Unterwegs zu Cecilia | Zehnter Teil

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Illustration: Valentino

Nach meiner Rückkehr ins Hotelzimmer nahm ich Seife und Handtuch. Ich betrat den Flur und passierte die Türen der anderen Zimmer. Die Dusche befand sich am Ende des Flurs. Beim Öffnen der Tür stieg mir eine Wolke Wasserdampf entgegen. Im Raum befanden sich hinter weiteren Türen mehrere Duschen.

Nachdem ich vergeblich versucht hatte, Geld bei den Banken in der Stadt abzuheben, wollte ich am nächsten Morgen über die Grenze, um es bei einer Bank in San Diego zu versuchen. Ich hatte im Restaurant Rome’s unten an der Ecke anschreiben lassen. An den Wänden des Speiseraums hingen viele Bilder mit Straßenszenen. Ein Bild zeigte den Besitzer des Restaurants, zugleich der Hotelier des Montebello, in der Küche. Ich hatte dem Kellner versprochen, am nächsten Abend wiederzukommen, um die Rechnung zu bezahlen.

Ein Geräusch weckte mich in der Nacht. Ich stieg die Treppe hinab, um nachzusehen. Im Foyer saß, mir den Rücken zugewandt, der Hotelier. Die Lampe auf dem Tisch warf ihr mattes Licht auf seine Hände, die rhythmisch einen Stapel Karten mischten. Nachdem ich die Treppe wieder hinaufgestiegen und in mein Zimmer zurückgegangen war, legte ich mich wieder ins Bett und schlief prompt ein.

(c) valentino 2021

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 13. Teil

valentino

Illustration: Valentino

In Wolken aus Räucherwerk, das nach Anis duftete, verschwanden die sechs Gefangenen ins Labyrinth. Dort irrten sie durch geheime verwinkelte Gänge innerhalb dicker Tempelmauern. Ihre blau bemalte Haut leuchtete im Schein der Fackeln, die in einigen Abständen an den steinernen Wänden befestigt waren. Sie erreichten eine Stufe, die steil nach unten abfiel. Einer der Gefangenen ließ eine Fackel über die Kante hinabfallen. Ihr Licht erhellte kurz die Dunkelheit und gab den Blick auf eine Wasseroberfläche frei.

Auf dem Weg ins Tal suchte Cecilia in der hereinbrechenden Nacht Unterschlupf am Fuß einer Zeder. Am nächsten Morgen strich sie nach dem Aufwachen die Asche mit den Händen von ihrer Haut. Ihr Knöchel schmerzte noch immer. Das getrocknete Blut bildete zusammen mit Erde und Asche eine Kruste. Sie lief weiter bergab ins Tal, wo sich eine Menschentraube gebildet hatte. Unter den Geflüchteten fand Cecilia ihre Eltern und Geschwister wieder. Manche versorgten die Wunden der Verletzten oder kochten Essen über offenen Feuerstellen.

Neben dem Feuer lag ein Stück glühende Holzkohle. Cecilia griff es mit den Zehen und stieß es mit dem Fuß hinter ihren Rücken. Dann hielt sie das Seil, mit dem ihre Hände gefesselt waren, über die glühende Kohle und verbrannte es an einer Stelle. Sie löste die Schlingen von ihren Handgelenken, stand auf und lief im Mondschein an den beiden Pinien vorbei in den Wald. Am nächsten Tag erreichte sie das Ufer eines großen Sees, in dessen Mitte in einem Dickicht von Binsen eine Insel lag. Einige weiße Vögel schwammen auf der Wasseroberfläche.

(c) valentino 2018

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