„Möchtest du nicht manchmal einfach nur … ein Mensch sein?“ – N. K. Jemisin: Zerrissene Erde (Buchrezension)

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N. K. Jemisin: Zerrissene Erde

N. K. Jemisin: Zerrissene Erde

Ich wollte nach einiger Zeit mal wieder Fantasy lesen und bin, ich weiß nicht mehr genau wie, auf N. K. Jemisins Broken-Earth-Trilogie gestoßen. Ich lese gut Englisch, aber es braucht eben doch ein wenig länger, und da der erste Band Zerrissene Erde gerade auf Deutsch erschienen ist, habe ich mich für die deutsche Übersetzung entschieden.

Das Buch war dann gar nicht so einfache Lektüre, wie ich anfangs dachte. Eine komplexe Welt erwartete mich da, mehr eine Mischung aus Fantasy und Science-Fiction. Irgendwo habe ich den Begriff Science Fantasy gehört. Der trifft es ganz gut. Es kommen ein paar unbekannte Tiere vor, keine Drachen, und was nach Magie klingt, sind eher wissenschaftlich untermauerte Fähigkeiten, zum Beispiel das Erspüren von seismischen Bewegungen oder aktiven Heißflecken im Erdinneren durch mentales Ertasten, so genanntes Mentasten. Wer in dieser auch Orogenie genannten Fähigkeit mächtig ist, kann ganze Erdplatten bewegen und sogar Erdbeben auslösen. Die Orogenen aber sind alles andere als hoch angesehen, denn wer von ihnen nicht trainiert ist, kann schnell mal durch einen Wutausbruch versehentlich eine ganze Stadt verwüsten. Selbst die besten Orogenen werden daher von noch mächtigeren Wächtern beaufsichtigt.

Die Geschichte handelt

  • von der jungen Damaya, die gerade ihre Orogenie entdeckt,
  • von der bereits in Orogenie trainierten Syenit, deren orogene Fähigkeiten sich als außerordentlich mächtig herausstellen,
  • von der bereits älteren Essun, deren Mann gerade ihren Sohn getötet und sich mit ihrer Tochter auf und davon gemacht hat. Auch sie ist eine Orogene.

Bevor die drei im späteren Verlauf auf erstaunliche Weise zusammenkommen, gehen sie ihrer unterschiedlichen Wege – und das stets in Begleitung, etwa des Wächters Schaffa, der als Zeichen seiner Macht Hände zerbricht, oder des zehnberingten (also ebenfalls sehr mächtigen) Orogenen Alabaster, von dem vor allem Zeugungsfähigkeit erwartet wird, oder des Jungen Hoa, der gar kein Junge ist, sondern ein steinalter Steinesser. Alle haben ihre besonderen Fähigkeiten. Steinesser zum Beispiel verwandeln dich gern mal in Stein, ziehen dich unter die Erde und stoßen dich irgendwo an anderer Stelle wieder aus der Erde hervor. Sicherlich schmerzhaft. Kann aber auch mitunter die letzte Rettung vor den Wächtern sein.

N. K. Jemisin: The Fifth Season

N. K. Jemisin: The Fifth Season

Nicht nur mit den Orogenen spiegelt Jemisin den Rassismus unserer eigenen Welt. Nicht von ungefähr werden die Orogenen von Nicht-Orogenen Rogga genannt, da klingt Nigga an. Die Orogenen sind die Ausgestoßenen, die Verfolgten, die schnell mal umgebracht werden, bevor sie irgendein Unheil anrichten.

Alabaster fragt Syenit: „Möchtest du nicht manchmal einfach nur … ein Mensch sein?“ und sie antwortet: „Wir sind keine Menschen.“. Er aber besteht darauf: „Dass wir keine Menschen sind, ist genau die Lüge, die sie sich erzählen, damit sie sich nicht schlecht angesichts der Tatsache fühlen müssen, wie sie uns behandeln“ (376).

Jemisin hat sicherlich noch viele weitere Spiegelungen aus unserer Welt in ihre Erzählung eingebaut. Ich habe bestimmt nicht alles erkannt. Aber dass die Welt gerade im Innern auseinanderbricht und die Menschheit sich auf eine sehr lange, wenn nicht gar endgültige Dunkelheit vorbereiten muss, ist ein bedrohliches Menetekel unserer eigenen Welt.

Der Roman ist wunderbar schnell und abwechslungsreich und hält einige hervorragende Wendungen bereit. Von einigen Kleinigkeiten abgesehen erscheint mir auch die Übersetzung gelungen. Mir gefällt das Cover der englischen Ausgabe allerdings deutlich besser. Ohnehin bin ich der Ansicht, dass die Amerikaner derzeit ansprechendere Cover kreieren.

