Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Vierter Teil

valentino

Kirche in Nahualá

Illustration: Valentino

Es regnete. Felipe aus Chichicastenango nahm mich mittags in seinem Pick-up mit. In Los Encuentros musste er abbiegen und ließ mich deshalb aussteigen. Ich fuhr mit dem Fahrrad weiter durch den stärker werdenden Regen und erreichte völlig durchnässt Nahualá. Im Ort lebten die Quiché, eine von Guatemalas zahlreichen Ethnien – eine andere große Maya-Sprachgruppe waren die Mam. Einige der indigenen Hochlandbewohner sprachen kaum oder gar kein spanisch. Der Regen ließ nach. Ich schob mein Fahrrad an Pfützen vorbei durch Rinnsale und aufsteigenden Nebel.

Kinder umringten mich. In der Nähe des Marktplatzes stellte ich mein Fahrrad gegen eine Hauswand. Der Regen hatte zwar aufgehört, aber die Luft war sehr feucht. Ich fragte einen Mann nach einer Unterkunft. Er deutete auf ein Haus bei der Kirche. Ich klopfte an die Tür. Ein Mädchen öffnete. Als ich nach einem Zimmer für die Nacht fragte, holte es seine Mutter, die mir einen kleinen Raum mit Bett vermietete. Ich zog die nasse Kleidung aus und hängte sie zum Trocknen auf. Die Dusche war kalt, da der Durchlauferhitzer fehlte. Ich fror und fühlte mich krank. In der Nacht bekam ich Fieber.

Am nächsten Morgen verließ ich Nahualá. Das Fieber schwächte mich noch immer. Ich hatte kaum Kraft zum Fahrradfahren. Am Ortsausgang wartete ich an der Hauptstraße zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf den Bus nach Quetzaltenango (kurz: Xela). Irgendwann hielt anstelle des erwarteten Busses ein Lastwagen, auf dessen Ladefläche Männer mit Macheten auf dem Weg zu ihren Milpas, ihren Maisfeldern, und einige Frauen mitfuhren. Der Fahrer lenkte das Fahrzeug auf der Bergstraße nach Xela schnell und geschickt an zahlreichen Schlaglöchern und senkrechten Abgründen vorbei.

(c) valentino 2016

eBook pdf

ORTE KRIEGEN NASSE FÜSSE | TEIL 8 VON 24

valentino

Zeichnung: Aurelio, 20 Jahre

Zeichnung: Aurelio, 20 Jahre

IM DURCHSCHNITT STIRBT EIN MIGRANT PRO UND OHNE ARBEIT ZU FINDEN MUSST DU STIEG VOR DER OPERATION GATEKEEPER GAB ICH HABE ES VERSUCHT UND SIE PACKTEN KOJOTEN ERHÖHTEN DIE PREISE FÜR DIE DER KONTROLLPOSTEN WEITER VOR DER AUCH VERURSACHTE DIE OPERATION SCHICKTEN SIE MICH WIEDER ZURÜCK NACH GRENZE DASS DIE MIGRATIONSSTRÖME DIE IM HAUS FÜR DIE MIGRANTEN UND JETZT RICHTUNG VERÄNDERT HABEN EINE WIRTSCHAFT ICH WEISS NICHTS ABER MEIN TRAUM IST EINE WESENTLICHE VERÄNDERUNG SIE ZU VERDIENEN HIER IN MEXIKO VERDIENT RESTAURANTS HOTELS DAS HEISST DIE GESAMTE SEITE ZU GEHEN ZU ARBEITEN UM ZU ABHÄNGIG IST BEVOR SIE IN DIE USA ZU SEIN MEIN HAUS BAUEN UND ABNAHME DER ZAHL VON MIGRANTEN AUF NUN ICH KENNE ES NICHT ALSO WIE DAS AUSMASS DER KORRUPTION DER MEXIKANISCHEN BEHÖRDEN HUNDERT PROZENT DIALEKT SPRECHEN UND DEN BEHÖRDEN GELD GEBEN DAMIT SIE IHRE ICH AUFWUCHS SPANISCH WAR ETWAS DAS ZWISCHEN NEUN UND ZWANZIG EINUNDZWANZIG LEUTE DIE SPANISCH SPRACHEN WAREN JUGENDLICHER ZUM BEISPIEL DEMJENIGEN KAMEN ODER DIE EIN ZIEMLICH HOHES EINEM ZIMMER DAS ICH GEMIETET HATTE SEHR SELTEN WIR SPRECHEN ETWA VON FÜNF VEREINIGTEN STAATEN AUFZUBRECHEN SIE PROZENT SPRACH MIXTEKISCH DAMALS WERDEN IN DIE VEREINIGTEN STAATEN WEISS NICHT OB DU DIE KINDER GESEHEN ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN UND ICH WEISS NICHT OB DU SIE GESEHEN HAST EINIGEN BÄUMEN ICH BEZAHLTE DEN JUNGEN ALSO STELL DIR VOR SO WAR ICH PRAKTISCH EINZELNEN MANCHMAL ACHT KOMMT DARAUF AUCH DIE KLEIDUNG NORMALERWEISE WAR DAS WAS UM SIE MIT DEM LASTWAGEN ICH SANDALEN ZU TRAGEN MIT ACHT ODER DEN FAHRER DER AM STEUER SASS AUCH DER REGEL GEFIEL ES MEINEM VATER NICHT SECHSHUNDERT DOLLAR FÜR DIE FAHRT VON SAN WIR WAREN ES NICHT GEWOHNT SIE ZU

