Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Zwölfter Teil

valentino

Dracula

Illustration: Valentino

In der Tiefe in einem Palast aus blauschimmerndem Eis lag auf der lehmigen Erde ein Kokon. Stücke der Außenhülle, durch die hindurch die Umrisse eines Körpers sichtbar wurden und an der es von innen ab und an scharrte, brachen ab, Splitter lösten sich und durch ein Schlupfloch kroch eine Kreatur heraus. Sie richtete sich auf und streifte mit den Klauen Reste der Hülle von ihren Zotteln ab. Dabei entfaltete sie, einem Vogel ähnliche, jedoch federlose Schwingen.

Viele Male schlug Cecilia den kantigen Stein auf eine rostige Stelle der Fußfessel bis diese aufbrach und sie ihren Fuß herauszog. Ihr Knöchel war wund. Aus dem Saum ihres Überwurfs zupfte sie eine Flachsfaser, die sie an den Eisenring an der Steinwand knotete. Sie nahm eine brennende Fackel aus einer Halterung von der Wand und lief in einen Gang aus dem Verlies. Barfuß irrte sie durch das Geflecht aus Gängen, während sich der Faden löste und hinter ihr straffte. Das flackernde Licht der Fackel fiel auf die schroffe Wand.

Auf dem Tisch brannte eine Petroleumlampe, die ihr Licht auf das Wörterbuch und ein offenes Brillenetui warf. Durch das kleine Fenster in der Stube der Javeleas nahmen wir die hereingebrochene Nacht wahr. Inzwischen hatte der Regen aufgehört. Mit Zeigefinger und Daumen nahm Narcisa die Brille von der Nase. Mit der anderen Hand zückte sie ein hälftig gefaltetes, seidiges Tuch aus dem Etui, schüttelte es auf, behauchte die Augengläser und wischte mit dem Tuch das beschlagene Glas ab.

(c) valentino 2013

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