N. K. Jemisin hat für jeden der drei Bände als erste Autorin in drei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils den Hugo Award erhalten und ist als schwarze Autorin in eine weiße Domäne gestoßen, was dem Genre mehr als gut tut. Einen Eindruck davon, wie viel Skepsis ihr von Agenten und Lektoren entgegengebracht wurde, erhält man von ihrer Rede bei der Hugo-Preisverleihung:

(c) belmonte 2018

N. K. Jemisin: Zerrissene Erde. Übersetzt von Susanne Gerold. Knaur, München 2018, 494 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

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Von verrosteten Wurmlöchern und explosiven Halskrausen – Kai Meyer: Die Krone der Sterne (Buchrezension)

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Kai Meyers Roman Die Krone der Sterne ist rasante Space Fantasy, ein Pageturner mit erstklassigem Weltenbau, viel Liebe zum Detail und einem stimmigen Plot.

Das Buch ist sehr schön gestaltet, mit Himmelskarte, auf der die Regionen der Galaxis mit dem Kernreich, den Marken, den äußeren Baronien und dem sogenannten Katarakt verzeichnet sind.

Jens Maria Weber liefert ansprechende Zeichnungen (Interview siehe hier), zum Beispiel des wichtigsten Raumschiffes der Story, der Nachtwärts, einem halbmondförmigen Alleskönner. Ich vermute, es ist eine augenzwinkernde Verbeugung vor dem Millenium Falken. Die Greifer, kleine von Hexen ferngesteuerte Raumjäger, erinnern mich an Star Wars TIE Fighter, und die imperialen Sternzerstörer sind hier gigantische Weltraum-Kathedralen, die mich mit all ihren Statuen an den Mailänder Dom erinnern.

Kai Meyer: Die Krone der Sterne

Kai Meyer: Die Krone der Sterne

Vermutlich ist Die Krone der Sterne überhaupt voll von Zitaten, ich habe wahrscheinlich nur ganz wenige entdeckt. Die Stadt Djenja auf dem Planeten Nurdenmark erinnert an Mos Eisley auf Tatooine. Mir gefällt dieses Spiel sehr. Es bettet das Buch in einen Space-Fantasy-Kanon ein, dem ich einiges abgewinnen kann.

Auch die Raumschiff-Ästhetik ist schön getroffen, alles ist nach meinem Eindruck auf Retro-SciFi getrimmt:

„Auf dem Monitor wurde ihnen eine Richtung angezeigt, eine Flugbahn in einem dreidimensionalen Raster.“ (68)

Das hört sich sehr nach Vektorgrafik aus dem ersten Elite-Spiel an, das mich vor langer Zeit an den Monitor band, oder irgendwelche Bildschirmanzeigen aus alten Star-Trek-Folgen.

(Und wen Retro-SciFi interessiert, findet hier auf Twitter einen unerschöpflichen Fundus).

Raumschiffe und Raumschleusen (fabelhafter Einfall, um Wurmlöcher zu passieren) sind allesamt herrlich verrostet und heruntergekommen, gehen fast schon als Steampunk durch, weit entfernt jedenfalls von Edelchrom-Raumfahrt.

Die Story hat es in sich. Die junge Baroness Iniza hat kein Interesse, sich als Braut einer fernen Hexenkaiserin einzufinden. Kurzerhand flieht sie quer durch die Galaxis und sammelt einen einschlägigen Haufen aus Einzelkämpfern zusammen, die sich natürlich erst einmal allesamt überhaupt nicht ausstehen können. Der Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern, der zwischendurch eine explosive Halskrause entfernt werden muss, sind sehr schön gezeichnet. Auch eine hübsche Roboter-Muse ist bald mit von der Partie, und sie ist in der Lage, tausend Jahre schlafende Roboter-Armeen wiederzuerwecken und schlimme Dinge tun zu lassen.

Ich finde auch die Einbindung in eine lange Historie sehr beeindruckend mit einem vor tausend Jahren vom Hexenorden in den Bann geschlagenen Maschinenherrscher, der mit seinen Robotern ein noch älteres Reich erobert hatte.

Immer wieder ist von dem schwarzen Loch Kamastraka die Rede, das vor Ewigkeiten die Galaxis durcheinander gewirbelt hat. Dass dieses schwarze Loch im zweiten Band „Hexenmacht“ (erscheint im Februar 2018) noch weiter wirbelt, daran lässt Kai Meyer keinen Zweifel:

Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die Fortsetzung.

Die Krone der Sterne ist ein Plotroman, der viel Spaß macht und in dem alles stimmt. Dennoch zeigt er mir, dass es in der deutschsprachigen Belletristik einen Unterschied zwischen E- und U-Literatur gibt. Ich frage mich zum Beispiel, ob ein Roman wie Die Krone der Sterne mit tiefen, kontroversen und sich entwickelnden Charakteren geschrieben werden könnte. Stattdessen sind die auftretenden Personen Figurenmuster, die keine innere Entwicklung durchmachen, keine existenziellen Konflikte durchleben, keine verhängnisvollen Entscheidungen ausgrübeln. Auch die Dialoge haben keinen Selbstzweck, sondern führen den Plot voran. Kai Meyer ist ein Meister darin.

