Tijuana | Colonias, Playas, Otay

(c) valentino 2016

Tijuana | Zona Centro

(c) valentino 2016

Tijuana | La Línea, Zona Río

(c) valentino 2016

ORTE KRIEGEN NASSE FÜSSE | TEIL 11 VON 24

valentino

Taxis Colonia Postal, Zona Centro, Tijuana

Taxis Colonia Postal, Zona Centro, Tijuana / Foto: Valentino

ALSO AUF DIESEM MARKT ICH WEISS NICHT EINER TIEFEN KRISE ES GIBT NICHT VIELE KONTAKTIERTE UNS DER KOJOTE VORHER OFFENEN ARBEITSLOSIGKEIT IM LAND IST MIGRANTEN IM NORDEN NICHT SO HÄUFIG MIT GRÜNDEN EINE GROSSE ZAHL VON INSBESONDERE MIXTEKEN MIXTEKEN AUS DES LANDES DIE SICH NICHT ERHOLEN UND IN DEN LETZEN JAHREN HAT SICH DAS SPEKTRUM UND DAS HAT BEWIRKT DASS SIE SICH INDIGENEN MIGRANTEN KOMMEN UM DIE WANDELTEN OAXACA MICHOACÁN GRENZE UND IN DIE VEREINIGTEN STAATEN DENEN HISTORISCH BEDINGT MENSCHEN MARGINALISIERTEN ODER ARMEN ORTEN KOMMEN HAT ES EIN WEITERES PHÄNOMEN GEGEBEN ZEHN JAHREN KOMMEN CHIAPAS-INDIANER AN DIE GRENZE KOMMEN ICH HABE SIE STAATEN WAS IN DEN ACHTZIGER JAHREN NICHT JOSÉ SAN FRANCISCO SACRAMENTO SEHEN WEGEN DERSELBEN BEDINGUNGEN DIE UMGEBUNG VON LOS ANGELES SAN DES FLUSSES DER AM STRAND IN DAS MEER WAREN IN MEXIKO IN TIJUANA ANDERE GINGEN ICH DENKE EINIGE ZEHN PERSONEN LOS ANGELES DIE HÄUSER HATTEN DIE SIE WIR ZOGEN UNSERE KLEIDUNG AUS STOPFTEN UND DIE UNS HALFEN SIE NACH HAUSE SCHWIMMEN KONNTEN TRUGEN DIE KLEIDUNG UM SIE ANS ZIEL ZU BRINGEN ZU KLEIDUNG ÜBER DEM KOPF UND MIT DER ANDEREN STIEGEN WIR IN EINEM HOTEL AB ES ES SEHR STARKE STRÖMUNGEN DIE WELLEN WIR WO WIR ZUM FRÜHSTÜCKEN HINGEHEN ABZUFLIESSEN ES ENTSTEHT EINE ART VON FLUT WAREN UNS WURDE GESAGT DASS ES DAS GEFÄHRLICHSTE WAS ICH JEMALS GESPÜRT UND DASS WIR DORT FRÜHSTÜCKEN KÖNNTEN EINEN KANAL DURCHQUERTEN WO UNS DAS UNS EINE PERSON OB WIR AUF DIE ANDERE WIR ALLE NASS UND WIR MUSSTEN BEI DIE SICH UNS NÄHERTE NEIN NEIN NICHT DERSELBEN KLEIDUNG SCHLAFEN NASS OHNE UNS ZUM FRÜHSTÜCK UND DORT ALS HATTEN EBEN KEINE AUF DEM HÜGEL VOR DIESER HERR UND BEGANN MIT UNS ZU WO WIR UNTERKOMMEN KONNTEN SO WIE ER MACHTE UNS EIN ANGEBOT DASS ER SEHR VIEL SCHWIERIGER WEIL MAN NICHT WIR ZWEI SIND DAS HEISST ES IST VIEL ER VERBUNDEN UND MIT DER ZEIT ORGANISIERT FÜR JEDEN FÜR MEINE FRAU UND FÜR ORDNUNG DU HAST UNTERKÜNFTE IN HOTELS UND DAS WAR MEINE NUN EINE MEINER GRÖSSTEN

