Unterwegs zu Cecilia | Siebter Teil

valentino

Illustration: Valentino

Narcisa setzte sich an den Tisch. Während sie mir gegenüber auf dem Holzstuhl saß, erzählte sie von einem Brief, den Cecilia ihr geschrieben hatte. Aus diesem gehe hervor, sie arbeite in einem Hotel in Portland. Narcisa kramte in ihrer Tasche, holte einen Umschlag heraus und öffnete ihn. Ein Foto, das Cecilia mit anderen Hotelangestellten zeigte, lag dem Brief bei.

Damals war mir nicht klar, dass ich Narcisa auf lange Zeit nicht wiedersehen würde. Auf dem Rückweg nach Huehue fiel ich in ein Delirium, das sich als Beginn einer Blockade erwies. Nach meiner Genesung verstrich eine geraume Weile, in der ich nichts weiter tat, als meinen Gedanken nachzuhängen. Es kommt mir vor, als wäre ich Narcisa erst gestern begegnet. Zugleich scheint mir, als hätte ihr ein anderer Mensch am Tisch gegenüber gesessen.

Beim Blick aus dem Fenster bemerkte ich den hereinbrechenden Morgen. Die Sonne ging über den wolkenverhangenen Berghängen auf. Narcisa verabschiedete sich und verließ den Raum durch die Tür ins neblige Morgengrauen. Lediglich einige Krümel weißer Käse blieben auf ihrem Teller zurück.

(c) valentino 2020

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 21. Teil

valentino

Paso Caballos

Illustration: Valentino

Das Tageslicht durchbrach den Nebel. Ein Hahn krähte, Schweine grunzten. Die Dorfbewohner waren während des Bürgerkriegs aus der Region am Fluss Chixoy nach Paso Caballos gekommen. Einer der beiden Männer, die mich mitgenommen hatten, sagte mir, wegen der Karwoche gebe es keine Boote nach El Naranjo, und eine Expressfahrt sei zu teuer. Deshalb wollten er und sein elfjähriger Sohn mich nach Propetén bringen. Fünfzehn Kilometer flussabwärts würde ich möglicherweise mehr Glück haben, ein Boot zu chartern.

Wir aßen Tamales und tranken Kaffee. Plötzlich quiekte eines der Ferkel. Die Männer liefen zum Fluss und befreiten das Tier, das sich mit einer Pfote in einer Leine verwickelt hatte. Da fiel mir ein, dass ich die Seile, mit denen ich meine Hängematte in den Bäumen befestigt hatte, im Morgengrauen beim Nachtlager vergessen hatte. Wir stiegen ins Boot und fuhren zum Lager. Dort angekommen sammelte ich die Seile ein. Auf der Fahrt nach Propetén scheuchte der Motorenlärm zahlreiche Vögel aus dem Uferdickicht auf.

Propetén war über den Wasserweg verbunden mit El Perú, eine nahegelegene Maya-Ruine. Ein Arbeiter und ich trugen Schilfbündel aus einem Kanu und deckten die Dächer der Häuser. Abends brachten zwei Fischer ihren Fang, den wir gemeinsam aßen. Sie sagten mir, gewöhnlich würden Fischer aus El Naranjo, nachdem sie flussaufwärts Mais eingekauft hatten, auf ihrem Rückweg Passagiere in ihren Heimatort mitnehmen. Weil jedoch während meines Aufenthalts niemand vorbeikam, entschied ich mich für die Rückkehr nach Flores auf dem Landweg.

(c) valentino 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | vierzehnter gesang | 381 bis 384

belmonte

vierzehnter gesang

381 ajun kniete und war vom brand wie gelähmt
der überall um în loderte es trennten
în nur wenige meter von seinem sohn
der schaute în ängstlich an und es beschämte

382 ajun und er sah es und sprang auf und rannte
zu îm hin und hob în hoch und eilte ohne
länger zu zögern mit îm fort und er schaute
nicht zu satja zurück hinter înen brannten

383 mauern und menschen und wurde todeszone
was einst als letzte zuflucht auf licht gebaut
es gab aber noch eine andere flucht
die wurde gesehen über den äonen

384 nacht kam und sie liefen bis der morgen graute
und wussten nicht ob jemand nach înen suchte
dann kam das wasser zu anfang war es regen
der stärker wurde und tag und nacht andauerte

(c) belmonte 2018

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | achter gesang | 201 bis 204

belmonte

achter gesang

201 so wurde sie für în zum engelinschein
den ajun zu jeder tageszeit anschaute
in seiner schau aber sprach er sein gebet
wie lange noch ließ sie în damit allein

202 nach jeder nacht sobald nur der morgen graute
sagte er du zu îr um îr bild zu sehen
und fragte wem bin ich sonst wem außer dir
sie hörte sein leises sprechen und sein lautes

203 mein lehrer lenkte meinen blick vom geschehen
fort ich fasste nach seiner hand und er führte
mich durch einen schwarzen wald zu einer hütte
auf einem hang dort sah ich einen mann stehen

204 der sägte holz unter der haube und schürte
feuer mein lehrer sprach zu mir unbestritten
ist dieser einer der größten philosophen
seines jahrhunderts das sich fest um în schnürte

(c) belmonte 2014

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