(c) valentino 2014

eBook pdf

Fortgang der Arbeit | 7

valentino

Nachdem ich mit dem Bleistift den Lastwagen und den Hintergrund gezeichnet habe, koloriere ich das Fahrzeug und die Straße mit den Wasserfarben.

(c) valentino 2013

Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Fünfter Teil

valentino

Landschaft bei Vârșolț

Illustration: Valentino

Nachdem wir eine weitere Nacht kurz hinter Șimleu Silvaniei im Zelt geschlafen hatten, brachte uns der folgende Tag einen kurzen Aufenthalt in einer Dorfkneipe und viele Staub und Diesel aufwirbelnde Lastwagen. In Vârșolț bogen wir rechts ab und erreichten nach einer kleinen Anhöhe einen See, den wir zuvor auf der Landkarte entdeckt hatten und in dem wir uns waschen wollten. Doch anstelle des ersehnten Badestrandes tauchte vor uns ein umzäuntes Fabrikgelände auf. An den Ufern des Sees donnerten schwere Laster über provisorische Pisten.

Am gegenüber liegenden Ufer jedoch sah der See zugänglich aus, darum fragten wir einen Lastwagenfahrer, ob es möglich sei, in dem See zu schwimmen. Auch mit Händen und Füßen waren die Verständigungsprobleme nicht zu lösen, bis ein kleiner Junge zu Hilfe kam. Trotz Hitze trug er Pullover und Jeans. Er machte uns klar, dass man am anderen Ufer des Sees durchaus schwimmen könne, der See aber nicht besonders sauber sei. Wir schoben die Räder vorbei an Beerensträuchern bis an den Rand des Ufers. Dahinter brach dieses steil ab. Morastiger Boden breitete sich auf einer weiten Ebene bis zum Wasser hin aus. Einige Vögel schwammen auf der Oberfläche des Sees.

Mein Begleiter stieg den Abhang hinab und watete durch den Schlick in Richtung Wasser. Er hatte es fast erreicht, da rief ihm der Junge vom Ufer aus zu, es sei verboten im See zu baden, außerdem gäbe es Wasserschlangen. Das hätte ihm sein Vorgesetzter gesagt. Ein Blick auf die Karte sagte uns, dass wir später an einem Flusslauf vorbeikommen würden, der sich womöglich besser zur Körperreinigung eignete. Wir fuhren zurück nach Vârșolț und auf der Hauptstraße weiter über Zalău in Richtung Jibou.

(c) valentino 2012

eBook fulltext pdf