Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Fünfter Teil

valentino

Illustration: Valentino

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Im Moment des Aufwachens fühlte ich mich vom Fieber befreit. Nach dem Frühstück ging ich spazieren. Xela lag in einer Hochtalebene der Sierra Madre. Vor einem halben Jahrtausend besiegte dort der Konquistador Pedro de Alvarado den Quiché-Häuptling Tecún Umán. Die Kolonialzeit dauerte dreihundert Jahre. Im späten 19. Jahrhundert gab es eine Zeit des regen Kaffeehandels. Allerdings zerstörte kurz nach der Jahrhundertwende ein Vulkanausbruch des „Santa María“ die Stadt, woraufhin viele Händler fortgingen.

Die Quiché lebten in kleinbäuerlichen Gemeinschaften in der Umgebung. An den Markttagen verkauften sie auf Xelas Märkten Mais, Bohnen, Weizen und allerlei handgefertigte Stoffe und Waren. Ich erreichte einen Markt, der sich über ein weites Netz von Straßen und Plätzen erstreckte. Dort lag der Geruch gebackener Tortillas in der Luft. Rauch stieg von den Feuerstellen auf. Kinder hockten barfuß im Kreis auf dem Boden und spielten irgendetwas mit Bohnen und einem Schälchen. Essensgerüche drangen aus offenen Esszimmern und luden zum Verweilen ein. Ich tauchte in das Markttreiben ein und versuchte die Eindrücke festzuhalten, doch sie waren flüchtig wie in einem Traum.

Mein nächstes Ziel hieß Todos Santos, ein Bergdorf im Höhenzug Los Cuchumatánes. Ich hatte in einem Sprachprojekt Kontakt zu einer dort lebenden Mam-Familie bekommen. In zwei Tagen wollte ich da sein. Der Weg würde per Bus von Huehuetenango (kurz: Huehue) über eine karge Hochebene führen. Das Fahrrad ließ ich in der Obhut der Organisatoren des Sprachprojekts, da ich in einigen Tagen wieder nach Xela zurückkehren und meine Reise durchs Hochland fortsetzen wollte.

(c) valentino 2016

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