(c) valentino 2014

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ORTE KRIEGEN NASSE FÜSSE | TEIL 7 VON 24

valentino

Calle Galileo, Colonia Postal, Tijuana

Calle Galileo, Colonia Postal, Tijuana / Foto: Valentino

ES WAR DAS ERSTE MAL UND ES IST SEHR HART TAG AN DER GRENZE DIE ZAHL DER TOTEN AUF DER STRASSE SCHLAFEN WO AUCH IMMER ES DIESE ES GAB DIESE ZAHL NICHT DIE MICH BEI DER ANKUNFT IN SAN CLEMENTE ÜBERQUERUNG IN DIE VEREINIGTEN STAATEN GRENZE HINTER SAN DIEGO UND VON DA GATEKEEPER ODER ANDERE OPERATIONEN AN DER TIJUANA UND DANN HIER LIESSEN SIE MICH VON SÜDEN NACH NORDEN KOMMEN DIE ARBEITE ICH UM NOCH EINMAL ZU ÜBERQUEREN DIE AUF SIE ANGEWIESEN IST ERFUHR ES DIE ANDERE SEITE ZU ERREICHEN DOLLARS BEVORZUGTEN FLUGLINIEN TRANSPORTLINIEN MAN NICHT VIEL ICH DENKE AUF DIE ANDERE WIRTSCHAFT DIE VON DEN MIGRANTEN SENDEN IN MEXIKO IN MEINER FAMILIE ÜBERQUEREN DIESE WIRTSCHAFT STEHT EINER MEINER FAMILIE HELFEN JA ABER NEIN IHREN TRADITIONELLEN ROUTEN GEGENÜBER ÜBERQUEREN SEHR SCHWIERIG ICH KOMME AUFGEHÖRT ES GIBT EINE UNGEHEUERLICHE MIXTEPEC ES IST EIN DORF IN DEM SIE ZU DIE VON KOJOTEN BESTOCHEN SIND DIE SIE SPRECHEN KAUM SPANISCH DAMALS ALS ARBEIT SCHÜTZEN ICH HATTE HELFER DIE ES WAR EINE NEUHEIT DAS HEISST JAHREN ALT WAREN EINE GRUPPE MENSCHEN DIE WIRKLICH VON ANDERSWO DER SIE MIR AUS MEINEM HAUS ODER BILDUNGSNIVEAU HATTEN ES WAR EBEN UM SIE ZU VERSAMMELN UM IN DIE PROZENT DER BEVÖLKERUNG SO UND HUNDERT BRACHTEN SIE VON HIER TIJUANA WIR IN DIESER ZEIT STELL DIR EIN KIND VOR ICH GEHEN DIE DIE LINIE IST DER VORHANG HAST DIE HIER AM GRENZÜBERGANG ARBEITEN MEXIKO WIR VERSTECKTEN UNS ZWISCHEN SIE WASCHEN DIE WINDSCHUTZSCHEIBE BEZAHLTE JEWEILS FÜNF UND ZEHN DOLLAR WAREN BARFUSS SO ZUM BEISPIEL BEGANN DORTHIN ZU BRINGEN DANN NAHM ICH NEUN JAHREN SO LIEFEN WIR BARFUSS UND IN IHM ZAHLTE ICH ETWA FÜNFHUNDERT SANDALEN ZU KAUFEN WEIL WIR SIE VERLOREN DIEGO NACH LOS ANGELES BENUTZEN
Torre Agua Caliente, Tijuana

Torre Agua Caliente, Tijuana / Foto: Valentino

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ORTE KRIEGEN NASSE FÜSSE | TEIL 5 VON 24

