Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Siebter Teil

12. April 2016 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Illustration: Valentino

Illustration: Valentino

Der Bus rollte über eine vom Regen lehmige schmale Bergstraße. Ein Lastwagen kam aus der Gegenrichtung. Die beiden Fahrzeuge manövrierten dicht nebeneinander und stießen zusammen. Der Außenspiegel des Busses brach ab. Kurz darauf fuhr uns ein anderer Bus entgegen. Für das Ausweichmanöver benötigten die Fahrer eine halbe Stunde. Etwa auf halber Strecke überholten wir auf einer Passstraße den Bus, der in der Früh kurz vor uns in Huehue abgefahren war und eigentlich auch vor uns in Todos Santos ankommen sollte, jedoch aufgrund eines Achsenbruchs am Gebirgspass liegen geblieben war.

In Todos Santos erwartete mich bereits Sandy vom Sprachprojekt. Sandy machte mich mit Narcisa bekannt, einer Freundin der Mendozas. Bei den Mendozas sollte ich wohnen. Narcisa führte mich in einen höher gelegenen Teil des Dorfes. Auf dem Hof der Familie saß Schwiegertochter Paulina am Webrahmen. Ihr dreijähriger Sohn Eladio lief zu ihr. Narcisa stellte mich vor. Paulina begrüßte mich auf Spanisch und führte mich in ein kleines, separates Zimmer, in dem auf einer Pritsche mehrere Wolldecken lagen. Dann zeigte sie mir das aus Adobe, Lehmziegeln, gefertigte Haus der Mendozas. Es gab eine Feuerstelle mit Steinplatte, Eimer und Feuerholz. An den Wänden hingen Töpfe, Tassen und einfache Haushaltsgegenstände.

Das Dorf lag relativ abgeschieden in einer unzugänglichen Bergregion. Ende der 50er Jahre wurde es ans Straßennetz angebunden: Durch den Bau einer Abzweigung von der Hochlandstraße durch den Höhenzug Los Cuchumatánes. Bei meiner Ankunft war ein Teilstück der Passstraße asphaltiert. Die Dorfbewohner bewirtschafteten ihre Felder, die zwischen zahlreichen schmalen Bergtälern lagen. Neben Mais wurden auch Kartoffeln, Brokkoli und Kaffee angebaut. Der alljährliche Zyklus der Landwirtschaft bestimmte den Lebensrhythmus der Dorfbewohner, bis ein Bürgerkrieg Anfang der 80er Jahre Gewalt ins Dorf brachte.

(c) valentino 2016

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Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | Vierter Teil

8. März 2016 § 2 Kommentare

valentino

Kirche in Nahualá

Illustration: Valentino

Es regnete. Felipe aus Chichicastenango nahm mich mittags in seinem Pick-up mit. In Los Encuentros musste er abbiegen und ließ mich deshalb aussteigen. Ich fuhr mit dem Fahrrad weiter durch den stärker werdenden Regen und erreichte völlig durchnässt Nahualá. Im Ort lebten die Quiché, eine von Guatemalas zahlreichen Ethnien – eine andere große Maya-Sprachgruppe waren die Mam. Einige der indigenen Hochlandbewohner sprachen kaum oder gar kein spanisch. Der Regen ließ nach. Ich schob mein Fahrrad an Pfützen vorbei durch Rinnsale und aufsteigenden Nebel.

Kinder umringten mich. In der Nähe des Marktplatzes stellte ich mein Fahrrad gegen eine Hauswand. Der Regen hatte zwar aufgehört, aber die Luft war sehr feucht. Ich fragte einen Mann nach einer Unterkunft. Er deutete auf ein Haus bei der Kirche. Ich klopfte an die Tür. Ein Mädchen öffnete. Als ich nach einem Zimmer für die Nacht fragte, holte es seine Mutter, die mir einen kleinen Raum mit Bett vermietete. Ich zog die nasse Kleidung aus und hängte sie zum Trocknen auf. Die Dusche war kalt, da der Durchlauferhitzer fehlte. Ich fror und fühlte mich krank. In der Nacht bekam ich Fieber.

Am nächsten Morgen verließ ich Nahualá. Das Fieber schwächte mich noch immer. Ich hatte kaum Kraft zum Fahrradfahren. Am Ortsausgang wartete ich an der Hauptstraße zusammen mit einer Gruppe Einheimischer auf den Bus nach Quetzaltenango (kurz: Xela). Irgendwann hielt anstelle des erwarteten Busses ein Lastwagen, auf dessen Ladefläche Männer mit Macheten auf dem Weg zu ihren Milpas, ihren Maisfeldern, und einige Frauen mitfuhren. Der Fahrer lenkte das Fahrzeug auf der Bergstraße nach Xela schnell und geschickt an zahlreichen Schlaglöchern und senkrechten Abgründen vorbei.

