Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Neunter Teil

valentino

Illustration: Valentino

Cecilias Haus lag am Rande einer Siedlung. Im Garten wuchsen Früchte und Nüsse. Nachdem sie Blätter und Zweige der Indigopflanze in einem Tongefäß mit Wasser und gelöschtem Kalk eingeweicht hatte, entfernte sie grobe Pflanzenteile, indem sie die Flüssigkeit durch einen Filter in ein anderes Gefäß goss. Die restlichen festen Teilchen schwemmte sie hierin auf. Danach rührte und belüftete sie den Sud, bis dieser eine blaue Farbe angenommen hatte.

Nach dem Trocknen zerrieb sie das Indigopigment und ein filziges weißes Tonmineral mit der Handwalze auf dem Mahlstein und erhitzte alles zusammen mit dem Harz des Kopalbaums in einem Topf über dem Feuer. Die Nachmittagssonne schien von einem teils wolkenbedeckten Himmel. Cecilia hatte vergessen, wann und weshalb sie an den Ort gekommen war, an dem sie sich jetzt befand. Paläste und Tempel aus Kalkstein standen auf mehreren Hügeln in der Umgebung. Am anderen Ende der Siedlung fußten weitere Tempelgebäude auf einer Anhöhe. Hinter den Bauwerken fiel das Flussufer steil ab.

Cecilia trat aus dem Schatten eines Baumes und überquerte einen Platz. Sie stieg mit der mit Farbe gefüllten Dreifußschale aus Ton in der Hand die Steinstufen der Treppe hinauf, streifte den Vorhang beiseite und betrat einen kühlen Raum. Vor ihr breitete sich ein noch unfertiges Fresko aus, das über die gesamte Wandbreite konzipiert war: Vor einem türkisfarbenen Hintergrund blies ein Musiker eine Trompete. Um den sitzenden Maisgott tanzte der Windgott – eine menschliche Figur mit tierhafter Schnauze, krebsartigen Greifarmen und einem Tentakel als Bein. Cecilia übergab die Farbschale dem Künstler. Dieser stellte sie wortlos auf dem Steinboden ab und setzte, nachdem Cecilia den Raum wieder verlassen hatte, sein Werk fort.

(c) valentino 2017

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Seiten aus dem Skizzenbuch | 5

(c) valentino 2017

Die Entstehung eines Aquarells | 6

valentino

Ich teile das Bild in mehrere Bereiche: Drei Figuren befinden sich im Vordergrund, den Hintergrund male ich von links nach rechts. Am rechten Rand bleibt noch Platz für eine Figur in Rückenansicht.

(c) valentino 2016

Cecilia in der Kristallhöhle

valentino

Konzeption spielt bei meiner Arbeitsweise eine eher untergeordnete Rolle. Die meisten Ideen, wie ich zum Beispiel die Perspektive aufbauen möchte, tauchen beim Malen auf. Hier ging es mir in erster Linie darum, die Tiefe des Raumes auszugestalten. Nachdem ich die Figur in das Bild gezeichnet hatte, malte ich zunächst das Drittel unten rechts fertig und ließ es als Vordergrund stehen, um eine bessere Vorstellung von dem Raum dahinter zu haben.

(c) valentino 2013