geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | siebter gesang | 185 bis 188

belmonte

siebter gesang

185 schunemydalas blick wurde immer trüber
und was im licht schien wurde îr unsichtbar
in îren schmerzen aber gelang es îr
ajuns hand festzuhalten ans ende über

186 während sie den eishauch spürte um sich fahren
der schattengestalten die kamen die frierende
fortzutragen von allen irdischen dingen
ajun konnte sie nichmer davor bewahren

187 konnte îr leben nichmer hochhalten îre
hände wurden im tode schwächer sie ging
dahin er hielt sie in seinen kinderhänden
fest umschlungen und musste sie doch verlieren

188 faltete seine finger wann îrer fingeru
steife begann sechs tage blieb er am ende
und sechs nächte allein sitzen über seiner
mutter erkalten nie mehr wiederzubringen

(c) belmonte 2014

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 15. Teil

valentino

Fluss

Illustration: Valentino

An dem bewaldeten Hang einer Schlucht am Ufer eines Flusses lag eine Piroge. Cecilia streifte Blätter und Äste ab, die über die Bordwände rankten und nahm das darin liegende Laub heraus, unter dem ein Paddel zum Vorschein kam. Trotz seines, von der Witterung dunklen Holzes, machte das Boot einen intakten Eindruck. So zog sie es, bis zu den Knien im Wasser stehend, durch den Morast in den Fluss, sprang mit einem Satz hinein, stieß es mit dem Paddel vom Ufer ab und lenkte es ins Fahrwasser, so dass die Strömung es flussabwärts trieb.

Im Mondschein driftete die Piroge sanft auf der Wasseroberfläche dahin. Bei Anbruch des Tages drückte aufschäumendes Wasser gegen das Boot und Cecilia hielt, als es fast quer zur Fahrtrichtung stand, mit ihrer ganzen Kraft das Paddel gegen die reißende Strömung und wendete es geradeaus. Dabei schrammte die Piroge mit dem Heck einen Felsen. Als Cecilia wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangte, bemerkte sie Wasser, das durch ein Leck im Rumpf einsickerte.

Knöcheltief standen ihre Füße im steigenden Wasser, das sie mit den bloßen Händen, die in ihren Augen wie Kinderhände aussahen, schöpfte. Als sie aufblickte, sah sie ihre jungen Eltern Iosefina und Marian. Ihre Geschwister Fabia, Grigore und Nicolaie, allesamt noch Kinder, schöpften Wasser aus der Piroge, die im nächsten Augenblick kenterte. Cecilia ging über Bord, versuchte sich an einer im Wasser treibenden Planke festzuhalten, doch ihre Kräfte ließen nach. Sie versank und der Fluss trug die Planke davon.

(c) valentino 2013

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schunemydalas tod | teil 2

belmonte

schunemydalas tod

2

fester noch fassen war nicht mehr abzuwenden
um schunemydalas leben hochzuhalten
sie wurde ganz schwach und lag im tode dann
hielt ajun sie fest in seinen kinderhänden

und wollte seine fingeru darum falten
îrer hände wann finger steife begann
blieb sechs tage sitzen und sechs nächte allein
bei seiner toten mutter über erkalten

nimmer wäre geschehnis in îr zu bannen
um welcher schuld um welcher strafe zum schein
hörte um ajun aus niemand lautes klagen
in schunemydalas toter nähe sammen

ajun war still sein mund über worten keine
was er in händen hielt konnte er nicht tragen
saß ruhig beugte sich zu malen vornüber
fand în am siebenten tage leise weinen

(c) belmonte 2012

„Schunemydalas Tod II“, Valentino, 2011, 40 x 30 cm, Aquarell und Bleistift auf Aquarellpapier