonte

Brief an ANM – Über die Anwesenheit in der Abwesenheit

belmonte

Lieber ANM,

bitte entschuldige, dass meine Antwort auf Deine Entgegnung so lange auf sich hat warten lassen. Ich bin dennoch hocherfreut, auf diesem Wege einen Anhänger der Beat Literature kennenzulernen. Ich bin nicht nur selbst ein großer Fan von Kerouac, Ginsburg, Cassady usf. Auf unserem Blog haben wir auch eine ganze Reihe von Kerouac-Büchern besprochen (z. B. hier und hier und hier). Allerdings gehe ich davon aus, dass On the Road oder Howl heutzutage komplett digital entstanden und publiziert worden wären. Cassadys und Kerouacs Briefe wären heute ellenlange Blogposts.

Für mich sind Anwesenheit und Abwesenheit keine Gegensätze. Ich kann nicht anwesend sein, ohne Abwesenheit mitzudenken und umgekehrt. Kerouacs Fahrten (und Bücher) waren eine ständige Suche nach Anwesenheit in der Abwesenheit der dunklen Nacht mit nichts als roten Rücklichtern vor Augen. Aus meiner Sicht wurde hier Digitalität im Analogen bereits vorgefühlt.

Ich möchte Dich gerne näher kennenlernen und tatsächlich an einen Tisch mit Stühlen umsteigen oder in einem Café über wer weiß welche Themen sprechen. Ich weiß nur einfach nicht, wo Du bist. Und immerhin haben wir uns hier über diesen Blog kennengelernt und Du hast nicht gewartet, bis wir uns bei einem Autorentreffen oder einer gemeinsamen Lesung von Brot & Kunst persönlich begegnen. Digitale Briefkultur funktioniert also wunderbar.

An der Briefkultur gefällt mir sehr das Auf-den-Anderen-Eingehen. Im Briefschreiben stelle ich mir den Anderen in seiner Abwesenheit vor und bringe ihn dadurch in Anwesenheit. Es ist wie eine geplante Ankunft, die im Lesen meines Briefes auf sich warten lässt, eine Ankunft, der ich durch meinen Brief bereits vorgreife, die ich geradezu vorwegnehme. Ich entwerfe förmlich Deine Anwesenheit. Meine Vermutung ist, dass sich das auch in digitaler Briefkultur erfahren lässt.

Wir beide kennen uns persönlich gar nicht, und tatsächlich kann ich in Deiner digitalen Antwort keinen Geruch wahrnehmen. Und dennoch gelingt es mir, Dich in meiner Antwort in vorläufige Anwesenheit zu bringen. Womöglich ist diese Anwesenheit, da sie durch kein Papier vermittelt ist, noch viel dringlicher, noch viel intensiver, da mich die digitale Leere noch mehr auffordert, Dich als eine Persönlichkeit in Anrede zu stellen. Nichts spricht gegen Theke und Kopfsteinpflaster. Ich denke nur nicht, dass das Digitale unpoetisch und leblos ist. In seiner Kälte fordert das Digitale die Poesie womöglich noch viel mehr ein.

Herzliche Grüße,
belmonte

belmonte: Junas Lob (Neuerscheinung im Brot & Kunst Verlag)

In eigener Sache:

Soeben ist im Brot & Kunst Verlag belmontes Versepos Junas Lob erschienen. Leseprobe siehe https://www.brotundkunst.com/junaslob.

belmonte: Junas Lob

belmonte: Junas Lob

Verleger und Autor freuen sich über Direktbestellungen beim Verlag, der noch viele andere Perlen bereithält.

Zusammen mit dem Lyrikmagier Manuel Beck hatte belmonte am 1. März 2018 die Gelegenheit, einige Lieder aus Junas Lob bei der Literaturvilla-Lesung im Herrenhof (Mußbach, Neustadt an der Weinstraße) vorzutragen.

Literaturvilla im Herrenhof - Rheinpfalz - 3. März 2018

Literaturvilla im Herrenhof – Rheinpfalz – 3. März 2018