Ich frage mich, ob ich bereits Fantasy gelesen habe, in der ich komplexe Charaktere wahrgenommen habe. Auch in Der Herr der Ringe sind die Hauptpersonen weniger Bilbo, Gandalf oder Samweis sondern Mittelerde selbst, eine Welt, die in allen möglichen Charakterzügen von beschaulich, ungestüm, unterirdisch, geheimnisvoll bis mörderisch dargestellt wird. – Und ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass Mittelerde Tolkiens eigentliche Hauptperson ist. –

In Star Wars lässt sich Charaktertiefe punktuell allenfalls in Anakin Skywalker – und vielleicht in Obi-Wan Kenobi – feststellen. Dass eine Person wie Anakin Skywalker in den neuen Disney-Filmen gänzlich fehlt, macht die neuen Folgen bei allem Augenschmauß erzählerisch belanglos.

Vielleicht muss ein Fantasy-Epos mit drei Familien, die in mehreren Generationen und zahlreichen Affiliationen die Weltgeschichte begleiten, erleiden und selber schreiben, ein phantastisches Krieg und Frieden mit lebensechten Personen, die mehr sind als Klebebilder, in der die Personen in ihrer Welt relevant sind und nicht eine Welt voller Personen, erst noch geschrieben werden. Geht Frank Herberts Wüstenplanet, der noch auf meine Lektüre wartet, womöglich in diese Richtung?

(c) belmonte 2018

Kai Meyer: Die Krone der Sterne. Fischer Tor, Frankfurt am Main 2017, 461 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Science Fiction, What if … Licht (Werkstatt)

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Gabriel Hardman, Corinna Bechko, Invisible Republic, Volume 1

Gabriel Hardman, Corinna Bechko, Invisible Republic, Volume 1

Auch den ersten Band der Comic-Reihe Invisible Republic von Gabriel Hardman und Corinna Sara Bechko habe ich nun beendet. Das Konzept gefällt mir, die Zwei-Zeiten-Struktur ist gut aufgebaut, auch der Hard-Science-Fiction-Charakter spricht mich an, ich bin aber doch nicht sicher, ob Ansätze der Begeisterung für die nächsten Bände ausreichen. Der Film Children of Men hat mir außerordentlich gut gefallen (Open-Air-Sommerkino in Monopoli, Provinz Bari), aber ich doch sehr froh, dass er keine Fortsetzung hat. Seitdem ich allerdings diesen Film gesehen habe, kommt mir London, wohin ich regelmäßig reise, genau so vor: Alles irgendwie grau und gedrängt und dreckig und kein neues Leben mehr. Pop-Musik der Achtziger Jahre:

All around me are familiar faces | worn out places | worn out faces. | Hide my head | I want to drown my sorrow | no tomorrow | no tomorrow. | The dreams in which I’m dying | are the best I’ve ever had.

Nächstes Jahr werde ich endlich die re:publica besuchen, so viele Vorträge, die mich bloß noch neugieriger machen, Science Fiction als Geisteshaltung von Katja Böhne gibt einen exzellenten Überblick über aktuelle Science-Fiction-Literatur und mehr. Christian Zöllner stellt sein Designkonzept From Fiction to Action vor, und Eden Kupermintz zieht in The Ocean of Dreams ganz lange Linien.

Ab sofort gibt es für mich keine Genres in der Literatur mehr.

– Science Fiction läuft unter „What if …“.
– Alle anderen Literaturen fallen für mich ebenfalls unter „What if …“.
– Ist nicht Fantasy ebenso „What if …“?
– Und auch der realistische Roman ist ein „What if …“.
– Gewissermaßen ist sogar eine historische Dokumentation ein „What if …“.

– So war es.
– Wirklich?
– Jedenfalls sagen das die Quellen.
– Sagen sie das?
– Jedenfalls wäre es so gewesen, wenn die Quellen recht hätten.
– Aha!
– Was wäre, wenn die Quellen recht hätten?
– What if …
– Ist dann Tolstois Krieg und Frieden Fantasy?
– Ja, natürlich.
– Ist Tolkiens Herr der Ringe ein realistischer Roman?
– Ja, klar, magischer Realismus.
– Und Star Wars?
– Nun ja, vor langer, langer Zeit eben.

Wenn du erkennst – und wenn du erkennst, dass du vom Licht bist – dann setzt du dich selbst in Stand. Durch dieses Aufsetzen änderst du dich selbst. Da du aber selbst vom Licht bist, ändert sich das Licht, dass du erkennst. Also ändert sich im Erkennen Erkennendes und Erkanntes in eins. Erkennendes und Erkanntes sind dann eins.

Ich selbst bin im großen Licht und bin Licht, und das Licht ist eins mit mir und in mir. Ich bin das andere, und ich bin die andere, und ich bin im anderen, und das andere in mir und ich bin du.

