Unterwegs zu Cecilia | Achter Teil

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Illustration: Valentino

Ich nahm ein gelbes Taxi an der Kreuzung Avenida Constitución und Carrillo Puerto und zahlte dem Fahrer fünf Pesos. Wir fuhren los. Auf Höhe der Zona Norte lag zwischen der Metallwand und San Ysidro, der ersten Siedlung auf der anderen Seite, ein mehrere Kilometer breiter sandiger Streifen, auf dem vereinzelt Sträucher wuchsen. Danach passierten wir eine tiefe Schlucht, dessen Hänge mit Hütten übersät waren.

In Playas stieg ich aus und ging zu Fuß weiter. Die Skyline von San Diego mit der Coronado-Brücke lag als spielzeuggroße Silhouette in einiger Entfernung hinter dem Grenzzaun im Dunst am Horizont. Die rostfarbene, metallene Wand ragte auf Holzpfählen dreißig Meter ins Meer. Über der Wasseroberfläche hingen kleine weiße Wolken am blauen Himmel.

Ich lief hinunter zum Strand. Irgendwo auf der anderen Seite würde sich Cecilia befinden. Doch bis Portland war es ein weiter Weg und ich müsste noch eine Nacht in Tijuana bleiben, bevor ich die Grenze überqueren würde. Mit diesem Ziel vor Augen kehrte ich auf die Promenade zurück und aß bei einem Imbiss-Wagen Garnelen-Tacos.

(c) valentino 2020

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 17. Teil

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Haus in den Karpaten

Illustration: Valentino

Tief hingen die Wolken in den bewaldeten Vorgebirgen der Karpaten. Bis nach Piatra Fântânele wand sich der Weg stetig bergauf und folgte einem Gebirgsbach durch eine tiefe Schlucht. Obwohl das trübe Wetter uns die Sicht auf die Landschaft verwehrte, hörten wir das Plätschern des Bachs und rochen das Moos auf dem Fels. Ein Feuersalamander kroch über den nassen Asphalt. In Holda trafen wir einen alten Mann, den wir nach einer Berghütte in der Gegend fragten und der uns fünf Kilometer durch den Regen ins Nachbardorf zum Holzhaus der Alesandrus führte, in dem wir unterkamen.

Das junge Paar Mioara und Zeno versorgte sich und ihre beiden Kleinkinder Maria und Toma mit selbstangebautem Gemüse aus dem Garten und mit Hühnereiern aus dem Stall. Auch gab es heißes Wasser zum Duschen und einen Ofen, an dem wir die nassen Sachen trockneten. Wir nahmen ein wohltuendes, mitternächtliches Bad und schliefen unter den warmen Decken rasch ein. Am nächsten Morgen machte Mioara sich Vorwürfe, weil ein Huhn fehlte. Sie hatte am Vorabend vergessen, die Tür zum Hühnerstall zu schließen, durch die in der Nacht ein Fuchs eingedrungen war.

Unsere Route führte entlang des Bettes der Bistrița und über einige Hügel, bis sich der Fluss vor Bicaz zu einem See staute, an dessen Uferhängen wir uns in einer Berghütte einmieteten. Am nächsten Morgen klarte der Himmel auf und wir sahen in der Ferne das Felsmassiv der Karpaten. Weil das Wetter unbeständig war und wir uns nach Wärme sehnten, rückten wir von unserer geplanten Route durch die Berge ab und nahmen Kurs ostwärts, um in dieser Richtung in einigen Tagen das maritime Klima der Region der Donaumündung zu erreichen.

(c) valentino 2013

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