valentino

Zeichnung: Orlando, 38 Jahre

Zeichnung: Orlando, 38 Jahre

ABER VIELE MENSCHEN DIE MIR GEHOLFEN HABEN DOLLAR MAN KANN EIN ODER ZWEI STUNDEN DIE SIE MIR HIER GABEN ABER JA ES WAR EINE STUNDEN HÄNGT GANZ DAVON AB MIT WEM DU DIR NIEMAND EINE INFORMATION GEBEN KANN BIS DREITAUSEND DOLLAR VON HIER AUS VON WEIL SIE EINE FAMILIE GETRENNT HATTEN DAS GIBT VERSCHIEDENE MÖGLICHKEITEN DICH ZU FAMILIE UND MEHRERE INSTITUTIONEN HALFEN DIEGO BRINGEN SIE DICH NACH LOS ANGELES MICH ICH WAR SCHLAFLOS UND AUFGEWÜHLT ICH REKRUTIEREN DANACH BRACHTE ICH MIR DAS LASS ES MICH KENNEN LERNEN WIE ES IST OB MITZUNEHMEN UND ICH SELBST KÜMMERTE MICH ICH HOFFTE WIRKLICH ETWAS ZU FINDEN ETWAS ICH HELFER DIE ICH NACHHER BEZAHLTE ALSO ETWAS IM ZUSAMMENHANG MIT DEM WAS ICH STUFE KANN MAN SAGEN ABER ICH WAR WEISE GUT DU KANNST ES TUN UND ES IST BEIGEBRACHT HATTE WAR ICH VON NIEMANDEM STELLT SICH HERAUS DASS DIE GESCHICHTEN DIE KLEINE GRUPPE VON HELFERN HATTE DIE DAS ICH LIESS SIE MIR NICHT ENTGEHEN ICH ÜBERSCHRITT MOMENT BENAHM ER SICH SEHR SCHLECHT NIE WIRKLICH EIN HINDERNIS FÜR MICH DANN IN DIESEM RAUM SIE LIESSEN UNS DORT ZU BRÜDER HIER SIE WOLLTEN DORTHIN GEHEN UND SIE SCHICKTEN MEINE FRAU ZURÜCK NACH GEHEN WENN ICH ÜBERQUERE HABE ICH KEIN DEM FAHRER DER WEGGELAUFEN WAR ICH PRAKTISCH FÜHREN SIE WERDEN MIR SAGEN KAMERADEN WIE SIE IHN IN EINER ZELLE HATTEN MIGRATIONSROUTEN SIE ÖFFNETEN NEUE KNIEND EIN US-AMERIKANER DUNKELHÄUTIG ANTWORT AUF DEN DROGENKRIEG DIE PRÄSENZ GESCHLAGEN IN DIE RIPPEN AUF DEN KOPF UND AUF US-AMERIKANISCHER SEITE DIE NATIONALGARDE NATÜRLICH WIE WIR ES GESEHEN HABEN DIE AN ORTEN DER MIGRATIONSÜBERGÄNGE WENN UNS FÜRCHTETEN WIR UNS IN DIESER SITUATION ORTEN BLEIBEN ALS ANTWORT AUF DEN KAMPF MEINE FRAU WURDE WEGGESCHICKT UND NACH GEGEN DEN TERRORISMUS ALL DIE ÜBERWACHUNG HIER NACH TIJUANA ABER WAS FÜR EINE GATEKEEPER BEWIRKT ABER ICH MÖCHTE AUCH MEHR GEFUNDEN HABEN ICH KAM AN EINEM DIE KOSTEN ODER PREISE DAS GELD BEZAHLEN AN MEINE FRAU ICH ERFUHR NICHTS VON IHR DIE VERWANDTEN DER MIGRANTEN AUF DER MITTWOCH BIS ZUM DONNERSTAG ALS ICH FINANZIERUNG DER MIGRATION VERANTWORTLICH ICH SIE AUF DER STRASSE ZU FUSS AUCH AUF DER KOJOTEN FÜR DIE REISE IN DIE VEREINIGTEN SITUATION DENN MEINE PARTNERIN WIEDER ZU GATEKEEPER WURDEN DIE KOJOTEN UNENTBEHRLICH

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Ten Times Tijuana

Die Entstehung eines Aquarells | 3

valentino

Nachdem ich die wartenden Figuren an den Bordsteinen gemalt habe, aquarelliere ich die Straße blaugrau. Die Betonwüste bekommt ein Ockergelb und die Reklametafel ergänzt sich farblich mit der kleinen Grünfläche.

(c) valentino 2013

Brief aus der Hauptstadt

valentino

An einem Novembervormittag schaue ich aus dem Busfenster. Über Äckern hängt Dunst. Bäume reihen sich aneinander, recken ihre kahlen Zweige in das Himmelsgrau. Ab und an stehen vereinzelt zwischen Feldern und Wäldchen riesige Windräder. Gleichförmig rauscht der Bus über die Autobahn. Die Bewegung im Raum wirkt befreiend auf meine Gedanken. Den Trott zurücklassen. Neue Wege beschreiten. Das letzte Mal war ich in Berlin vor vier Jahren. Meine Gedanken öffnen sich, wollen sich gleich den Ästen der Bäume verzweigen. Ich stelle mir vor, wie jeder Schritt auf einem neuen Weg organische Strukturen in meinem Hirn bildet und Schritte auf schon begangenen Wegen alte Gefüge erneuern durch die Überlagerung der Sinneseindrücke.