(c) belmonte 2017

Gabriel Hardman, Corinna Bechko: Invisible Republic. Volume 1. Image Comics, Berkeley, CA 2015, 128 S.

Link zum Datensatz in WorldCat

Versunkene Welt – Ein erstaunlich vergessener Film (Filmrezension)

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The Lost World

Gastrezension von Ansgar Skulme von unserem Partner-Blog Die Nacht der lebenden Texte (und stellvertretender Chefredakteur von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“)

SF-Fantasy // Abenteuerlich und absurd erscheint es den geladenen Gästen, als Professor Challenger (Claude Rains) auf großer Bühne verkündet, in den Untiefen des südamerikanischen Urwaldes Dinosaurier entdeckt zu haben. Vor allem sein Konkurrent Summerlee (Richard Haydn) verlacht den kauzigen alten Mann. Doch als sich der Abenteurer Lord Roxton (Michael Rennie) bereit erklärt, an einer von Challenger angeregten Expedition teilzunehmen und der Global News Service für die Beteiligung des Journalisten Ed Malone (David Hedison) eine saftige Geldsumme entrichten will, kommt auch Summerlee nicht mehr umhin, sich in das Amazonas-Gebiet zu wagen. Mit Hilfe zweier Ortskundiger und begleitet von zwei weiteren Abenteuerlustigen, darunter eine Frau, die nicht locker lassen bis man sie nicht mehr wegschicken kann, ist das Ziel schon bald erreicht und es dauert nicht lange bis auch der erste Dino durchs Dickicht stampft.

Auf dem Weg zum zweiten Durchbruch

„Versunkene Welt“ war 1960 erst der zweite Spielfilm von Irwin Allen, der 1953 für die Doku „Geheimnisse des Meeres“ („The Sea Around Us“) einen Oscar gewonnen hatte. Den Sprung ins dramatische Fach vollzog er 1957 mit „The Story of Mankind“, der durch seine großartige Besetzung und als letztes gemeinsames Projekt der drei Marx Brothers Groucho, Chico und Harpo Bekanntheit erlangte, inhaltlich aber kaum positive Kritiken erntete und trotz seines Star-Ensembles nie eine deutsche Fassung erhielt. Da half auch die ambitionierte Story um den Widerstreit des Teufels (Vincent Price) mit dem guten Geist der Menschheit (Ronald Colman) nichts. Irwin Allen blieb der Fantasy und Science-Fiction dennoch treu, widmete sich diesen Genres über seine gesamte Filmkarriere hinweg beinahe exklusiv.

Fast echte Dinosaurier

Es mutet etwas kurios an, dass ausgerechnet Allen, der ehemalige Dokumentarfilmer, die Dinosaurier in „Versunkene Welt“ mit Stop-Motion realisiert sehen wollte und es schließlich nur aus finanziellen Gründen zu einer Umsetzung mit echten Waranen kam, die gewissermaßen als Dinosaurier verkleidet wurden. Man hätte denken können, er habe auf diese relativ realistische Darstellung bestanden, doch so war dem nicht. Trotz der Tatsache, dass man natürlich weiß, dass es sich um andere Tiere handelt, wohingegen animierte Figuren tatsächlichen Dinosauriern wahrscheinlich ähnlicher gesehen hätten, haben die realistischeren Bewegungsabläufe echter Tiere im Vergleich zu animierten einen durchaus positiven Effekt auf den Film. Dass die Dinosaurier von anderen Tieren verkörpert werden und nicht animiert worden sind – abgesehen davon, dass die Größenverhältnisse durch Trickaufnahmen verschoben wurden –, macht „Versunkene Welt“ zu einer besonderen Produktion. Man kann in diesem Zusammenhang durchaus von einer Art Alleinstellungsmerkmal reden, welches diesen Film ungewöhnlich und daher herausragend macht. Sicher ist die Inszenierung der Tiere teils etwas behäbig, die „Kostümierung“ der Warane als Dinosaurier hätte etwas liebevoller vollzogen werden können, aber immerhin: Es sind Lebewesen als Dinosaurier zu sehen.

Die Vorwehen der Cleopatra

Da „Versunkene Welt“ im Sommer 1960 veröffentlicht wurde, ist es durchaus erschreckend, sich zu vergegenwärtigen, dass die Sparmaßnamen schon bei der Produktion von dem erst 1963 erschienenen Epos „Cleopatra“ bedingt wurden – dessen Budget war bereits 1960 außer Kontrolle geraten. Selbst obwohl Hollywood mit seinen Jules-Verne-Verfilmungen der 50er-Jahre gute Erfahrungen gemacht hatte und „Versunkene Welt“ gewissermaßen als Teil dieser angehenden Erfolgsreihe produziert wurde, hatte der Film keinen ausreichenden Sonderstatus, um hinsichtlich des Budgets von „Cleopatra“ unbehelligt zu bleiben.

