geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | sechzehnter gesang | 441 bis 444

belmonte

sechzehnter gesang

441 und nichts das draußen wär oder wäre drinnen
nichts das je aus dem meer wieder ausgespuckt
das erste licht aber ist das licht des lichtes
und es wirft keinen schatten und hat kein innen

442 und außen und obwohl es uns alle schmückt
seh ich dich und mich im selben angesicht
ich habe das licht schon vor dem licht gesehen
ich bin schon vor dem sprechen ins licht gerückt

443 und auch du hast die spur erkannt vor dem nichts
und musstest bloß in der dunkelheit bestehen
und zugänge finden wo kein ort mehr ist
kein körper fiele unter seinem gewicht

444 also kannstu ins vorgesprochene gehen
wo das vor in ewigkeit zu keiner frist
wie aber vermeiden zu sprechen wenn schweigen
auch ein sprechen ist um die spur auszusäen

(c) belmonte 2018

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Hermeneutik des ewigen Nichts

hermeneutik des ewigen nichts

Hermeneutik des ewigen Nichts

Hermeneutik des ewigen Nichts / Foto: belmonte

ich bin in das dunkle getreten das alles auslöscht der große schlaf der alles schluckt ich habe geschlafen und erinnere mich nicht an den schlaf der mich ausgelöscht hat so ist totsein ewiges schlafen kein schlafen mehr wenn ich aufwache komme ich von nirgendwoher und bin aus dem nichts denn ich war im nichts und war nichts und ewiges totsein ist weniger als dunkelheit wenn dunkelheit das gegenteil von licht und wenn ich dunkelheit denke denke ich licht aber im nichts ist auch die dunkelheit ausgelöscht wenn die dunkelheit erst verschluckt vom ewigen nichts und ich mich nicht mehr erinnere und aufwache aus der ewigkeit und nirgendwo war und wach liege und mich an nichts mehr erinnere und von der ewigkeit nur eine spur übrigbleibt die ich nicht sehen kann und was ich davon sehe ist selbst nur eine spur und vom totsein habe ich nur eine spur die mich nirgendwo hinführt und ich liege wach bevor sich meine aufmerksamkeit wieder verdunkelt in eine dunkelheit die es nicht gibt und ich bin noch wach aber vor mir starrt mich eine ewigkeit an die ich nicht sehen kann und näher und näher kommt mich zu verschlucken und davor habe ich angst dass ich verschluckt werde von einem nichts das noch weniger ist als dunkelheit und habe angst aus diesem nichts nicht wieder ausgespuckt zu werden und im ewigen totsein an das ich mich nicht erinnere keine spur zu finden die mich aus der ewigkeit führt und wenn ich verschluckt werde und noch sehe wie ich die augen schließe und ich mich in nichts auflöse dann ist auch die angst weg und dann ist das spüren weg und das erinnern und ich möchte lieber in der dunkelheit liegen und an das licht denken als verschluckt zu werden und nicht mehr zu liegen und nicht mehr dunkel und nicht mehr nichts an das ich mich nicht erinnere und wenn ich wach bin und eine spur von einer spur habe will ich keine ewigkeit die ein ewiges totsein ist das in sich selber zusammengefallen ist und wenn ich wach bin und mich nicht an gestern erinnere und nicht an heute dann ist dieses nichts schon da das mich schon verschluckt hat denn ich bin der spur gefolgt die zum nichts und zum ewigen totsein geführt hat bis ich die augen – für immer schließe

(c) belmonte 2016

Der Text ist während eines KAMINA-Workshops für kreatives Schreiben entstanden, den Katharina Dück am 29. April 2016 im Marstall-Lesecafé in Heidelberg geleitet hat.

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | siebter gesang | 177 bis 180

belmonte

siebter gesang

177 îr glanz war noch aus licht das alles erhellte
wann sie auch dieses licht nichmer selber war
îr erster gedanke aber den der glanz
des lichtes zu einem hellen schweifstern schwellte

178 erbat sich von dem licht erkenntnis und wahrheit
und ewigkeit zu viert wurden sie der kranz
des vierfachen äons der sich als der erste
mensch aus dem einen licht gesalbt offenbarte

179 die weisheit schaute în lange an und fand
în vollkommen dass sie în darum begehrte
als sie das vollkommene bild seines lichtes
sah dessen vierfacher schein sich îr zuwandte

180 bis dahin ging was ajun von satja hörte
allein vom dunkelen hörte er noch nichts
und doch konnte schunemydala den dunklen
teil in ajun schon sehen der sie verzehrte

(c) belmonte 2014

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 17 bis 20

belmonte

erster gesang

17 jäh beginnt da die kahle erde zu beben
über mir tun sich die himmel auf ich bin
von angst und zittern erfasst und falle nieder
in das licht der da jetzt steht gibt mir mein leben

18 wieder und spricht ich bin der vor anbeginn
schon da war niemals war ich von dir geschieden
ich bin durch den alles seiende ist ohne
mich ist nichts das war oder wird aus mir sind

19 die sichtbaren und die unsichtbaren glieder
erhebe dich dass lehre vom gottessohn
und erkenntnis dir werde von einer anderen
zeiten ewigkeit in der das licht nicht wider

20 im schatten sich spiegelt der weisheit zu hœhnen
viel hast du gelernt und warst doch außer stande
den ganzen menschen zu sehen und den tiefen
gang durch das dunkle reich wo die sêlen stöhnen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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