geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | dreizehnter gesang | 337 bis 340

belmonte

dreizehnter gesang

337 sag was mit adam und seiner frau geschah
sagte ajun zu satja und satjas trüber
blick irrte hin und her und fand keinen halt
und seine stimme hallte von fern und nah

338 und er sagte ajun ich sollte darüber
schweigen aber was dann noch folgte ist bald
erzählt adam nämlich und seine frau kamen
an einen großen fluss und während sie über

339 în setzten hielt er sie in seiner gewalt
erinnert sich heute wer an seinen namen
und adam und seine frau verspürten großen
durst und tranken vom wasser jenes uralten

340 stromes das înen die erinnerung nahm
an den weg den sie gekommen hingeflossen
mit seinem wasser trinkst du davon vergisstu
alles und nichts das daraus je wiederkam

(c) belmonte 2016

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Mystik des anderen Gottes – Jacques Derrida: Wie nicht sprechen (Fragenrezension)

belmonte

Jacques Derrida reiht sich, indem er in seinem Vortrag „Wie nicht sprechen“ (Hebräische Universität Jerusalem, 1986) Texte von Dionysius Areopagita, Meister Eckhart und Martin Heidegger diskutiert, auf wunderbare Weise in den Chor der Mystik des anderen Gottes ein und wird selbst zu einem Propheten, der von Gott spricht. Wie aber von Gott sprechen? Wie nicht sprechen?

Der Rezensent hat sich entschieden, das schmale Büchlein anhand von Fragen, die in der einen oder anderen Form Derridas Vortrag selbst durchziehen, zu rezensieren.

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen

Wie nicht sprechen?
Wie nicht sprechen, um gut zu sprechen?
Wie von der Spur sprechen?
Wie schweigen vom Unaussprechlichen?
Wie die Antwort vertagen?
Wie die Verheißung vertagen?
Wie sie auf nächstes Jahr in Jerusalem vertagen?
Wie Gott vertagen?
Wie eines Tages aufhören zu vertagen?
Wie nicht von Gott sprechen?
Wie es bereits begonnen haben zu tun?
Wie etwas auf eines Tages vertagen, das schon Gegenwärtigkeit in Anspruch nimmt?
Wie schweigen, wenn Schweigen eine Modalität des Sprechens?

Wie nicht sprechen?
How to avoid speaking?
Wie bereits immer angefangen haben zu sprechen in der vorausgegangenen Spur des Sprechens?
Wie gesprochen haben werden müssen?
Wie das Unabsprechbare nicht absprechen?
Was damit tun vor Gott?
Wie vermeiden zu sprechen?
Wie ein Geheimnis bewahren?
Wie lügen?
Wie fähig sein, für sich zu wahren, was man weiß?
Wie sich davor in Acht nehmen?
Wie sich vor dem Ruf in das Geheimnis in Acht nehmen?
Wie dem Erkennen entgehen?
Wie dank des Nichterkennens erkennend werden jenseits aller Verständlichkeit?
Wie ein Geheimnis nicht verbreiten?
Wie es wissen lassen, damit das Geheime des Geheimnisses geheim bleibt?
Wie die Verneinung verneinen?

Wie findet Gott Statt, der nicht ist, jenseits des Seins?
Wie ist dieser Ruf dieses anderen dem Sprechen vorangegangen?
Welche Spur davon wahrt noch die negativste Rede?
Wie rührt das Vermögen von Gott zu reden von Gott her, selbst wenn man, um es zu tun, vermeiden muss zu sprechen, mit dem Ziel, wahr zu sprechen?
Wie ist dieses Vermögen eine Wirkung Gottes als absoluter Referent?
Welche ist die Spur dieses Ereignisses, welches das Sprechen möglich macht?
Welche Spur hat Statt gefunden, und würde nur Asche davon bleiben?
Denn es gibt da Asche!