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Ob die Sparmaßnahmen auch der Grund dafür waren, dass sich mit Michael Rennie und David Hedison zwei Schauspieler die Führungsrolle teilen, die damals zwar bekannt und hauptrollenerprobt, aber nicht unbedingt große Stars waren, während „20.000 Meilen unter dem Meer“ Kirk Douglas und „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ James Mason als Headliner ins Feld führte, ist nicht einfach nachzuweisen. Es ist jedoch auffällig, dass „Versunkene Welt“ ein wenig daran krankt, keine einzige Figur zu präsentieren, mit der man sich wirklich identifizieren kann. Mit Abstrichen ist davon der kauzige Professor Challenger auszunehmen, der von Claude Rains recht sympathisch dargestellt wird, genau genommen bleiben jedoch alle Expeditionsteilnehmer oberflächlich.

Die Handlung hätte außerdem mehr Höhepunkte verdient gehabt. All dies ist in erster Linie ein Problem des Drehbuchs und weniger den Schauspielern geschuldet. Der Film ist recht schnörkellos, wirkt manchmal sogar etwas hektisch, was für Produktionen, die in Fantasy-Welten spielen, eher ungewöhnlich ist, wo man die Settings in der Regel lieber zu viel als zu wenig auskostete.

Das Vermächtnis des Sir Arthur Conan Doyle

Die von Sherlock-Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle erdachte Geschichte entpuppt sich schließlich aber als so eingängig, dass man dem Werk seine Schwächen gern verzeiht. Hektisch ja, aber daher auch nicht langweilig. Beinahe echte Dinosaurier und ein in der Breite doch recht gut aufgestelltes Ensemble – wenn auch ohne schillernden Superstar – geben dieser Produktion letztlich Wiedererkennungswert. Vielleicht ist dabei auch durchaus hilfreich, dass man die Story von Anfang an als albernen Quatsch verorten kann und somit gar nicht erst in Versuchung gerät, zu hohe Ansprüche an die Realitätsanbindung der Science-Fiction zu stellen. Der Film macht nie den Eindruck „sich selbst zu ernst zu nehmen“, wie man es heutzutage immer so schön formuliert – als habe ein Film ein eigenes Bewusstsein. Dass es mitten im Regenwald, wenn man nur weit genug vordringt, plötzlich Dinosaurier geben soll, die sich aus diesem Gebiet aber auch nicht entfernen, ist schon reichlich an den Haaren herbeigezogen – das dürfte selbst den Lesern zu Conan Doyles Lebzeiten bewusst gewesen sein. Aber das ist eben das Schöne an Science-Fiction: Wie hoch der Realitätsgehalt ist, ist beinahe völlig egal. Am Ende geht es nur darum, ob eine angemessene Mischung aus Unterhaltungswert und Spannung gefunden wurde und ob eine Verbindung zwischen Wahrheit und Fiktion gelingt, und sei es nur an einem kurzen Verbindungspunkt. All dies ist hier der Fall. Und zudem ist das Ende sehr versöhnlich, mit einer netten, charmant inszenierten, lustigen Pointe und einem guten Schlussbild.

Erste Tonfilm-Version des Romans

Kinder der 90er-Jahre wurden mit dem Kinofilm „Die verlorene Welt“ (1992) mit John Rhys-Davies, dessen Sequel, einer weiteren Verfilmung mit Patrick Bergin (1998) sowie der gleichnamigen TV-Serie (1999–2002) groß. 2001 folgte darauf noch ein Zweiteiler mit Bob Hoskins, James Fox und Peter Falk. Kaum zu glauben, dass es die Story davor nur zweimal im Kino zu sehen gab: in einem Stummfilm mit Wallace Beery von 1925 und eben Irwin Allens erster Tonfilm-Version von 1960.

Top 5 mit Augenzwinkern

Ich gebe zu: Dass ich „Versunkene Welt“ in meine Top 5 in Ausgabe 11 von „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ zum Thema Science-Fiction platziert habe, hat neben der Tatsache, dass ihn die „echten“ Dinosaurier ziemlich einzigartig machen, in erster Linie einen Grund: Ich halte es für ebenso schade wie unerklärlich, dass er in Deutschland noch nicht auf DVD erschienen ist – im Gegensatz zu den USA, aber auch anderen Ländern Europas. Vor allem die Nähe zu den beliebten klassischen Jules-Verne-Verfilmungen der 50er- und 60er-Jahre und die Verbindung zu den nicht wenigen, teils recht bekannten Neuverfilmungen von Conan Doyles „The Lost World“ wirft die Frage auf, warum sich hierzulande bisher niemand ausreichend um eine Veröffentlichung dieser Verfilmung von 1960 bemüht hat – eine digital remasterte Originalversion existiert ja. Die „Versunkene Welt“ scheint in den Untiefen der deutschen Filmarchive geradezu versunken zu sein – verloren allerdings nicht, denn auf Sky Nostalgie und dem Free-TV-Sender Das Vierte wurde der mit einer durchaus hörenswerten zeitgenössischen Synchronisation ausgestattete Film innerhalb der vergangenen zehn Jahre vereinzelt ausgestrahlt.

