geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | zweiter gesang | 45 bis 48

belmonte

zweiter gesang

45 dort konntest du schon früher die kälte spüren
als deine mutter dich noch hinauf getragen
und du îre milch getrunken hast und aller
deiner brüder glanz und deines vaters zier

46 wurdest und schön gekleidet an hohen tagen
als die strâlen der himmel auf dich gefallen
sind in dem licht warst du selbst der hellste schein
wer wusste da schon welcher weg dich zu schaden

47 führte wer konnte die dunkelheit die bald
die berge bedeckte sehen wann die reine
luft aufgesogen wurde von den verschlungenen
gipfeln wo einst der wind das gras auf den kalten

48 ebenen niedergedrückt da ist jetzt keiner
mehr nur füchse wenn die nacht herab gesunken
und es noch kälter wird auf den unbewohnten
hängen peitscht der schnee über die nackten steine

(c) belmonte 2012

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schunemydalas tod | teil 2

belmonte

schunemydalas tod

2

fester noch fassen war nicht mehr abzuwenden
um schunemydalas leben hochzuhalten
sie wurde ganz schwach und lag im tode dann
hielt ajun sie fest in seinen kinderhänden

und wollte seine fingeru darum falten
îrer hände wann finger steife begann
blieb sechs tage sitzen und sechs nächte allein
bei seiner toten mutter über erkalten

nimmer wäre geschehnis in îr zu bannen
um welcher schuld um welcher strafe zum schein
hörte um ajun aus niemand lautes klagen
in schunemydalas toter nähe sammen

ajun war still sein mund über worten keine
was er in händen hielt konnte er nicht tragen
saß ruhig beugte sich zu malen vornüber
fand în am siebenten tage leise weinen

(c) belmonte 2012

„Schunemydalas Tod II“, Valentino, 2011, 40 x 30 cm, Aquarell und Bleistift auf Aquarellpapier

schunemydalas tod | teil 1

belmonte

schunemydalas tod

1

in schwerer krankheit legte sich îrer tage
ende schunemydala zum sterben nieder
und fasste îren sohn ajun an der hand
der saß an îrem bett und mochte nichts sagen

kummernis schaun seiner mutter wieder wieder
saß er sechs tage und sechs nächte und kannte
kein innehalten anderes zu beginnen
was anders konnte denn sein das wär îm lieber

als schunemydala leise worte fand
ajun kein jammernis oder tränen fingen
wann kein kindsein mehr îm davor auszublenden
dass er auf der höhe îrer worte stand

in îren schmerzen konnte îr hand gelingen
ajun festzuhalten über ihrem ende
spürte sie schon den eishauch dunkler gestalten
sie fortzutragen von den irdischen dingen

(c) belmonte 2012

„Schunemydalas Tod I“, Valentino, 2011, 40 x 30 cm, Aquarell und Bleistift auf Aquarellpapier