Welche Vergangenheit, die niemals gegenwärtig gewesen ist?
Welches beinahe Nichts?
Welches Gute, dessen nicht-sein kein Nicht-Sein ist, aber jenseits des Sein ist?
Welches Nicht-Sein als anderes, das nicht absolutes Nichts ist, wenn selbst das Logos der negativen Rede nicht vermeiden kann, von etwas zu sprechen?

Wie die chōra nennen?
Wie den Zwischenraum nennen?
Wie vermeiden, von der chōra zu sprechen, als von etwas, welches ist oder nicht ist?
Wie die chōra adressieren?
Wie dieses Geheiß denken, welches eine Spur in der Sprache gelassen haben wird?

Wie das Gebet erfahren?
Wie das Geschwätz vermeiden im Übergang durch die Wüste des Diskurses?
Wie den anderen adressieren, Gott zum Beispiel?
Wie beten?
Wie den andern bitten, das Gebet anzuhören, für es gegenwärtig zu sein, der andere zu sein, Ruf und Ursache des Gebetes zu sein?
Wie sich nicht von Jerusalem entfernen?
Wie nicht die Verheißung abwarten?
Wie das Siegel darstellen, welches das Undarstellbare darstellt?

Wie das reine der Seele finden, erleidend und ruhend in sich selbst?
Wie nichts vermögen zu erleiden außer Gott?
Wie die Spur dessen erkennen, was nicht ist?
Wie Zugang finden zu dem, was nicht mehr Ort ist?
Wie sich am unzerteilbaren Punkt versammeln?
Wie den Ort des Nichts denken?
Wie Zugang zur Ankunft eröffnen?
Wie die in der Angst gemachte Erfahrung Gottes eröffnen, der nicht ist?
Wie nicht daran denken?
Wie das Sein denken, das nicht (ein Seiendes) ist und in Wahrheit nichts (welches wäre) ist?
Wie Gott schreiben?
Wie am Rande des Schweigens beten?

(c) belmonte 2015

Jacques Derrida: Wie nicht sprechen – Verneinungen. Aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek. Herausgegeben von Peter Engelmann. Passagen Verlag, Wien 1989, 3., überarbeitete Auflage 2014. 126 S.

Link zum Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek

geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 13 bis 16

belmonte

erster gesang

13 ab kehrte ich mich vor der sicheren zernichtung
und lief schneller als irgend konnte davon
in die felswüste wo unter donnerrollen
wilder tiere heulen mein sinnen zerbricht

14 hier wo nur steine aus kalten sêlen wohnen
und die berge über mich schreien wer sollte
sich noch um mich kümmern in verzweiflung an
der finisterreich übermächtiger throne

15 werden denn zu schanden die mir übel wollen
wenn ich meine sêle nicht mehr tragen kann
wird mir in dieser leere antwort gegeben
anders als nur schweigen die himmel befohlen

16 woraus einst die engel und die wächter kamen
allein stehe ich da wann sonst mein lehrer neben
mir stand und mich an sich hielt der wahrheit in
leere trauernis über mir auszuspannen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht | erster gesang | 5 bis 8

belmonte

erster gesang

5 wann schweigen war verborgener worte wachen
rief mich arimanius meiner sêle schnüren
auf meinem weg hinauf zum tempel von über
von unter schon hörte ich în weithin lachen

6 als ich în dort sah wurde mir eises friern
und taumel arimanius sah mich im fieber
und rief wo ist dein lehrer auf dich zu schauen
wo ist er hin der nicht vermochte zu führen

7 ist er nicht hier wurde er denn ausgetrieben
sag mir doch die statt wo er steckt den genauen
ort oder kennst du nicht sein bitteres los
wenn du dich doch seiner sache so verschrieben

8 zur irre gebracht dem wolltest du vertrauen
und hast nicht darauf gesehen welchen stoß
er gestoßen wurde ins ewige vergessen
dahin wo keiner dringt ins dämmernde grauen

(c) belmonte 2011

© valentino 2011

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