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„Versunkene Welt“ ist zweifelsohne einer der besten und epischsten klassischen Genrebeiträge, die es bei uns trotzdem noch nicht auf DVD geschafft haben, auch wenn sicherlich viele bereits veröffentlichte Filme des Genres besser sind als dieser. Insbesondere was Literaturverfilmungen anbelangt, dürfte er unter den in Deutschland bislang nicht auf DVD erschienenen Genrebeiträgen des Classical Hollywood hinsichtlich Qualität und Produktionsvolumen weitestgehend konkurrenzlos sein – es ist wohlgemerkt ein Film von 20th Century Fox und das sieht man ihm auch an.

Vergessener Film eines vergessenen Genre-Veterans

Irwin Allen lieferte mit „Unternehmen Feuergürtel“ und „Fünf Wochen im Ballon“ 1961 und 1962 noch zwei weitere Kinofilme ab, die bei uns auch bereits auf DVD erschienen sind, ehe er sich zunächst der Produktion der Serie „Die Seaview“ widmete, die auf eben jenem „Unternehmen Feuergürtel“ basiert. Danach wurde er anderweitig fürs TV tätig. Ins Kino kehrte Allen erst in den 70er-Jahren zurück, unter anderem als Ko-Regisseur beim Katastrophenfilm-Meisterwerk „Die Höllenfahrt der Poseidon“. Für Science-Fiction an der Schnittstelle zur Fantasy war er in den 1960er-Jahren sicher einer der bedeutendsten Regisseure.

Veröffentlichung: 1. Juni 2015 als Blu-ray und DVD (GB), 11. September 2007 auf DVD (USA)

Länge: 97 Min. (Kino)
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Lost World
USA 1960
Regie: Irwin Allen
Drehbuch: Charles Bennett, Irwin Allen, nach einem Roman von Arthur Conan Doyle
Besetzung: Michael Rennie, Jill St. John, David Hedison, Claude Rains, Fernando Lamas, Richard Haydn, Ray Stricklyn, Jay Novello, Vitina Marcus, Ian Wolfe
Verleih: 20th Century Fox

Copyright 2015 by Ansgar Skulme
Packshots GB: © 101 Films / Packshot USA: © Fox Home Entertainment

Krieg der Welten – Aliens als 9/11-Aufarbeitung (Filmrezension)

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War of the Worlds

Gastrezension von Simon Kyprianou von unserem Partner-Blog Die Nacht der lebenden Texte (und Autor bei 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin)

Science-Fiction // Der geschiedene Ray Ferrier (Tom Cruise) lebt entfremdet von seinen zwei Kindern Rachel (Dakota Fanning) und Robbie (Justin Chatwin). Als die Mutter Mary Ann (Miranda Otto) die Kinder für ein paar Tage bei ihm lässt, um mit ihrem neuen Freund zu entspannen, greifen Außerirdische die Erde an. In all dem Chaos versucht Ray, mit seinen Kindern die Mutter zu erreichen.

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Da braut sich was zusammen

Ein Fluss treibt dutzendfach Leichen ins Bild, in einem Wald regnet es Kleidungsstücke von Verstorbenen, Städte werden in Sekundenschnelle ausgelöscht und ein Kinderlied untermalt einen Mord. Spielbergs Film findet verstörende, unmittelbare, teilweise surreale Bilder für das Grauen der Apokalypse. Die Flucht vor den Aliens ist der Versuch, die Kernfamilie wiederherzustellen – die Suche nach der Mutter und die Versöhnung mit dem Vater.

Das Grauen im Keller

Die Flucht wird zu einer wahren Odyssee durch eine Welt im Ausnahmezustand, mal brachial inszeniert mit Gefechten und hektischen Massenszenen, in denen die flüchtigen Menschen einander zerfleischen, mal verdichtet als minimalistisches Kammerspiel in der hervorragenden Szene im Keller des Eigenbrötlers (Tim Robbins). Wie bei „Der weiße Hai“ und „Duell“ bleibt die Bedrohung eine unbeschriebene Projektionsfläche – sie wird nicht erläutert und ist gerade darum so erschreckend.

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Aus Staunen wird Unbehagen – dann Angst

Das Happy End hat einen wunderlichen Beigeschmack, es wirkt künstlich, wie eine verzweifelte Wunschvorstellung. Es ist immer noch überschattet von dem Grauen, das Spielberg zuvor so unmittelbar und wirkungsvoll inszeniert hat. In dieser Uneindeutigkeit und Künstlichkeit ist es vielleicht aber ein adäquates Ende für einen Film, der zweifellos aus dem 9/11-Trauma heraus entstanden ist.

