Unterwegs zu Cecilia | Neunter Teil

valentino

Illustration: Valentino

Nachdem ich San Mateo verlassen hatte, fuhr ich auf direktem Weg durch die Hochebene zurück nach Huehue. Aus dem Busfenster blickte ich auf Häuser aus Adobe, Lehmziegeln, die entweder vereinzelt oder als Haufen in der nebligen Ebene auftauchten. Das trübe Tageslicht war bereits erloschen, als der Bus in der rauen Steppe bei einer Raststätte am Straßenrand hielt.

Die gezackte Silhouette der Berge zeichnete sich im milchigen Mondlicht am Horizont ab. Darüber war der Nachthimmel sternenklar. Der Gedanke an meine Rückfahrt machte mich wehmütig. Es war mir nicht klar, ob ich Narcisa jemals wiedersehen würde. Ich betrat die Raststätte. Ein Geruch nach Gebratenem füllte den Speiseraum. Zum Abendbrot gab es schwarze Bohnen, Eier und Tortillas. Nach dem Essen machten wir uns wieder auf den Weg.

Unterwegs bekam ich Fieber, das durch einen Infekt ausgelöst worden war, den ich mir in San Mateo eingefangen hatte. Als wir noch vor Sonnenaufgang in Huehue eintrafen, bereitete mir jede Bewegung Schmerzen. Nachdem ich körperlich wieder gesund war, litt mein Geist noch eine ganze Weile unter den Folgen der Erkrankung. Am späten Vormittag besorgte ich mit letzter Kraft Medikamente aus der Apotheke.

(c) valentino 2021

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Vierter Teil

valentino

Kirche in Nahualá

Illustration: Valentino

Es regnete. Felipe aus Chichicastenango nahm mich mittags in seinem Pick-up mit. In Los Encuentros musste er abbiegen und ließ mich deshalb aussteigen. Ich fuhr mit dem Fahrrad weiter durch den stärker werdenden Regen und erreichte völlig durchnässt Nahualá. Im Ort lebten die Quiché, eine von Guatemalas zahlreichen Ethnien – eine andere große Maya-Sprachgruppe waren die Mam. Einige der indigenen Hochlandbewohner sprachen kaum oder gar kein spanisch. Der Regen ließ nach. Ich schob mein Fahrrad an Pfützen vorbei durch Rinnsale und aufsteigenden Nebel.

Kinder umringten mich. In der Nähe des Marktplatzes stellte ich mein Fahrrad gegen eine Hauswand. Der Regen hatte zwar aufgehört, aber die Luft war sehr feucht. Ich fragte einen Mann nach einer Unterkunft. Er deutete auf ein Haus bei der Kirche. Ich klopfte an die Tür. Ein Mädchen öffnete. Als ich nach einem Zimmer für die Nacht fragte, holte es seine Mutter, die mir einen kleinen Raum mit Bett vermietete. Ich zog die nasse Kleidung aus und hängte sie zum Trocknen auf. Die Dusche war kalt, da der Durchlauferhitzer fehlte. Ich fror und fühlte mich krank. In der Nacht bekam ich Fieber.

Am nächsten Morgen verließ ich Nahualá. Das Fieber schwächte mich noch immer. Ich hatte kaum Kraft zum Fahrradfahren. Am Ortsausgang wartete ich an der Hauptstraße zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf den Bus nach Quetzaltenango (kurz: Xela). Irgendwann hielt anstelle des erwarteten Busses ein Lastwagen, auf dessen Ladefläche Männer mit Macheten auf dem Weg zu ihren Milpas, ihren Maisfeldern, und einige Frauen mitfuhren. Der Fahrer lenkte das Fahrzeug auf der Bergstraße nach Xela schnell und geschickt an zahlreichen Schlaglöchern und senkrechten Abgründen vorbei.

(c) valentino 2016

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 5 bis 8

belmonte

erster gesang

5 wann schweigen war verborgener worte wachen
rief mich arimanius meiner sêle schnüren
auf meinem weg hinauf zum tempel von über
von unter schon hörte ich în weithin lachen

6 als ich în dort sah wurde mir eises friern
und taumel arimanius sah mich im fieber
und rief wo ist dein lehrer auf dich zu schauen
wo ist er hin der nicht vermochte zu führen

7 ist er nicht hier wurde er denn ausgetrieben
sag mir doch die statt wo er steckt den genauen
ort oder kennst du nicht sein bitteres los
wenn du dich doch seiner sache so verschrieben

8 zur irre gebracht dem wolltest du vertrauen
und hast nicht darauf gesehen welchen stoß
er gestoßen wurde ins ewige vergessen
dahin wo keiner dringt ins dämmernde grauen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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