geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 441 bis 444

belmonte

sechzehnter gesang

441 und nichts das draußen wär oder wäre drinnen
nichts das je aus dem meer wieder ausgespuckt
das erste licht aber ist das licht des lichtes
und es wirft keinen schatten und hat kein innen

442 und außen und obwohl es uns alle schmückt
seh ich dich und mich im selben angesicht
ich habe das licht schon vor dem licht gesehen
ich bin schon vor dem sprechen ins licht gerückt

443 und auch du hast die spur erkannt vor dem nichts
und musstest bloß in der dunkelheit bestehen
und zugänge finden wo kein ort mehr ist
kein körper fiele unter seinem gewicht

444 also kannstu ins vorgesprochene gehen
wo das vor in ewigkeit zu keiner frist
wie aber vermeiden zu sprechen wenn schweigen
auch ein sprechen ist um die spur auszusäen

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | fünfzehnter gesang | 409 bis 412

belmonte

fünfzehnter gesang

409 auf wen haben wir gewartet im getöse
wann jaldabaoth diese hochstatt verflucht
dein kommen ist aus langer hoffnung die lichter
zu sammeln und aus der dunkelheit zu lösen

410 wie geschrieben ist im verlorenen buch
die in den höhlen über qud dem vernichter
entkamen lebten in der erkenntnis um
auf den zu warten gegen den der versucher

411 wie înen verheißen war nichts auszurichten
vermochte und als sie în sahen verstummte
îre angst denn der auf dem füllen kam brachte
das licht die lichter heimzuholen wer nicht

412 gefunden wurde blieb in dunkelin unterm
sand die aber gerettet wurden erwachten
aus langem schlaf und als die verheißung mit
dem schicksal kämpfte und es endlich hinunter

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | dreizehnter gesang | 357 bis 360

belmonte

dreizehnter gesang

357 die dunkelheit hatte în längst eingefangen
dass er die vision des bösen um sich sah
und über sich und während noch satja tala
in den büßerhain brachte und es nicht lange

358 dauerte bis sie dort îren sohn gebar
folgte ajun endlich seinem irresal
mahendra der über dem büßerhain stand
sah aber wie sich das dunkle flügelpaar

359 über ajun schloss wie eine dunkle schale
sah wie ajun in die dunkelheit gebannt
wurde wo die magunen die lichter hassen
und es war mahendra zur furchtbaren qual

360 um wes ajun sich von tala abgewandt
und sie in der kummernis zurückgelassen
hat darüber war seine malediktion
die fortan wie ein bann über tala stand

(c) belmonte 2016

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Hermeneutik des ewigen Nichts

hermeneutik des ewigen nichts

Hermeneutik des ewigen Nichts

Hermeneutik des ewigen Nichts / Foto: belmonte

ich bin in das dunkle getreten das alles auslöscht der große schlaf der alles schluckt ich habe geschlafen und erinnere mich nicht an den schlaf der mich ausgelöscht hat so ist totsein ewiges schlafen kein schlafen mehr wenn ich aufwache komme ich von nirgendwoher und bin aus dem nichts denn ich war im nichts und war nichts und ewiges totsein ist weniger als dunkelheit wenn dunkelheit das gegenteil von licht und wenn ich dunkelheit denke denke ich licht aber im nichts ist auch die dunkelheit ausgelöscht wenn die dunkelheit erst verschluckt vom ewigen nichts und ich mich nicht mehr erinnere und aufwache aus der ewigkeit und nirgendwo war und wach liege und mich an nichts mehr erinnere und von der ewigkeit nur eine spur übrigbleibt die ich nicht sehen kann und was ich davon sehe ist selbst nur eine spur und vom totsein habe ich nur eine spur die mich nirgendwo hinführt und ich liege wach bevor sich meine aufmerksamkeit wieder verdunkelt in eine dunkelheit die es nicht gibt und ich bin noch wach aber vor mir starrt mich eine ewigkeit an die ich nicht sehen kann und näher und näher kommt mich zu verschlucken und davor habe ich angst dass ich verschluckt werde von einem nichts das noch weniger ist als dunkelheit und habe angst aus diesem nichts nicht wieder ausgespuckt zu werden und im ewigen totsein an das ich mich nicht erinnere keine spur zu finden die mich aus der ewigkeit führt und wenn ich verschluckt werde und noch sehe wie ich die augen schließe und ich mich in nichts auflöse dann ist auch die angst weg und dann ist das spüren weg und das erinnern und ich möchte lieber in der dunkelheit liegen und an das licht denken als verschluckt zu werden und nicht mehr zu liegen und nicht mehr dunkel und nicht mehr nichts an das ich mich nicht erinnere und wenn ich wach bin und eine spur von einer spur habe will ich keine ewigkeit die ein ewiges totsein ist das in sich selber zusammengefallen ist und wenn ich wach bin und mich nicht an gestern erinnere und nicht an heute dann ist dieses nichts schon da das mich schon verschluckt hat denn ich bin der spur gefolgt die zum nichts und zum ewigen totsein geführt hat bis ich die augen – für immer schließe

(c) belmonte 2016

Der Text ist während eines KAMINA-Workshops für kreatives Schreiben entstanden, den Katharina Dück am 29. April 2016 im Marstall-Lesecafé in Heidelberg geleitet hat.