Orientierung an „Kampf der Welten“ von 1953

Legendär ist Orson Welles’ Radiohörspiel, das 1938 viele US-Bürger in Angst und Schrecken versetzt haben soll – am Wahrheitsgehalt der Panik darf aber gezweifelt werden. Bereits 1953 verfilmte Byron Haskin den Roman von H. G. Wells. „Kampf der Welten“, so der deutsche Verleihtitel, wurde 1954 mit dem Oscar für die Spezialeffekte prämiert. Spielberg orientierte sich in seiner Adaption an etlichen Elementen von Haskins Version. Ein Academy Award blieb der Neuverfilmung zwar versagt, aber „Krieg der Welten“ ist unheimlich feinsinnig in seiner Figurenzeichnung, effizient erzählt und formal hervorragend – wahrscheinlich der beste Film in Spielbergs Spätwerk.

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Flucht erscheint aussichtslos

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind dort in der Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tom Cruise unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 19. August 2010 als Blu-ray im Steelbook, 14. Mai 2010 als Blu-ray, 15. November 2005 als DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: War of the Worlds
USA 2005
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp, nach dem Roman von H. G. Wells
Besetzung: Tom Cruise, Dakota Fanning, Tim Robbins, Miranda Otto, Justin Chatwin, Rick Gonzalez, Yul Vazquez, Lenny Venito, Lisa Ann Walter, Ann Robinson, Gene Barry
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © Paramount Home Entertainment

Coherence – Manchmal reicht ein Komet für eine großartige Idee (Filmrezension)

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Coherence

Für den Gastbeitrag bedanken wir uns bei Volker von „Die Nacht der lebenden Texte“.

SF-Thriller // Nicht zu viel verraten, nicht zu viel verraten – wie mach’ ich das nur? Ich beginne mit sicherem Terrain: Das Budget ist begrenzt, das Setting dementsprechend ebenfalls. Regisseur James Ward Byrkit drehte in seinem eigenen Haus, entstanden ist ein Kammerspiel in seinem Wohnzimmer, das kaum einmal verlassen wird.

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Was geht draußen vor?

Ein Komet zieht an der Erde vorbei, acht Freunde treffen sich zu einem gemütlichen Abend. Handys bekommen einen Sprung, der Strom fällt aus, im gesamten Viertel, wie es scheint. Zum Glück sind ein Notstromaggregat und zwei Pakete Leuchtstäbe vorhanden. Nur in einem weiteren Haus am Ende der Straße brennt noch Licht. Die Quantenphysik und Schrödingers Katze kommen zu ihrem Recht, auch Meteoriteneinschläge und Parallelwelten.

Von wegen Physik ist langweilig

Klingt verwirrend? Ist es gar nicht so sehr. Nach etwas bedächtigem Start, in dem wir die acht Figuren und ihre etwas zwiespältigen Beziehungen zueinander kennenlernen, entwickelt sich ein hoch spannender Science-Fiction-Thriller, der auf faszinierende Weise mit der Naturwissenschaft spielt. Soweit ich das beurteilen kann, bewahrt er sich dabei sogar seine innere Logik. Obendrein strahlt die Physik auch auf die Protagonisten zurück. Ihre Beziehungen und Entscheidungen bekommen angesichts von Alternativen Gewicht. Dass die Umsetzung gelingt, ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass die Schauspieler keine exakten Textvorgaben hatten und vieles improvisieren mussten.

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Was geht drinnen vor?

„Coherence“ beweist, dass es manchmal einzig auf die Idee ankommt, aus der auch ohne großes Budget und namhafte Darsteller eine filmische Perle entstehen kann. Von Drehbuchautor und Regisseur James Ward Byrkit bekommen wir hoffentlich bald mehr zu sehen.

Veröffentlichung: 27. März 2015 als Limited Special Edition Blu-ray (inkl. Soundtrack-CD), Limited Special Edition DVD (inkl. Soundtrack-CD), Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Coherence
USA/GB 2013
Regie: James Ward Byrkit
Drehbuch: James Ward Byrkit
Besetzung: Emily Baldoni (als Emily Foxler), Maury Sterling, Nicholas Brendon, Elizabeth Gracen, Alex Manugian, Lauren Maher, Hugo Armstrong, Lorene Scafaria
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, nur Special Edition: Audiokommentar mit dem Regisseur James Byrkit und den Darstellern Emily Foxler und Alex Manugian, Making-of (Behind the Scenes), Interviews mit den Darstellern, Aufnahmen eines Testshootings, Booklet mit den Regieanweisungen für die Schauspieler
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Bildstörung

Star Trek – Into Darkness (Filmrezension)

