Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 22. Teil

valentino

Sonnenuntergang

Illustration: Valentino

Der Arbeiter aus Propetén und der elfjährige Junge aus Paso Caballos brachten mich am nächsten Morgen zu der Stelle am Flussufer, an der ich übernachtet hatte. Ich hatte dem Arbeiter verschwiegen, dass ich dem Vater des Jungen Geld für die Überfahrt gegeben hatte. Doch nun befürchtete ich, dass der Junge es ihm erzählen würde, was er jedoch nicht tat. Abgeknickte Äste lagen auf dem Boden – und eine leere Schachtel, die ich nachts dort liegen gelassen hatte.

Auf dem Rückweg traf ich in einem Dorf zwei Männer, die mich auf ihrem Pick-up nach Flores mitnahmen. Der Ort lag auf einer kleinen Insel im See Petén Itzá und war über einen Damm mit dem Festland verbunden. Ich spazierte durch die engen Gassen mit ihren Läden, Hotels und Restaurants. Zwar hatte ich mein Vorhaben aufgegeben, El Naranjo auf dem Wasserweg zu erreichen. Allerdings war ich weiter gekommen, als ich in der Nacht im Wald gedacht hatte. Von der Insel aus beobachtete ich den orangefarbenen Sonnenuntergang.

Der Bus rollte über eine staubige Straße durch eine öde, palmenbestandene Landschaft. Manchmal hielten wir in kleinen Dörfern. Einheimische stiegen zu. Die Männer trugen Hüte, Hemden, abgetragene Jeans und Stiefel, die Frauen Strickjacken, bunte Kleider und Schuhe mit abgelaufenen Sohlen, die Kinder liefen barfuß. In El Naranjo stempelten Beamte die Pässe. Wir schifften den San Pedro hinab und passierten auf halber Strecke die Grenze. Vom Bootsanleger gingen wir ein Stückchen zu Fuß zur Passkontrolle. Als in der hereinbrechenden Nacht die Lichter von La Palma vor einer Brücke am Ufer auftauchten, wehte eine Brise und es spielte Musik.

(c) valentino 2018

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 19. Teil

valentino

Verlorene Lagune

Illustration: Valentino

Nachdem ich die Fähre von Puerto Barrios nach Livingston genommen hatte, charterte ich im Hafen ein Boot über den Río Dulce nach El Relleno. Mit dem Fahrrad erreichte ich am nächsten Morgen Toquelá, wo ich Tortillas, Frijoles und Spiegeleier frühstückte und mich mit schwarzem Kaffee wachhielt. Die Sonne ging rasch auf. Kurz hinter der Grenzstation Modesto Méndez gabelte sich der Weg. Ich nahm die asphaltierte Straße Richtung Flores, an deren Rändern ein Großteil des tropischen Waldes abgeholzt war.

Mittags rastete ich in San Luís. Ein Schild wies bald darauf auf das Ende des Asphalts hin. Fortan ging es auf einer staubigen Piste durch eine öde, fast menschenleere Landschaft. Kurz vor Canchacán überraschte mich ein Platzregen. Im Ort regnete es noch einmal, weshalb ich mich in einem Laden unterstellte. Als der Regen aufgehört hatte, fuhr ich mit dem Fahrrad über einige Steigungen und einer Abzweigung folgend bis zur Finca Ixobel. Tags darauf ging es mit dem Fahrrad bei Hitze und Staub über Poptún nach Flores – die letzten Kilometer auf der Ladefläche eines Pick-ups.

Unterwegs nach El Naranjo kam ich von der geplanten Route ab und gelangte an einen See, aus dem kahle Baumgerippe ragten. Feiner Sandstaub bedeckte die Blätter der Pflanzen am Wegesrand. Irgendwo hinter Sacpuy traf ich einen Mann auf einem Fahrrad. Er sagte, dass ich nicht auf dem Weg zur Finca San Joaquin sei, sondern nach Ojo de Agua. Allerdings würde ich auf diesem Weg Paso Caballos erreichen, von wo ich ein Boot nach El Naranjo chartern könnte. Also fuhr ich mit dem Fahrrad weiter und erreichte mittags die verlorene Lagune.

(c) valentino 2018

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