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | elfter gesang | 285 bis 288

belmonte

elfter gesang

285 ajun sah nicht wie sich auf der andern seite
ein verborgenes tor öffnete verdeckt
unter sträuchern und massigem fels daraus
erschien satja der den kopf hob und sich zeit

286 ließ ajun zu erreichen erst spät erblickte
der seinen lehrer und satja sah das grausen
in ajuns augen und sagte also seid
îr wieder hier obwohl ich euch fortgeschickt

287 ajun fragte în warum müssen wir draußen
bleiben tala und ich haben einen weiten
weg hinter uns satja antwortete îm
was du wissen willst erzähle ich dir außerhalb

288 des hains aber ob du dazu schon bereit
bist weiß ich nicht wäret îr doch fortgeblieben
jetzt folge mir wir gehen zur alten quelle
die fast schon versiegt ist in der dunkelheit

(c) belmonte 2015

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Zehnter Teil

valentino

Lichtung

Illustration: Valentino

Über dem Gras auf der Lichtung hingen Nebelschwaden, die sich alsbald aufgelöst hatten. Wolken türmten sich auf. An manchen Stellen brach durch die Wolkendecke das rote Licht der Abendsonne und blendete Cecilia. Sie saß auf einer Steinbank unter dem Dach der Rotunde, das sie vor einem lang anhaltenden Regenguss geschützt hatte. Unter den Arkaden hatten Steinmetze vor langer Zeit Gesichter an den Kapitellen und Figuren an einigen Säulen eingemeißelt, die Cecilia auf dem nun brüchigen und mit Spinnweben behangenen Sandstein betrachtete.

Die Dunkelheit brach herein. Beidseitig bauten sich Wände aus Laub auf. Dazwischen lief Cecilia in die eine, nach einer jähen Biegung in die andere Richtung, wählte diese, mal jene Abzweigung und drang tiefer in den Irrgarten vor. Sie glaubte, als sie eine Weile einem stärker werdenden Geruch nach Schwefel folgte, sie gelangte an einen Ort im Labyrinth, an dem sie zuvor nicht gewesen war. An dieser Stelle ergoss sich heißes Wasser von einem Felsen in ein dampfendes Becken, aus dem sich über einen schmalen Kanal der Schlossteich speiste. Dicht über der Wasseroberfläche leuchtete ein kleines, sich im trüben Gewässer spiegelndes Licht.

Cecilia stieg die Stufen einer Treppe hinab und betrat einen gewölbten Gang. In seiner lehmigen Wand befanden sich hier und da Nischen. Es muss tief in der Nacht gewesen sein, als sie nach einem langen Irrgang in dem haushohen Gewölbe eintraf. In der Mitte des Raumes zuckte in einer erdigen Mulde ein etwa menschengroßer, weißer Leib unter einer spinnwebartigen, zähen Hülle. Cecilia lief ein Schauer über den Rücken und sie rannte erschrocken aus dem Bogenraum zurück in das Geflecht aus Gängen.

(c) valentino 2012

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | zweiter gesang | 45 bis 48

belmonte

zweiter gesang

45 dort konntest du schon früher die kälte spüren
als deine mutter dich noch hinauf getragen
und du îre milch getrunken hast und aller
deiner brüder glanz und deines vaters zier

46 wurdest und schön gekleidet an hohen tagen
als die strâlen der himmel auf dich gefallen
sind in dem licht warst du selbst der hellste schein
wer wusste da schon welcher weg dich zu schaden

47 führte wer konnte die dunkelheit die bald
die berge bedeckte sehen wann die reine
luft aufgesogen wurde von den verschlungenen
gipfeln wo einst der wind das gras auf den kalten

48 ebenen niedergedrückt da ist jetzt keiner
mehr nur füchse wenn die nacht herab gesunken
und es noch kälter wird auf den unbewohnten
hängen peitscht der schnee über die nackten steine

(c) belmonte 2012

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | zweiter gesang | 33 bis 36

belmonte

zweiter gesang

33 aus dunkelheit aber wurde licht geholt
wenn auch kein gleiches hellwerden ausgetan
als dunkelheit sich gegen das licht gestemmt
hat licht in dunkel dunkelheit licht gestohlen

34 in allem überschwang der äonen waren
die ränder in leuchten aber in der fremden
schleierhaften tiefe merkte ich ein kriechen
und schwirren vor meinen augen aufgetan

35 etlicher sphärin sah ich die ungehemmten
geister der toten flüchtige sêlen wichen
mir nicht von der seite um an mir zu nagen
aber sie waren nur wie der wind und stimmten

36 den lufthauch an der über mein gesicht strich
ich sah sêlen die in baumstämmen geschlagen
auf dem boden da lagen und darauf warteten
in flammen aufzugehn darin zu zerbrechen

(c) belmonte 2012

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 1 bis 4

belmonte

erster gesang

1 diese ist die geheimschrift des iohanan
vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht
verborgene worte wer sie je gehört
gesang der nicht gefunden wurde im sand

2 dies ist das buch aus dem verlorenes spricht
wiedergefundenes durch die himmel fährt
aus blauen flammen die in die höhe schlugen
blauernes feuer wanns aus der erde bricht

3 aus zeiten engel über den göttern währten
götter sich aus den steinen der götzen trugen
und füchse und biber mit den menschen sprachen
feuervögel îrer flügel himmel kehrten

4 meer aus flüssen stieg über meere wogen
gebirge sich erhoben aus heißer rachen
und schlangen aus denen sieben köpfe fuhren
tage und nächte um nacht und tag betrogen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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