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Kinostart: 9. Mai 2013

Um die Jahrtausendwende schien das Star-Trek-Universum zu Ende erzählt (auch wenn etliche Trekkies den Autor dieser Zeilen für diese These womöglich steinigen würden): Nach dem grandiosen 1996er-Kinohit „Der erste Kontakt“ hatten die beiden Nachfolger „Der Aufstand“ (1998) und „Nemesis“ (2002) nur solide Science-Fiction-Unterhaltung geboten. Auch die als Prequel konzipierte bislang letzte Star-Trek-Fernsehserie „Enterprise“ (2001–2005) brachte keine entscheidend neuen Impulse. Trotzdem begann schon 2005 die Arbeit an einem weiteren Kinofilm. „Star Trek“ schlug 2009 ein wie eine Bombe, was einerseits an der Wucht der großartigen Bilder lag, andererseits nicht zuletzt auch an der Idee, zu den Anfängen der Serie zurückzukehren und den Werdegang von James T. Kirk und Spock zu beleuchten.

In der Fortsetzung „Star Trek – Into Darkness“ sind erneut Chris Pine („Carriers“) als Kirk und der durch die TV-Serie „Heroes“ zum Star gewordene Zachary Quinto als Spock zu sehen. Speziell Quinto hatte sich bereits in „Star Trek“ als Idealbesetzung des rein logisch vorgehenden Vulkaniers erwiesen; er überzeugt auch beim zweiten Mal. Die anderen tragenden Säulen der Enterprise-Crew sind ebenfalls erneut an Bord, darunter Simon Pegg als Scotty und Zoe Saldana als Uhura.

Als feinster Besetzungsstreich erweist sich der bei uns als Sherlock Holmes bekannt gewordene Engländer Benedict Cumberbatch in der Rolle des Gegenspielers John Harrison. Und da die Information bereits vor Kinostart durchs Netz gegeistert ist, verraten wir nicht zu viel, wenn wir an dieser Stelle Harrisons Alias preisgeben: Khan – genau: der Übermensch, den u. a. im zweiten Kinofilm „Der Zorn des Khan“ (1982) Ricardo Montalban verkörpert hat. Cumberbatch wirft ein britisch-aristokratisches Charisma in die Waagschale und liefert Schauspielkunst ab, die dem ansonsten eher auf wuchtige Bilder und Action setzenden Film gut zu Gesicht steht.

Im Prolog rettet die „Enterprise“ eine kleine Welt samt ihrer rückständigen Einwohner vor der Zerstörung, indem sich Spock ins Innere eines kurz vor der Eruption stehenden Vulkans abseilt und die Lavamassen zum Gefrieren bringt. Klingt hanebüchen? Egal – is’ ja kein Doku-Drama hier. Um Spocks Überleben zu retten, ignoriert Heißsporn Kirk kurzerhand ein paar Direktiven der Sternenflotte. Dummerweise kann Spock nicht lügen – er petzt bei Admiral Pike (Bruce Greenwood). Das kostet Kirk das Kommando der „Enterprise“. Kurz darauf erschüttert ein Terroranschlag London. Die Krisensitzung des Sternenflotten-Kommandos unter Admiral Marcus (Peter Weller, „Robocop“) offenbart eine weitaus größere Dimension der Bedrohung – Stichwort Khan. Der flieht ausgerechnet ins Reich der – Trommelwirbel – Klingonen!

Damit die Trekkies nicht allzu enttäuscht sind, sei an dieser Stelle verraten, dass die Klingonen im Film lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Da freuen wir uns auf die nächste Fortsetzung. Dennoch bietet „Star Trek – Into Darkness“ genügend Schauwert für Trekkies. Nicht-Trekkies können sich an einem actionreichen und bombastischen Weltraum-Abenteuer erfreuen, auch wenn J. J. Abrams gegenüber dem Vorgängerfilm ein wenig auf der Stelle tritt. Vielleicht steckte der Regisseur mental bereits in der Vorbereitung zum nächsten Star-Wars-Film, einem Franchise, dem er nach eigener Aussage deutlich mehr abgewinnen kann als dem Star-Trek-Universum.

Abschließend ein Wort zu 3D: Der Trailer sah in 3D herausragend aus und weckte hohe Erwartungen, die der Film leider nicht einhält. Es scheint sich zu etablieren, die 3D-Technik bei Trailern mehr auszureizen. Das mag kurzfristig den einen oder anderen Zuschauer mehr zur Zahlung des Aufpreises bewegen; ob sich dieser Schmu am Kinogänger auf Dauer auszahlt, sei dahingestellt. „Star Trek – Into Darkness“ sieht gut aus, mehr aber auch nicht. 2D hätte völlig ausgereicht, zumal gelegentlich undefinierbare Teilchen vor der Leinwand zu schweben scheinen, die eher stören als dass sie ein räumliches Erlebnis bewirken. Schade drum.

USA 2013
Regie: J. J. Abrams
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof
Besetzung u. a.: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana, Simon Pegg, Peter Weller, Karl Urban, Alice Eve, Bruce Greenwood

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