Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Erster Teil

valentino

Guatemala

Illustration: Valentino

Die Landeklappen an den Tragflächen der Boeing 737 surrten. Ich lehnte mich an die Rückenlehne des Sitzes und blickte aus dem Fenster in den dichten Nebel. Irgendwo unter mir musste sich die Landebahn befinden. Nach der Landung flanierten Reisende in den Läden des Terminals, die steuerfreie Ware anboten. Von den Decken herabhängende Monitore zeigten in Leuchtschrift Zielflughäfen in aller Welt. Im Spiegel des Waschraums erinnerten mich Ringe unter den Augen an fehlende Stunden Schlaf. Ich betätigte die Armatur über dem Becken, füllte meine hohlen Hände, beugte meinen Kopf vornüber und benetzte mein Gesicht mit Wasser.

Mit dem Handgepäck in der Hand spazierte ich durch das langgezogene Flughafengebäude. Am Flugsteig des Anschlussflugs setzte ich mich auf einen der Ledersitze, die sich im Wartebereich aneinander reihten. Durch die Glasscheibe beobachtete ich einige Arbeiter, die auf dem nebligen Vorfeld eine Maschine abfertigten. Aus dem Lautsprecher schallte eine kurze Durchsage, die Maschine – diesmal eine Boeing 747 – sei startbereit. Ich stellte mich in die Reihe. Die Flugbegleiterin grüßte und riss die Bordkarte ab.

Ankunft am späten Nachmittag in Mexico-City, Flughafen Benito Juárez: Sonnenuntergang in der Zwanzig-Millionen-Metropole. Im Flughafengebäude traf ich Geisler wieder, einen Mitreisenden aus Hannover, den ich bereits an Bord der Maschine kennengelernt hatte. Nachdem wir Grönland, Labrador und Texas auf der sogenannten Polarroute überquert hatten, lag der größte Teil der Reise hinter uns. In einer Stunde würden wir in Guatemala sein. Da Geisler in einem anderen Teil des Flugzeugs saß, verabredeten wir uns dort. Von oben konnte ich die Wolken sehen, die über dem Hochland hingen. Bei der Ankunft war es stockfinster.

(c) valentino 2016

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