geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | neunter gesang | 225 bis 228

belmonte

neunter gesang

225 ajun hielt nicht inne tala anzuschauen
îre schönheit strahlte in gleißendem licht
îre haare blendeten so hell in seinen
augen er griff îre hand das war die frau

226 die erschienen war wie eine helle lichtung
die sich im wald auftut oder licht das eine
dunkle halle durchflutet wanns draußen heiß
ist wars aber der erste former der dich

227 geformt der auch die erste form aus dem schein
des lichtes gegossen hat das noch ganz weiß
und flüssig war warum bist du hergekommen
fragte ajun und hast die lichter allein

228 gelassen unter der lichter scharenweise
als hätte ich dich aus dem himmel genommen
tala antwortete îm es ist berauschend
licht unter lichtern zu sein im großen kreis

(c) belmonte 2015

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 14. Teil

valentino

Berge

Illustration: Valentino

Cecilia betrat die Eishöhle. Sie setzte einen Fuß vor den anderen. Als sie den Dämon sah, ging sie einen halben Schritt zurück. Er fuhr auf sie zu. Sie drehte sich, rutschte aus und fiel hin, begrub dabei ihre rechte Hand unter ihrer Hüfte und fühlte einen stumpfen Schmerz im kleinen Finger. Der Vampir wendete. Cecilia stand auf und lief in den Gang. Ihre Füße patschten durch Wasser, das in Rinnsalen über den Boden floss. Rasch schlüpfte sie durch den Felsspalt und kroch in den Tunnel. Hinter sich hörte sie Flügel schlagen. Eisblöcke fielen von der Decke herab und zersplitterten.

Narcisa nahm mit einer Zuckerzange aus einem Porzellanschälchen zwei Zuckerstückchen und gab sie in ein auf dem Tisch stehendes Teeglas. Sie griff nach der Kanne und füllte das Glas mit dampfendem Tee, in dem sich die Stückchen Zucker langsam auflösten. Der Teelöffel klirrte zweimal gegen das Glas, sie hob es hoch, spitzte die Lippen und pustete. Dann nippte sie, stellte das Teeglas wieder auf der mit gelben und blauen Blumen bestickten Tischdecke ab und erzählte weiter.

Cecilia kletterte zwischen den Kristallen entlang bis zum Faden. Sie hob ihn auf. Ihr Finger war geschwollen und schmerzte noch immer. Sie tastete ihren Weg am Faden entlang durch die Gänge. Im Verlies stieg sie die Stufen der Steintreppe hinauf, die in einen Flügel des Schlosses führte, ging in das Vestibül und betrat von dort aus den Garten. Das Tageslicht blendete sie. Durch die Irrwege zwischen den Hecken erreichte sie den Pavillon auf der Anhöhe, rannte über die Lichtung in den Wald und gelangte tags darauf in die Berge.

(c) valentino 2013

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Zehnter Teil

valentino

Lichtung

Illustration: Valentino

Über dem Gras auf der Lichtung hingen Nebelschwaden, die sich alsbald aufgelöst hatten. Wolken türmten sich auf. An manchen Stellen brach durch die Wolkendecke das rote Licht der Abendsonne und blendete Cecilia. Sie saß auf einer Steinbank unter dem Dach der Rotunde, das sie vor einem lang anhaltenden Regenguss geschützt hatte. Unter den Arkaden hatten Steinmetze vor langer Zeit Gesichter an den Kapitellen und Figuren an einigen Säulen eingemeißelt, die Cecilia auf dem nun brüchigen und mit Spinnweben behangenen Sandstein betrachtete.

Die Dunkelheit brach herein. Beidseitig bauten sich Wände aus Laub auf. Dazwischen lief Cecilia in die eine, nach einer jähen Biegung in die andere Richtung, wählte diese, mal jene Abzweigung und drang tiefer in den Irrgarten vor. Sie glaubte, als sie eine Weile einem stärker werdenden Geruch nach Schwefel folgte, sie gelangte an einen Ort im Labyrinth, an dem sie zuvor nicht gewesen war. An dieser Stelle ergoss sich heißes Wasser von einem Felsen in ein dampfendes Becken, aus dem sich über einen schmalen Kanal der Schlossteich speiste. Dicht über der Wasseroberfläche leuchtete ein kleines, sich im trüben Gewässer spiegelndes Licht.

Cecilia stieg die Stufen einer Treppe hinab und betrat einen gewölbten Gang. In seiner lehmigen Wand befanden sich hier und da Nischen. Es muss tief in der Nacht gewesen sein, als sie nach einem langen Irrgang in dem haushohen Gewölbe eintraf. In der Mitte des Raumes zuckte in einer erdigen Mulde ein etwa menschengroßer, weißer Leib unter einer spinnwebartigen, zähen Hülle. Cecilia lief ein Schauer über den Rücken und sie rannte erschrocken aus dem Bogenraum zurück in das Geflecht aus Gängen.

(c) valentino 2012

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Neunter Teil

valentino

Garten

Illustration: Valentino

Cecilia schlenderte in dem weitläufigen Barockgarten. Hohe, gestutzte Hecken umsäumten den großzügig angelegten Teich. Die Wege im Garten waren zahlreich und verzweigten sich zwischen den Hecken und Beeten. Am gegenüberliegenden Ufer stand auf einer Anhöhe ein Pavillon. Im Abendrot blickte Cecilia von dort hinunter auf eine Lichtung des Waldes, der sich vom Fuß des Hügels aus in eine weite Niederung hinein ausdehnte.

Als Kind fing Cecilia mit ihrer Schwester Fabia Fischchen im nahegelegenen Bach, kletterte auf Bäume oder spielte auf Mureșeniis sandigen Wegen mit dem Kreisel, den ihr Vater Marian geschnitzt hatte aus dem Holz des Waldes, der das Dorf bis über die Hügelkuppen hinaus umgab und in der Ferne von den Karpaten überragt wurde. Mit fünf oder sechs Jahren lernte sie Schwimmen im See, in dem alle Kinder des Dorfs badeten. Sie sah ihren Bruder Grigore dort schwimmen und bekam Lust, es ihm nachzutun. Als sie fast unterging dachte sie, es sei noch nicht an der Zeit, im See zu versinken. So schaffte sie es, sich über Wasser zu halten.

Während sie erzählte, zerteilte Narcisa mit der Gabel auf ihrem Teller ein Stück Mămăligă. Mit den Fingerspitzen verrückte sie auf ihrer Nase die Glasovale, über deren Einfassung hinweg sie mit halbwachen Augen sah. Regentropfen prasselten an das kleine Fenster der Wohnstube, in der wir uns auf Anhieb geborgen fühlten. Einige der Tücher und Stoffe bildeten kreisförmig angeordnete rote Rosenblüten und grüne Blätter auf schwarzem Grund ab. Im Nebenzimmer und im Wohnzimmer hingen hinter Glas Kinderfotos. Fabia hatte den Raum kurz verlassen und kehrte nun mit einem Foto zurück, das Cecilia zwischen ihrer Schwester und ihren Brüdern zeigte.

(c) valentino 2012

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