Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 24. Teil

valentino

Palastruine

Illustration: Valentino

Die Ebene lag wie ein Meer vor mir. Ich saß auf der Treppenstufe und erinnerte mich an die Nacht verloren im Wald, an die Tage im Hochland und an den Abend bei den Mendozas. Meine Erinnerungen begannen bereits zu verblassen. Bald würden sie vergessen sein wie die Steine der Maya unter grünen Hügeln. Später träumte ich nie wieder von Palenque, sondern vom schattigen Ufer des Usumacinta oder von meiner Ankunft in La Palma in einer lauen Nacht.

In der Pyramide stieg ich die steinernen Stufen der steilen Treppe hinab in die Grabkammer. Auf dem Sarkophag lag die Grabplatte: Die Inschrift auf ihren Seitenflächen gab die Namen der Herrscher und Daten aus dem Maya-Kalender wieder, ihre Oberseite zeigte den Lebensbaum der Maya. Darunter war Pakal abgebildet bei seinem Übergang nach Xibalbá, der Unterwelt. Nachdem er sie durchwandert haben würde, sollte er im Schutz der Sonnenhieroglyphe am östlichen Horizont wieder auferstehen.

Ich schlenderte auf ausgetretenen Pfaden zwischen den Gebäuden und suchte in der Nachmittagshitze Schatten unter einem Baum. Als die Sonne kurz hinter einer Wolke verschwunden war, bemerkte ich zwei Pinien bei der Palastruine. Ich stellte mir vor, ein Holzpfahl stünde auf dem Platz davor. Dort angekommen würde ich auf eine erloschene Feuerstelle stoßen und mich niederhocken, um mit einem Stock zwischen verkohlten Holzresten in der kalten Asche zu stochern. Da fiele mir ein durchtrenntes Seil auf, das auf der Erde läge. – E N D E –

(c) valentino 2018

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Fortgang der Arbeit | 51

valentino

(c) valentino 2018

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | zehnter gesang | 261 bis 264

belmonte

zehnter gesang

261 schon war ich in der bodenwelle verschwunden
und glitt noch weiter ins wellental hinab
als würde es mich verschlucken immer weiter
schlitterte ich zum grund wo es keinen grund

262 gab der boden unter meinen füßen klappte
um und es wurde ein jähes aufwärtsgleiten
was gerade noch ein wellental war hatte
sich zu einem buckel gestülpt und ich tappte

263 umher stand eben noch auf der innenseite
als diese sich von innen nach außen faltete
ich rutschte aber auf der bewegten fläche
sofort wieder aus in die inwendigkeit

264 und fand mich unter einem mächtigen schatten
wieder und beugte mich nieder wie vor schwäche
während der finger einer riesigen hand
auf mich zeigte ich legte mich auf den platten

boden und wäre am liebsten fortschlichen …

(c) belmonte 2015

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | achter gesang | 221 bis 224

belmonte

achter gesang

221 allein welcher schatten konnte es bedrohen
als ajun du gesagt wurde sie noch schneller
dabei musste sie durch alle sphären stoßen
durch die seine worte zu îr hin geflohen

222 waren jetzt war sie da und nahm în und stellte
în vor sich hin er fühlte sich vor îr bloß
aber wurde von îr so heftig erschüttert
dass er taumelte und îr licht war so grell

223 dass er in îrem blenden die augen schloss
und sich auf tala stützen musste er zitterte
denn sie hatte în durchleuchtet in der dunkelheit
als îr licht mitten durch în hindurch geflossen

224 hielt sie în fest bevor er den ersten schritt
machte sonst wäre er zu boden gesunken
tala die ajun liebte ließ în nicht los
und hörte nicht auf licht über în zu schütten

(c) belmonte 2014

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Cecilia in der Kristallhöhle

valentino

Konzeption spielt bei meiner Arbeitsweise eine eher untergeordnete Rolle. Die meisten Ideen, wie ich zum Beispiel die Perspektive aufbauen möchte, tauchen beim Malen auf. Hier ging es mir in erster Linie darum, die Tiefe des Raumes auszugestalten. Nachdem ich die Figur in das Bild gezeichnet hatte, malte ich zunächst das Drittel unten rechts fertig und ließ es als Vordergrund stehen, um eine bessere Vorstellung von dem Raum dahinter zu haben.

(c) valentino 2013

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 17 bis 20

belmonte

erster gesang

17 jäh beginnt da die kahle erde zu beben
über mir tun sich die himmel auf ich bin
von angst und zittern erfasst und falle nieder
in das licht der da jetzt steht gibt mir mein leben

18 wieder und spricht ich bin der vor anbeginn
schon da war niemals war ich von dir geschieden
ich bin durch den alles seiende ist ohne
mich ist nichts das war oder wird aus mir sind

19 die sichtbaren und die unsichtbaren glieder
erhebe dich dass lehre vom gottessohn
und erkenntnis dir werde von einer anderen
zeiten ewigkeit in der das licht nicht wider

20 im schatten sich spiegelt der weisheit zu hœhnen
viel hast du gelernt und warst doch außer stande
den ganzen menschen zu sehen und den tiefen
gang durch das dunkle reich wo die sêlen stöhnen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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