(c) valentino 2016

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Qud

19. Mai 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

Qud

Aquarell: Valentino, 2010

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12. Mai 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

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Aquarell: Valentino, 2010

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5. Mai 2015 § Hinterlasse einen Kommentar

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Aquarell: Valentino, 2010

Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 17. Teil

7. Mai 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino

Haus in den Karpaten

Illustration: Valentino

Tief hingen die Wolken in den bewaldeten Vorgebirgen der Karpaten. Bis nach Piatra Fântânele wand sich der Weg stetig bergauf und folgte einem Gebirgsbach durch eine tiefe Schlucht. Obwohl das trübe Wetter uns die Sicht auf die Landschaft verwehrte, hörten wir das Plätschern des Bachs und rochen das Moos auf dem Fels. Ein Feuersalamander kroch über den nassen Asphalt. In Holda trafen wir einen alten Mann, den wir nach einer Berghütte in der Gegend fragten und der uns fünf Kilometer durch den Regen ins Nachbardorf zum Holzhaus der Alesandrus führte, in dem wir unterkamen.

Das junge Paar Mioara und Zeno versorgte sich und ihre beiden Kleinkinder Maria und Toma mit selbstangebautem Gemüse aus dem Garten und mit Hühnereiern aus dem Stall. Auch gab es heißes Wasser zum Duschen und einen Ofen, an dem wir die nassen Sachen trockneten. Wir nahmen ein wohltuendes, mitternächtliches Bad und schliefen unter den warmen Decken rasch ein. Am nächsten Morgen machte Mioara sich Vorwürfe, weil ein Huhn fehlte. Sie hatte am Vorabend vergessen, die Tür zum Hühnerstall zu schließen, durch die in der Nacht ein Fuchs eingedrungen war.

Unsere Route führte entlang des Bettes der Bistrița und über einige Hügel, bis sich der Fluss vor Bicaz zu einem See staute, an dessen Uferhängen wir uns in einer Berghütte einmieteten. Am nächsten Morgen klarte der Himmel auf und wir sahen in der Ferne das Felsmassiv der Karpaten. Weil das Wetter unbeständig war und wir uns nach Wärme sehnten, rückten wir von unserer geplanten Route durch die Berge ab und nahmen Kurs ostwärts, um in dieser Richtung in einigen Tagen das maritime Klima der Region der Donaumündung zu erreichen.

(c) valentino 2013

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Neunter Teil

26. September 2012 § Ein Kommentar

valentino

Garten

Illustration: Valentino

Cecilia schlenderte in dem weitläufigen Barockgarten. Hohe, gestutzte Hecken umsäumten den großzügig angelegten Teich. Die Wege im Garten waren zahlreich und verzweigten sich zwischen den Hecken und Beeten. Am gegenüberliegenden Ufer stand auf einer Anhöhe ein Pavillon. Im Abendrot blickte Cecilia von dort hinunter auf eine Lichtung des Waldes, der sich vom Fuß des Hügels aus in eine weite Niederung hinein ausdehnte.

Als Kind fing Cecilia mit ihrer Schwester Fabia Fischchen im nahegelegenen Bach, kletterte auf Bäume oder spielte auf Mureșeniis sandigen Wegen mit dem Kreisel, den ihr Vater Marian geschnitzt hatte aus dem Holz des Waldes, der das Dorf bis über die Hügelkuppen hinaus umgab und in der Ferne von den Karpaten überragt wurde. Mit fünf oder sechs Jahren lernte sie Schwimmen im See, in dem alle Kinder des Dorfs badeten. Sie sah ihren Bruder Grigore dort schwimmen und bekam Lust, es ihm nachzutun. Als sie fast unterging dachte sie, es sei noch nicht an der Zeit, im See zu versinken. So schaffte sie es, sich über Wasser zu halten.

Während sie erzählte, zerteilte Narcisa mit der Gabel auf ihrem Teller ein Stück Mămăligă. Mit den Fingerspitzen verrückte sie auf ihrer Nase die Glasovale, über deren Einfassung hinweg sie mit halbwachen Augen sah. Regentropfen prasselten an das kleine Fenster der Wohnstube, in der wir uns auf Anhieb geborgen fühlten. Einige der Tücher und Stoffe bildeten kreisförmig angeordnete rote Rosenblüten und grüne Blätter auf schwarzem Grund ab. Im Nebenzimmer und im Wohnzimmer hingen hinter Glas Kinderfotos. Fabia hatte den Raum kurz verlassen und kehrte nun mit einem Foto zurück, das Cecilia zwischen ihrer Schwester und ihren Brüdern zeigte.

(c) valentino 2012

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