Von der nackten Steinbank vor dem Bode-Museum aus beobachte ich mit kaltem Hosenboden Menschen in einer Schlange. An erster Stelle steht ein großer Mann von Kopf bis Fuß in schwarzem Leder: Mütze, Mantel, Handschuhe und zu kurze Hosen. Während er die Seiten eines großen Einbands blättert, wippt er hin und wieder auf den Füßen. Auf einem Schild neben dem Ticketschalter steht, die Eintrittskarten für die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ seien vorübergehend ausverkauft. Ich stehe auf und stelle mich in die Reihe. Kurz darauf tritt eine Museumsangestellte vor die Wartenden und sagt, es gebe keinen Ticketverkauf vor drei Uhr, also etwa in einer Stunde. Das junge Pärchen vor mir in der Reihe verkürzt sich derweil die Wartezeit mit Schinken, Weißwein und Liebesbekenntnissen.

Am frühen Morgen des folgenden Tages aus dem Schlaf erwacht lasse ich die Eindrücke des gestrigen Ausstellungsbesuchs Revue passieren. Eine seltsame Spannung lag auf den Renaissance-Gesichtern. Trotz ihrer individuellen, markanten, ja teilweise überspitzten Züge schienen sie irgendwie unnahbar. Ihre Gesichter bildeten in einer Weise eine Projektionsfläche für alle möglichen Interpretationen. Die meisten Bildnisse stellten die Köpfe im Profil vor, ihre Blicke dem Betrachter abgewandt. Manchmal schauten mich ihre Augen im Dreiviertel-Profil sanft und selbstbewusst an. Feine Pinselstriche fingen jedes Detail bis hin zur Warze ein. Und doch gingen die Werke über eine naturgetreue Darstellung hinaus. Denn es ging den Künstlern darum, den Moment einzufangen, in dem der Mensch sich selbst, seine Seele, entdeckte, und diese im Gemälde abzubilden. So folgte ihre Malweise einem stark idealisierten Bild. Leonardo z. B. malte im Sfumato, einem Stilmittel des absichtlich weichgezeichneten Pinselstriches, die Mund- und Augenpartien seiner Porträtierten, um ihr einen besonders rätselhaften Ausdruck zu verleihen. So bleibt es dem Betrachter überlassen, die Beweggründe der jungen „Dame mit dem Hermelin“ zu deuten.

Leonardos Dame mit dem Hermelin [Public domain], via Wikimedia Commons

In der Sekunde des Erwachens verflüchtigen sich die Bilder des Traumes, und an ihre Stelle tritt die Selbsterkenntnis. Auf dem Weg durch die Stadt lese ich in den Gesichtern meiner Mitmenschen. Sie sagen mir mehr als Worte. Ich versuche sie einzufangen, doch schon sind sie wieder fort. Wer kann sich noch an die von gestern erinnern? Und doch scheint es, sind es immer wieder dieselben Gesichter, in die ich blicke, sind es immer wieder dieselben Träume, die ich träume. Vielleicht entdecke ich Facetten in ihnen, die ich zuvor nicht gesehen habe. Oder bin ich es am Ende selbst, der sich in ihnen spiegelt?

Es ist zwölf Uhr mittags. Mitten in der Stadt bin ich aus ihr heraus gegangen. Das ehemalige Fluggelände des Tempelhofer Flugfeldes bietet als Steppe nicht nur Rollschuhläufern oder Joggern einen idealen Ersatzlebensraum, sondern auch seltenen mitteleuropäischen Vogelarten wie der Feldlerche.

Auf dem Busbahnhof warte ich abends auf meine Rückfahrt. Im Gewirr der Sprachen erkenne ich: In dieser Stadt gibt es noch mehr Variationen der Individualität, noch mehr Facetten des Menschen an einem Ort.

Himmel über Tempelhof

Himmel über Tempelhof / Foto: Valentino

(c) valentino 2011

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 1 bis 4

belmonte

erster gesang

1 diese ist die geheimschrift des iohanan
vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht
verborgene worte wer sie je gehört
gesang der nicht gefunden wurde im sand

2 dies ist das buch aus dem verlorenes spricht
wiedergefundenes durch die himmel fährt
aus blauen flammen die in die höhe schlugen
blauernes feuer wanns aus der erde bricht

3 aus zeiten engel über den göttern währten
götter sich aus den steinen der götzen trugen
und füchse und biber mit den menschen sprachen
feuervögel îrer flügel himmel kehrten

4 meer aus flüssen stieg über meere wogen
gebirge sich erhoben aus heißer rachen
und schlangen aus denen sieben köpfe fuhren
tage und nächte um nacht und tag betrogen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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